Venetianische Epigramme

Johann Wolfgang von Goethe · Kapitel 8 von 44

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Venetianische Epigramme

Kapitel XXVI

Schläfst du noch immer? Nur still, und laß mich ruhen; erwach' ich, Nun, was soll ich denn hier? Breit ist das Bette, doch leer. Ist überall ja doch Sardinien, wo man allein schläft; Tibur, Freund, überall, wo dich die Liebliche weckt.

 

XXVII.

Alle Neun, sie winkten mir oft, ich meine die Musen; Doch ich achtet' es nicht, hatte das Mädchen im Schoß. Nun verließ ich mein Liebchen; mich haben die Musen verlassen, Und ich schielte, verwirrt, suchte nach Messer und Strick. Doch von Göttern ist voll der Olymp; du kamst mich zu retten, Langeweile! du bist Mutter der Musen gegrüßt.

 

XXVIII.

Welch ein Mädchen ich wünsche zu haben? Ihr fragt mich. Ich hab' sie, Wie ich sie wünsche, das heißt, dünkt mich, mit Wenigem Viel. An dem Meere ging ich, und suchte mir Muscheln. In einer Fand ich ein Perlchen; es bleibt nun mir am Herzen verwahrt.

 

XXIX.

Vieles hab' ich versucht, gezeichnet, in Kupfer gestochen, Oel gemahlt, in Thon hab' ich auch Manches gedruckt, Unbeständig jedoch, und nichts gelernt noch geleistet; Nur ein einzig Talent bracht' ich der Meisterschaft nah: Deutsch zu schreiben. Und so verderb' ich unglücklicher Dichter In dem schlechtesten Stoff leider nun Leben und Kunst.