Venetianische Epigramme
Kapitel LXXXIV
D i e will Amorn verjagen, und d e r gedenkt ihn zu fesseln; Beyden das Gegentheil lächelt der schelmische Gott.
LXXXIV.
Göttlicher Morpheus, umsonst bewegst du die lieblichen Mohne; Bleibt das Auge doch wach, wenn mir es Amor nicht schließt.
LXXXV.
Liebe flößest du ein, und Begier; ich fühl' es, und brenne. Liebenswürdige, nun flöße Vertrauen mir ein!
LXXXVI.
Ha! ich kenne dich, Amor, so gut als einer! Da bringst du Deine Fackel, und sie leuchtet im Dunkel uns vor. Aber du führest uns bald verworrene Pfade; wir brauchten Deine Fackel erst recht, ach! und die falsche erlischt.
LXXXVII.
Eine einzige Nacht an deinem Herzen! - Das Andre Gibt sich. Es trennet uns noch Amor in Nebel und Nacht. Ja, ich erlebe den Morgen, an dem Aurora die Freunde Busen an Busen belauscht, Phöbus, der Frühe, sie weckt.
LXXXVIII.