Die Chronik der Sperlingsgasse

Wilhelm Raabe · Kapitel 18 von 25

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Die Chronik der Sperlingsgasse

Am 28. Februar.

 

Es ist gar kein übler Monat dieser Februar, man muß ihn nur zu nehmen wissen!

— Da ist erstlich die ungeheuere Merkwürdigkeit der fehlenden Tage. Wie habe

ich mir einst, vor langen Jahren, den Kopf über ihr Verbleiben zerbrochen. Jeder

andere Monat paßte aufs Haar mit Einunddreißig auf den Knöchel der Hand, mit

Dreißig in das Grübchen, und nur dieser eine Februar — ’s war zu merkwürdig!

— Das ist ein Stück aus der formellen Seite der Vorzüge dieses Monats, jetzt

wollen wir aber auch die inhaltvolle in Betrachtung ziehen. Was ist an diesem

Regen auszusetzen? Tut er nicht sein möglichstes, die Pflicht eines braven

Regens zu erfüllen? Macht er nicht naß, was das Zeug halten will und mehr? Der

alte Marquart in seinem Keller ist freilich übel daran, seine Barrikaden und

Dämme, die er brummend errichtet, werden weggeschwemmt, seine Treppe

verwandelt sich in einen Niagarafall. Alles, was Loch heißt, nimmt der Regen

von Gottes Gnaden in Besitz. Immer ist er da; seine Ausdauer grenzt fast an

Hartnäckigkeit! Man sollte meinen, nachts würde er sich doch wohl etwas Ruhe

gönnen. Bewahre! Da pladdert und plätschert er erst recht. Da wäscht er

Nachtschwärmer von außen, nachdem sie sich von innen gewaschen haben; da

wäscht er Doktoren und Hebammen auf ihren Berufswegen; da wäscht er

Kutscher und Pferde, Herren und Damen — maskiert und unmaskiert, da wäscht

er Katzen auf den Dächern und Ratten in den Rinnsteinen; da wäscht er

Nachtwächter und Schildwachen selbst in ihrem Schilderhaus. Alles was er

erreichen kann, wäscht er! Kurz: „Bei Tag und Nacht allgemeiner Scheuertag,

und Hausmütterchen Natur so unliebenswürdig, wie nur eine Hausfrau um drei

Uhr nachmittags an einem Sonnabend sein kann.“ Das ist das Bulletin des

Februars, den man einst mensis purgatorius nannte. — Jetzt finde ich

auch einen Vergleich für das Aussehen der großen Stadt. Lange genug hab’ ich

mich besonnen, keiner schien passend. Nun aber hab’ ich’s! Aufs Haar gleicht

sie einem unglücklichen Hausvater, welchen die Fluten des sonnabendlichen

Scheuerns auf einen Stuhl am kalten Ofen geschwemmt haben, wo er sitzt — ein

neuer Robinson Crusoe — mit Kind, Hund, Katze und Dompfaffenbauer, die

Beine auf einen hohen Schemel stehend und die Schlafrockenden herabhängend

in die Wogen.

Brr! — Das ist mal wieder ein Wetter, um in alten Mappen zu wühlen, und ich

wühle auch darin schon seit geraumer Zeit! Da muß ein Brief sein, den ich trotz

aller Mühe nicht finden kann, und der doch eigentlich schon früher der Chronik

hätte eingelegt werden sollen. Briefe mit späterem Datum von derselben Hand finde ich genug; sie berichten von Kindtaufen, und einer auch von dem

Hinscheiden eines ehrwürdigen Pudels, „Rezensent“ genannt. Ich möchte aber

gern ein älteres Schreiben haben, welches noch nicht von Kindtaufen erzählt!

Gottlob, hier ist’s! Die Chronik hätte es, wie gesagt, viel früher aufnehmen

müssen, aber was tut’s. Je älter s o l c h e Briefe werden, je älter ihr Schreiber

selbst geworden ist, desto frischer klingen sie!

Hier ist das Skriptum:

 

„Unter Verantwortlichkeit der Redaktion.“

 

L i e b e u n d G e t r e u e !

