Der Dichter Lenz und Friedericke von Sesenheim

Johann Wolfgang von Goethe · Kapitel 19 von 29

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Der Dichter Lenz und Friedericke von Sesenheim

III. Gedichte von Lenz, welche in Tiecks Ausgabe von dessen Schriften fehlen.

III.

 

Gedichte von Lenz,

 

welche in Tiecks Ausgabe von dessen Schriften fehlen.

 

Pygmalion.

 

An diesen Lippen, diesen Augen,

Die Welt vergessend, hinzuhangen,

Und aus den rosenrothen Wangen

Des Lebens Ueberfluß zu saugen;

An dieses Busens reiner Fülle,

Die Schmerzen meiner Brust zu wiegen

Und auf des Schooses Fried’ und Stille

Mit thränenmüdem Haupt zu liegen:

Das war mein Wunsch und ist mein Grämen,

Und soll mir doch kein Schicksal nehmen.

 

An Minna.

 

Geduld und unerschrockner Muth

Beseelen mein getreues Blut;

Ich fürcht’ mich nicht zu sterben.

Der Himmel kostet Leiden hier,

Ich leide froh, kann ich von dir

Mir einen Blick erwerben.

 

Nur du verdienst beglückt zu seyn;

Drum will ich gerne Gram und Pein

In meiner Brust verschließen.

Den Thränen will ich widerstehn;

Du Engel sollst sie niemals sehn

Auf meinen Wangen fließen.

 

Ach! traue deutscher Redlichkeit,

Die sich zu deinem Dienste weiht;

Und willst du sie belohnen,

So müße Tag und Nacht der Schmerz

Dir Freude seyn, und Lust und Scherz

Dein schönes Herz bewohnen.