Der Dichter Lenz und Friedericke von Sesenheim
In einem Gärtchen am Contade
Alsdann, mein Kind, ist alles gut,
Alsdann, so mag mein junges Blut
Für dich die Erden färben.
Es ist mir sonst nichts fürchterlich,
Als dich betrübt zu sehen, dich!
Viel sanfter thut’s zu sterben.
Drum fleh’ ich, heitre dein Gesicht,
Ich scheue Höll’ und Himmel nicht;
Bleibt mir dein Auge offen.
Wenn du vergnügt und glücklich bist,
Und stünd’ ich auf dem Richtgerüst,
So ist mein Ziel getroffen.
Und wär’ ich in der Sklaverey,
Und hätte nur den Trost dabey,
Für dich, für dich zu leiden,
Und wär’ ich jenseit überm Meer,
Und wüßt’, daß Minna glücklich wär’,
Doch wär’ ich zu beneiden!
Nur sie, nur sie muß glücklich seyn,
Nur sie, nur sie verdient’s allein,
Und gieng die Welt zu Grunde!
Ich selber mit! O wie so schön
Würd’ ich alsdann zu Grunde gehn!
Schlag bald, du schöne Stunde.
In einem Gärtchen am Contade[21],
nachdem der Verfasser im Flusse gebadet hatte.
Erlaube mir, du freundlichster der Wirte,
Du Bild der Gottheit! daß ich diese Myrte
Verflecht’ in dein verzoddelt Haar.
In deinem Gärtchen, das du selbst erzogen,
Sing’ ich, für dich, was Hunderte gelogen,
Beatus ille — und was Keiner war.
Für meine fünf zehn Sols, nehm’ ich die Stelle
Von dir auf eine Stunde ein.
Denn sieh’, ich komm’ aus Aganippens Quelle,
Und bin von jeder Sorge rein,
Von jeder Leidenschaft — in diesem Augenblicke
Schickt mich die Gottheit her, dir zuzusehn,
Ganz Herz, ganz Ader für dein Glücke,
Und find’ es unaussprechlich schön.
Das muß gesungen seyn. Da alles singet
In unsern Tagen, schwieg’ ich lang.
Die Freude, dacht’ ich, welche klinget,
Verliert sich schneller als ihr Klang.
Doch deine stille Lust die niemand neidet, Die niemand fühlt, als du allein, und ich,