 

Eben hatte ich diesen Anfang ‚Liebe und Getreue‘ gemacht, als sich auf einmal

ein kleines Patschhändchen auf meine Schulter legte, ein brauner Lockenkopf

sich vorbeugte, und ein Stimmchen ganz fein sagte:

‚Erlaube, liebes Kind (‚liebes Kind,‘ das bin ich, der Dr. Wimmer) — erlaube,

liebes Kind, an was für ein Frauenzimmer willst Du da schreiben?‘ Ich sah

verwundert auf und erblickte — eine kleine runde Dame (sie sitzt neben mir und

zieht mich für das ‚rund‘ tüchtig am Ohr), die ein allerliebstes Mäulchen machte:

‚Liebes Kind ich möcht’s halt gern wissen!‘

‚Sollst Du auch, Schatz,‘ sagte ich lachend. Gib acht, es ist eine seltsame

Geschichte! — Es war einmal ein Mann, der lief in der Welt herum, und die

Leute nannten ihn Dr. Heinrich Wimmer; einige freilich titulierten ihn auch

‚Esel‘ oder so. Das waren aber nur die, welchen er dasselbe Epitheton gegeben

hatte — was er oft sogar schriftlich, Schwarz auf Weiß, tat. Gut, dieser Mensch

hatte eigentlich nur wenig wahre Freunde (Bekannte genug), denn er war so eine

Art von Vagabond, wenn auch nicht in der schlimmsten Bedeutung des Worts. Er

war ein Literat. Zu den Freunden, die ihn ertrugen und nicht ‚Esel‘ nannten,

gehörte erstens ein Schulmeister Namens Roder, zweitens ein ältlicher Herr,

Wachholder genannt, und drittens — ein junges Mädchen (beruhige Dich,

Nannette, sie war höchstens elf Jahre alt, als wir schieden), Namens Elise Ralff.

Wir wohnten in einer großen Stadt, wo es viel Staub gibt, und aus der sie mich,

höchst wahrscheinlich aus Sorge um meine Gesundheit, wegjagten, weil jener

Staub mich stets zum Husten brachte, ziemlich dicht zusammen, und betrugen

uns gegeneinander, wie gute Freunde sich betragen müssen. Sogar der Pudel

Rezensent, mein vierter Freund, fühlte oft eine menschliche Rührung darüber;

wie es in der Tat ein vortreffliches Vieh ist, was Du auch dagegen sagen magst,

Nannerl!

Und nun höre — grimme Othelloin, das „Liebe und Getreue“ gilt den d r e i Freunden und ‚halt‘ nicht einem Frauenzimmer, Du Eifersucht!

Da wir nun aber einmal dabei sind, so laß Dir auch weiter erzählen, liebe

Nannette. Mit diesen Freunden lag ich an dem Tage, an welchem ich den letzten

Staub von den Füßen über jene Sand-Stadt schüttelte, in einem Holze, wo wir

den ganzen Tag über Vogelnester gesucht, Blumen gepflückt und Märchen

erzählt hatten, als auf einmal ein Gefühl bodenloser Einsamkeit und moralischen

Katzenjammers u. s. w. u. s. w. über mich kam. Da stieg plötzlich, mitten im

grünen Walde, wo die Vögel so lustig sangen, und die Sonne so hell und fröhlich

durch die Zweige schien, ein Gedanke in mir auf, ein Gedanke an ein kleines

hübsches Mädchen, mit welchem ich einst zusammen gespielt, und an das ich

oft, oft gedacht hatte in späteren Jahren. — Daran aber dacht’ ich in dem

Augenblick nicht, daß zwischen dem Kinderspiel und dem Waldtage so lange

Zeit lag; — ich dachte — ich dachte: Heinrich warum gehst du nicht nach

München, wo du geboren bist, wo dein Onkel Pümpel, wo dein — kleines liebes

Mühmchen Nannette wohnt?

Wie ein Lichtstrahl, viel heller und fröhlicher als die Sonne — durchzuckte

mich das, ich sprang auf, warf den Hut in die Luft und schrie: ‚Hurra, ich gehe

nach München zu meinem Onkel Pümpel, zu meiner Cousine Nannerl!‘ — Die

Freunde sahen mich verwundert und lächelnd an, und der Lehrer Roder sagte:

‚Junge, das wäre prächtig, wenn Du — solide würdest!‘

(Gib mir einen Kuß, Schatz, und ich erzähle weiter.)

