Die Chronik der Sperlingsgasse

Wilhelm Raabe · Kapitel 22 von 25

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Die Chronik der Sperlingsgasse

Am Abend.

 

Ich bin zurückgekommen von meinem Spaziergang und sitze wieder allein und

einsam vor den zerstreuten Bogen meiner Chronik. Der Karikaturenzeichner hat

wirklich ein Blatt vollgekritzelt, alle meine Federn verdorben, einen Tintenklex

auf dem Fußboden gemacht, meinen Siegellackvorrat zerbissen, zerdreht und

zerbrochen und — eine Ecke von meinem Schreibtisch abgeschnitzelt. — Er hat

mir fast die Fortsetzung der Aufzeichnung meiner Phantasien verleidet, und es

war doch so süß, wenn der Blick an irgend einen Gegenstand meines Zimmers,

dort an jenes kleine leere Messingbauer, an jenen Sessel vor dem Nähtischchen,

an ein altes Blatt, eine vertrocknete Blume, eine bunte Zeichnung in meiner

Mappe sich fest hing, und allmählich eine Erinnerung nach der andern aufstieg

und sich blühend und grünend darumschlang. Wir sind doch törichte Menschen!

Wie oft durchkreuzt die Furcht vor dem Lächerlichwerden unsere innigsten,

zartesten Gefühle! Man schämt sich der Träne und — spottet; man schämt sich

des fröhlichen Lachens und — schneidet ein langweiliges Gesicht; die Tragödien

des Lebens sucht man hinter der komischen Maske zu spielen, die Komödien

hinter der tragischen; man ist ein Betrüger und Selbstquäler zugleich! — Mit

einem Kinderbaukasten verglich Strobel diese bunten Blätter ohne

Zusammenhang? Gut, gut, — mag es sein, — ich werde weiter damit spielen,

weiter lustige, tolle Gebäude damit bauen, da d i e fern sind, welche mir die

farbigsten Steine dazu lieferten? Ich werde von der Vergangenheit im Präsens

und von der Gegenwart im Imperfektum sprechen, ich werde Märchen erzählen

und daran glauben, Wahres zu einem Märchen machen, und zuerst die

bekritzelten Blätter des Meisters Strobel der Chronik anheften! Hier sind sie:

 

Strobeliana

 

3 Uhr. Ich habe mir eine Zigarre angezündet, den Bogen neben mich ins Fenster

gelegt und beginne meine Beobachtungen. Zuerst bringe ich zu Papier natürlich

das Wetter: das holdseligste Himmelblau, den prächtigsten Sonnenschein. Hätte

ich nur einen Funken poetischen Feuers in mir, so würde ich mir beide durch ein

junges, schönes Paar personifizieren, welches da hoch oben im Himmelszelt auf

seinem weißen, weichen Wolkendivan tändelt und kost und total vergessen hat,

daß noch so viel hunderttausend deutsche Hausfrauen auf — Märzschnee warten

zum Seifekochen! Wahrhaftig, da ist ja eine Fliege! Welch ein Fund für einen

Chronikschreiber! Summend stößt sie gegen die sonnenbeschienenen Scheiben, die wir schnell schließen wollen, um das arme Tierchen zu seinem Besten vor

dem heuchlerischen Frühling da draußen zu bewahren. Sie scheint auch jetzt ihre

Torheit einzusehen, sie läßt ab und umfliegt mich. Halt, jetzt setzt sie sich auf

meine Knie, nach mehreren vergeblichen Angriffen auf meine Nasenspitze; sie

nimmt den Kopf zwischen beide Vorderbeine, kratzt sich hinter den Ohren und

— — — kleiner …! — Dahin geht sie, eine Spur hinterlassend auf meinem Knie

und — in der Chronik der Sperlingsgasse. Ich wollte, es gäbe ein Sprichwort:

„Schämt Euch vor den Fliegen an der Wand.“ Um wie viel menschliche

Tollheiten und Torheiten schnurren diese winzigen Flügelwesen. Wer weiß, was

der Punkt, den der kleine Tourist da eben niedergelegt hat, eigentlich bedeutet?

