Venetianische Epigramme
Kapitel CXLIV
Knaben liebt ich wohl auch, doch lieber sind mir die Mädchen, Hab ich als Mädchen sie satt, dient sie als Knabe mir noch.
CXLIV.
Köstliche Ringe besitz ich! Gegrabne fürtreffliche Steine Hoher Gedanken und Styls fasset ein lauteres Gold. Theurer bezahlt man die Ringe geschmückt mit feurigen Steinen, Blinken hast du sie oft über dem Spieltisch gesehn. Aber ein Ringelchen kenn ich, das hat sich anders gewaschen, Das Hans Carvel einmal traurig im Alter besas.
Unklug schob er den kleinsten der zehen Finger ins Ringchen, Nur der größte gehört, würdig, der eilfte, hinein.
CXLV.
Alle sagen mir, Kind, daß du mich betriegest,
O betriege mich nur immer und immer so fort.
CXLVI.
Welche Hoffnung ich habe? Nur eine die heut mich beschäftigt, Morgen mein Liebchen zu sehn das ich acht Tage nicht sah.
CXLVII.
Alles was ihr wollt, ich bin euch wie immer gewärtig Freunde, doch leider allein schlafen, ich halt es nicht aus.