Sieh’, da wand die kleine Lise Ralff dem Pudel einen hübschen

Waldblumenkranz um den Pelz, sie drückten mir alle die Hand — das kleine

Mädchen weinte sogar — und — — — ich ging nach München.

Lange Jahre waren hingegangen, seit ich meine Vaterstadt nicht gesehen hatte,

und ganz wehmütig gestimmt, schritt ich in der Abenddämmerung durch die

alten bekannten Gassen der Altstadt. Da lag das Haus meiner Eltern; — Fremde

wohnten darin. Ich lugte durch die Ritze eines Fensterladens und sah zwei

Kinder, die allein am Tische bei der Lampe saßen; sie waren sehr eifrig in ein

Gänsespiel vertieft, und ich dachte an unsere Jugend, Nannerl, und das Herz

ward mir immer schwerer, — Seidelgasse Nr. 20, da stand ich nun vor einem

andern Haus. Dort hing ein altes wohlbekanntes Schild: ‚Pümpel’s

Buchhandlung‘ darauf gemalt. Der Laden war bereits geschlossen, der Onkel

jedenfalls schon im Hofbräuhaus; ein Lichtschein erhellte noch die Fenster des

obern Stockwerks.

Ich wagte kaum die Klingel zu ziehen. Endlich tat ich’s aber doch. Mein Gott,

ebenso jämmerlich klang die Glocke schon vor zehn Jahren. Schlürfende

Schritte näherten sich — die Tür ging auf; wahrhaftig da war sie noch, die dicke

Waberl, eher jünger als älter! Der Pudel und ich hätten sie beinahe über den Haufen geworfen; sie kannte mich nicht und stand starr vor Schrecken und

Verwunderung, als ich mit meinem vierbeinigen Begleiter in zwei Sätzen die

Treppe hinauf war.

Eine kleine runde … (Au, mein Ohr! Hör’ einmal, Nannette, das ist das Ohr,

in welches es bei mir ‚hineingeht‘, was wird das für eine Ehe abgeben, wenn Du

mir das abkneifst. Nannette, ich würde in Deiner Stelle mal das andere, zu

welchem es ‚herausgeht‘, nehmen!) Dame trat mir entgegen:

‚Der Vater ist nicht zu Haus, mein Herr!‘ — — — Ich antwortete nicht,

sondern nahm ihr das Licht aus der Hand, — die kleine runde Dame erschrak

ebenfalls gar sehr, — und hielt es so, daß mir der Schein voll ins Gesicht fiel.

‚Herr Gott, der Vetter Heinrich!‘ rief die kleine rrr Dame (Nannette, sag’ mal,

ich glaube, ich habe Dir in dem Augenblick einen Kuß gegeben?)

‚O welch’ abscheulicher Bart — — und eine Brille trägt er auch! Waberl,

Waberl, schnell nach dem Bräuhaus: der Vetter Wimmer sei da!‘

Ja, er war da, der Vetter Heinrich Wimmer, und der alte Onkel kam auch; er

umarmte den Landläufer und steckte ihn in seinen Sonntagsschlafrock; er wollte

— — ja, was wollte er nicht alles! Der Pudel sprang wie toll und machte

sogleich, als ein vernünftiger Köter, Freundschaft mit dem dicken Pümpelschen

Kater Hinz.

Und dann — dann ward ich Redakteur der ‚Knospen‘, unter der Bedingung,

den fatalen politischen Husten vorher erst auszuschwitzen; dann ward ich von

Deinem Papa, meinem guten, dicken, vortrefflichen Onkel in den deutschen

Buchhandel ‚eingeschossen‘, und dann — — — Nun, Nannette, und dann? —

— — — — — — — — — — — — — — — — M e i n e H e r r e n u n d

F r e u n d e , w a s h a b ’ i c h I h n e n d a g e s c h r i e b e n ! — So geht’s,

wenn man verlobt ist und neben seiner Braut einen Brief schreiben will! Die

reine Unmöglichkeit! Statt eines soliden, nach allen Regeln der Logik und

Briefschreibekunst abgefaßten Berichts, schmiere ich Ihnen meine Unterhaltung

mit dem Frauenzimmer. ’s ist göttlich!