Wer weiß, ob es nicht ein deponiertes Tagebuch ist, voll der geistreichsten

Bemerkungen; ein Tagebuch, das man nur aufzurollen und zu entziffern

brauchte, wie einen ägyptischen Papyrus um wunderbare, unerhörte Dinge zu

erfahren. Welch eine Revolution würde es hervorbringen, wenn dem so wäre;

wenn man sich vor den Fliegen an der Wand schämen müßte! Wie würden die

Fliegenklatschen in Gang kommen. Arme Fliegen! Kein „redlicher Greis in

gestreifter kalmankener Jacke“ würde euch mehr verschonen „zur

Wintergesellschaft“. Wie den Vogel Dudu würde man euch ausrotten, und

höchstens — einige in Uniform gesteckt, mit einer Kokarde auf jedem Flügel,

als Regierungsbeamte besolden. Es wäre schrecklich, und ich breche ab. —

3¼ Uhr. — Welche Reisegedanken dieser blaue Himmel schon wieder in mir

erweckt! An solchen Vorfrühlingstagen, wo der Geist die Last des Winters noch

nicht ganz abgeschüttelt hat, ist’s, wo die Sehnsucht nach der Ferne uns am

mächtigsten ergreift. Es ist ein sonderbares Ding um diese Sehnsucht, die wir nie

verlieren, so alt wir sein mögen. Da zupft etwas an unserem tiefsten Innern:

Komm heraus, komm heraus, was sitzest du so still, du Tor, und hältst Maulaffen

feil? Hier findest du nicht, worüber du grübelst, wonach du dich sehnst, ohne es

zu kennen. Sieh, wie blau, wie duftig die Ferne! Viel, viel weiter liegt’s! Komm

heraus, heraus!

Bah, diese blaue, duftige Ferne; wie oft hab’ ich mich von ihr verlocken

lassen. Die Erde läßt uns ja nicht los; wir sind ihre Kinder, und sie ist nichts ohne

uns, wir nichts ohne sie. — Folge jetzt der lockenden Stimme, deine Füße

werden schon in dem weichen Boden versinken; närrische Sprünge wirst du mit

den Erdklößen an den Stiefeln machen! Fühle, daß zur Zeit, wo die Sehnsucht

am stärksten ist, auch die Fesseln am stärksten sind; kehre um, ziehe Pantoffeln

an und nimm die gestrige Zeitung vor die Nase: das Glück liegt nicht in der

Ferne, nicht über dem wechselnden Mond! —

3½ Uhr. — Da höre ich eben unten in der Gasse eine merkwürdige Redensart

aus dem Munde eines Tagelöhners, der einen andern, sehr übelgelaunt Aussehenden, mit den Worten auf die Schulter klopft: „Man muß nie

verzweifeln; kommt’s nicht gut, s o k o m m t ’ s d o c h s c h l e c h t

h e r a u s !“ In demselben Augenblick öffnet sich nebenan ein Fenster. Eine

beschmierte rote Sammetmütze auf einem Wald schwarzer Haare beugt sich

hervor; es ist mein würdiger Freund Monsieur Anastase Tourbillon,

seines Zeichens ein französischer Sprachlehrer. Er scheint die Redensart drunten

auch gehört und — verstanden zu haben und gähnt: „Ah, ouf, quelle

bête allemande! Eh vogue la galère, jusqu’à la mort

tout est vie!“

Da habt ihr die beiden Nationen und …… Wetter! — da gebe ich nicht acht

und — meine Fliege von vorhin entschlüpft summend aus dem wiedergeöffneten

Fenster! Nie mehr wird sie wieder meinen Freund Wachholder umschwirren, nie

mehr auf dem Rande der Zuckerdose umherspazieren oder gegen die Scheiben

stoßen! Sie hat, was sie wollte — unbegrenzte Freiheit, aber ach — heute Abend

— keinen warmen Ofen mehr, sich daran zu wärmen; in den Rinnsteinen der

Sperlingsgasse fließt weder Milch noch Honig! — Verflucht sei die Freiheit!