Nun — was tut’s? Die Hauptmomente meiner Geschichte habt Ihr doch bei

der Gelegenheit erfahren. Ich habe eine neue Seite meines Lebens

aufgeschlagen; und wer hat diese vita nuova bewirkt? Der edle

Polizeikommissar Stulpnase nebst seinen Myrmidonen und — meine kleine

Beatrice, genannt Nannette Pümpel! Gesegnet sei das Haus Pümpel et

Comp. bis ins tausendste Glied!! —

Ich schließe. Meine gentilissima verlangt ebenfalls Platz auf diesem

Bogen. Mich soll’s wundern, was sie schreiben wird, ihre Augen leuchten gar

arglistig.

Dr. Wimmer.

 

L i e b e , k l e i n e E l i s e !

 

Obgleich wir uns noch nicht mit Augen gesehen haben, so kann ich doch halt

nicht unterlassen, Dir, Herz, diesen ganz kleinen Brief zu schreiben, der böse

Mensch hat nicht viel Raum übergelassen. So ganz böse freilich ist er doch nicht,

denn er hat mir viel Gutes und Schönes von Dir erzählt, aber sage doch den

beiden Herren, die ich auch nicht kenne, daß sie das törichte Zeug, was er alles

geschrieben hat, halt nicht alles glauben. Ich hab’ ihn durchaus nicht so viel ins

Ohr gekneift, als er sagt. — Liebes Kind, Ihr müßt uns einmal alle besuchen. Ich

habe zwei Kanarienvögel und einen Stieglitz, der sich sein Futter selbst herauf

zieht. Ich hätte Dir gern eins von den Vögelchen geschickt, aber der Onkel

Doktor meint, sie könnten das Fahren nicht vertragen, das könnte selbst sein

häßlicher Puhdel nicht. Es ist nur gut, daß das schwarze Tier sich so vor meinem

schönen bunten Hinz fürchtet; sie beißen sich zwar halt nicht, aber sie sehen sich

oft schief an von der Seite. Liebes Kind, besuche uns einmal und grüße den

Herrn Onkel Wachholder und den Herrn Lehrer recht schön;

 

Deine unbekannte Freundin

N a n n e t t e P.

 

P. Scr. Verehrtester, überreichen Sie doch meiner dicken Freundin, der

Madam Pimpernell, beifolgende drei Fünftalerscheine; da wird ein noch zu

tilgender Schuldenrest sein.

 

Dr. W.

 

P. Scr. Ich muß in die Küche, sonst hätte ich mich eben noch recht über den

Doktor zu beklagen. Er ist recht böse. Gestern hat er sein Tintenfaß über meine

beste Tischdecke gegossen. Das geht mein Lebtag nicht wieder heraus! — Aber

das ist das wenigste. — ’s ist nur gut, daß ich den Tabaksdampf gewohnt bin,

auch mein Papa macht furchtbare Wolken, und die Gardinen müssen nun noch

einmal so bald gewaschen werden. Adieu!

 

N a n n e t t e .

 

P. Scr. Der Onkel Pümpel hat sich’s in den Kopf gesetzt, dem armen

‚Puhdel‘, wie Nann’l schreibt — auf seine alten Tag’ noch das „Todstellen“

beizubringen.

Dr. W.

 

P. Scr. Bier mag er schon! (Ich meine halt den Pudehl — so wird’s wohl

recht geschrieben sein) Gott, ich muß wirklich in die Küchen!

 

N.

 

P. Scr. Nannette ist fort! Meine lieben Freunde, ich bin sehr glücklich und

fidel! Ich hoffe auf baldige Nachrichten von Euch allen. Gruß und Brüderschaft!