Amen! —

3¾ Uhr. Die meisten Dichterwerke der neuesten Zeit gleichen dem Bild jenes

italischen Meisters, der seine Geliebte malte als Herodias, und sich in dem

Kopfe des Täufers auf der Schüssel porträtierte. Da pinseln uns die Herren ein

Weibsbild, Tendenz genannt, hin, welches anzubeten sie heucheln, und welches

auf dem Präsentierteller, hochachtungsvoll und ergebenst, uns das verzerrte

Haupt des werten Schriftstellers selbst überreicht. Die Nützlichkeit solchen

Treibens läßt sich nicht abstreiten, also — nur immer zu! — Wie komm’ ich

d a r a u f . —

4 Uhr. — Es ist merkwürdig; seit ich dieses Blatt bemale, ist dieselbe

Traumseligkeit über mich gekommen, welche dieser Chronik ein so zerfetztes,

zerlumptes Ansehen gegeben hat. Wachholder hat recht, es ist ein eigentümlich

behagliches Gefühl, seinen Gedankenspielen sich so ganz und gar hinzugeben,

ohne sich Geist-herausquälend im Kreise zu drehen, wie ein hartleibiger Pudel.

Wo war ich eben, als das Kindergeschrei drunten auf der Straße mich

aufweckte? Ich will es versuchen, es der Chronik einzuverleiben, worin zugleich

für meinen ehrenwerten Freund Wachholder die größte Genugtuung für meine

vorigen Reden liegen wird.

Es war an einem Sonntagmorgen im Juli, als ich auf braunschweigschem

Grund und Boden am Uferrand der Weser lag und hinüberblickte nach dem

jenseitigen Westfalen. Früh vor Sonnenaufgang war ich, über Berg und Tal

streifend, mit dem ersten Strahl im Osten, in ein gleichgültiges Dorf

hinabgestiegen. Ich hatte Kaffee getrunken unter der Linde vor dem Dorfkrug, hatte behaglich das Treiben des Sonntagsmorgens im Dorf belauscht und

andächtig der kleinen Glocke zugehört, die in dem spitzen, schiefergedeckten

Kirchturm läutete. Manchem hübschen, drallen, niedersächsischen Mädchen, das

sich über den sonderbaren, plötzlich ins Dorf geschneiten Fremdling wunderte,

hatte ich lächelnd zugenickt; ich hatte Bekanntschaft mit der gesamten Kinder-,

Hühner-, Gänse- und Entenwelt des „Krugs“ gemacht, dem weißen Spitz den

Pelz gestreichelt und manche Frage über „Woher und Wohin“ beantwortet. Mit

meinem Wirt (der zugleich Ortsvorsteher war) hatte ich das Bienenhaus besucht;

darauf die Gemeinde, den Kantor und Pastor in die Kirche gehen sehen, und

hatte mich zuletzt allein im Hofe unter der Linde gefunden, nur umgeben von

der quakenden, piepsenden, geflügelten Schar des Federviehs. Aus diesem

dolce far niente hatte mich plötzlich das Schreien eines Kindes

aufgeschreckt. Es drang aus dem Haus hinter mir und bewog mich, aufzustehen

und in das niedere, vom Weinstock umsponnene Fenster zu sehen. Eine alte Frau

war eben beschäftigt, einen widerspenstigen, heulenden, strampelnden Bengel

von vier Jahren mit Wasser, Seife und einem wollenen Lappen tüchtig zu

waschen, welcher Prozedur drei bis vier andere kleine „Blaen“ angstvoll

zusahen, wartend, bis die Reihe an sie kommen würde.

„Nun, Mutter,“ sagte ich, mich auf die Fensterbank lehnend; „und Ihr seid

nicht in der Kirche?“

Die Alte sah auf und sagte lachend: „Et geit nich immer; ek mott düsse lüttgen

Panzen waschen und antrecken — Herre — Kinderschrieen is ok een

Gesangbauksversch!“

Ich nahm den Hut ab und trat unwillkürlich einen Schritt zurück. Welch eine

wunderbar schöne Predigt lag in den fünf Worten des alten Weibes! Eine

Schwalbe beschrieb eben ihren Bogen um mich, ihrem Neste unter dem

niedrigen Dachrande zu, und klammerte sich, ihre Beute im Schnabel, an die Tür

ihrer kleinen Wohnung, begrüßt von dem jubelnden Gezwitscher der federlosen

Brut. Ich konnte der alten Frau kein Wort mehr sagen.

„Kinderschrieen is ok een Gesangbauksversch!“ murmelte ich leise, zu

meinem Tisch unter der Linde zurückgehend. Ich riß ein Blatt aus meiner

Brieftasche, schrieb darauf: Kinderschrieen is ok een Gesangbauksversch, und

zog es mit einem Strauß Waldblumen unter das Hutband.