 

Euer

H . W i m m e r .“

 

Welchen Jubel hatte einst dieser Doppelbrief mit seinen Postskripten in der

Sperlingsgasse erregt! Wie tanzte an jenem Augustnachmittag im Jahre 1841, als

er ankam, der Lehrer Roder mit der kleinen Elise im Zimmer herum! Heute, wo

ich ihn wieder hervorsuchte, ist weder Roder bei mir, — sie haben ihn im Jahr

Achtzehnhundertundneunundvierzig nach Amerika gejagt, s i e f ü r c h t e t e n

sich gewaltig vor ihm — noch guckt das kleine Lischen, auf einem Stuhl

stehend, mir über die Schulter. Aber allein bin ich doch nicht beim Wiederlesen;

trotz dem Regen hat sich der Zeichner Strobel herausgewagt und ist, da das

Glück dem Kühnen lächelt, wohlbehalten, wenn auch etwas durchnäßt, bei mir

angekommen.

„Es ist ein prächtiges Ehepaar geworden,“ sagte er lächelnd, indem er mir die

Nadel einfädelte, mit welcher ich das Dokument der Chronik anheften wollte.

„Seit der Doktor den bösen politischen Husten, der ihn sonst plagte,

losgeworden ist, hat er einen Umfang gewonnen, dem nur das Embonpoint der

kleinen fidelen Frau Doktorin Nannerl nahe kommt. Und diese kleinen fetten

Wimmerleins: Hansl, Fritzl und Eliserl, „das jüngste Wurm“, wie der Doktor

sagt! — Und diese Nachkommenschaft des edeln Rezensent! — Für jedes

Wimmerlein ein Pudel, einer immer schwärzer und schnurrbärtiger als der

andere. Wie heißen sie doch? Richtig: Stulpnas (gewöhnlich Stulp abgekürzt),

Tinte und Quirl. Es ist ein Schauspiel für Götter, die Familie spazieren gehen zu

sehen. Voran schreitet der Doktor mit dem alten Großvater Pümpel, dann folgen

Tinte und Quirl, die den Korbwagen ziehen, in welchem das „Kroop“ Elise liegt.

Neben ihnen trabt Stulp mit des Doktors Hut und Stock, und zuletzt kommt die

Nannerl, an der Rechten den Hans, an der Linken den Fritz. Von Zeit zu Zeit

treibt sie mit dem Sonnenschirm das Paar der Zugtiere an oder ruft dem Doktor

zu:

„Wimmer, Du wirst gleich Dein Taschentuch verlieren!“

oder:

„Wimmer, renne nicht so mit dem Vater. Wir kommen halt nicht mit!“

oder:

„Wimmer, Stulp hat nur noch Deinen Stock!“

Dann dreht sich der Doktor gravitätisch um, wirft einen Feldherrnblick über

den langsam daher ziehenden Heereszug, pustet und fächelt, knöpft die Weste

auf, bindet das Halstuch ab, oder zieht wohl gar den Rock aus und sagt:

„Schatz, das Spazierengehen müssen wir aufstecken. Beim Zeus! es wird zu

angreifend für unsereinen! — Stulp, Schlingel, hol’ meinen Hut — dort

allons!“

Während nun der Zug so lange hält, bis Stulp mit dem Verlorenen

zurückkommt, sagt der Alte wohl:

„Heinerich, paß auf, das neue Komplimentierbuch geht nicht!“

„Weshalb nicht, Papa?“

„Wir sind hier zu Lande nicht recht daran gewöhnt!“ lautete die Antwort.

„Das weiß ich schon aus den Nibelungen und dem Parcival,“ sagt der Doktor,

eine gewaltige Rauchwolke auspuffend. „Es soll aber schon ‚gehen‘, Onkel und

Schwiegerpapa Pümpel! Das Ungewohnte und Ungewöhnliche macht am

meisten Glück. Fritzl, laß den Frosch in Ruhe, setz’ ihn wieder ins Gras, sonst

kriegst Du ihn gebraten zum Abendessen, was keinem jungen Bayern angenehm

sein kann! — Vorwärts! Yankee doodle doodle dandy!“ Damit setzt

sich das Haus Pümpel & Komp. wieder in Marsch.

Ich lachte herzlich über diese Schilderung. „Es wachse, blühe und grüne das

Haus Pümpel & Kompagnie wie — wie — —“

„Hopfen! — Vivat hoch!“ schrie der Zeichner, nahm den Hut und trabte

wieder davon. Wo er gesessen hatte, stand ein kleiner Sumpf Regenwasser: einen

Schirm brauchte ich ihm also nicht anzubieten.