Träumend schritt ich dann durch die Tür des Dorfkirchhofs, vorüber an den

bunten, geputzten Gräbern, zu dem offenen Kirchtor (auf dem Lande braucht der

Protestantismus seine Kirchen während des Gottesdienstes noch nicht zu

schließen) und lehnte andächtig an der Esche davor. Mit großer Freude hörte ich,

wie der junge Pastor eine Gellertsche Fabel in das Gleichnis aus dem fernen

Orient schlang; während die Schwalben in dem heiligen Gebäude hin und her schossen, und ein verirrter Schmetterling seinen Weg durch die geöffnete

Kirchtür eben wieder zurückfand.

„Kinderschrieen is ok een Gesangbauksversch!“ rief ich, über die niedere

Mauer in das freie Feld springend, und durch die gelben Kornwogen mit ihrem

Kranz von Flatterrosen am Rande, der Weser zuwandernd. Da hatte ich mich ins

Gras unter einen Weidenbusch geworfen und träumte in das Murren des alten

Stromes neben mir hinein; während drüben im katholischen Lande eine

Prozession singend den Kapellenberg zu dem Marienbild hinaufzog, und hinter

mir die protestantischen Orgeltöne leise verklangen. Welch ein wundervoller,

blauer, lächelnder Himmel über beiden Ufern, über beiden Religionen, welch

eine wogende Gefühlswelt im Busen, anknüpfend an die fünf Worte der alten

Bäuerin! Ich war damals jünger als jetzt und legte das Gesicht in die Hände:

 

„Nenn’s Glück! Herz! Liebe! Gott!

Ich habe keinen Namen

Dafür! Gefühl ist alles“ — — — —

 

Ein näher kommender Gesang weckte mich plötzlich; ich blickte auf. Brausend

und schnaufend, die gelben Fluten gewaltig peitschend, kam der „Hermann“ die

Weser herunter. Der Kapitän stand auf dem Räderkasten und griff grüßend an

den Hut, als das Schiff vorbeischoß. Hunderte von Auswanderern trug der

Dampfer an mir vorüber, hinunter den Strom, der einst so viele Römerleichen

der Nordsee zugewälzt hatte. Ein Männerchor sang: „Was ist des Deutschen

Vaterland,“ und die alten Eichen schienen traurig die Wipfel zu schütteln; sie

wußten keine Antwort darauf zu geben, und das Schiff flog weiter. Die Weser

trägt keine fremden Leichen mehr zur Nordsee hinab; wohl aber murrend und

grollend ihre eigenen unglücklichen Söhne und Töchter! — Ich verließ meinen

Ruheplatz und ging durch den Buchenwald den nächsten Berg hinauf bis zu

einer freien Stelle, von wo aus der Blick weit hinausschweifen konnte ins schöne

Land des Sachsengaus. Welch eine Scholle deutscher Erde! Dort jene blauen

Höhenzüge — der Teutoburger Wald! Dort jene schlanken Türme — die große

germanische Kulturstätte, das Kloster Corvey! Dort jene Berggruppe — der Idth!

cui Idistaviso nomen sagt Tacitus. Ich bevölkerte die Gegend mit den

Gestalten der Vorzeit. Ich sah die achtzehnte, neunzehnte und zwanzigste Legion

unter dem Prokonsul Varus gegen die Weser ziehen und lauschte ihrem fern

verhallenden Todesschrei. Ich sah den Germanicus denselben Weg kommen und

lauschte dem Schlachtlärm am Idistavisus; bis der große Arminius, der

„turbator Germaniae“ durch die Legionen und den Urwald sein weißes

Roß spornte, das Gesicht unkenntlich durch das eigene herabrieselnde Blut,

geschlagen, todmüde. Ich sah, wie er die Cheruska von neuem aufrief zum neuen Kampf gegen die „urbs“; wie das Volk zu den Waffen griff: pugnam

volunt, arma rapiunt; plebes, primores, juventus,

senes!

Aber wo ist denn die Puppe? kam mir damit plötzlich in den Sinn. Ich

schleuderte den Tacitus ins Gras, stellte mich auf die Zehen, reckte den Hals aus,

so lang als möglich, und schaute hinüber nach dem Teutoburger Walde. Da eine

vorliegende „Bergdruffel“ (wie Joach. Heinr. Kampe sagt) mir einen Teil der

fernen blauen Höhen verbarg, gab ich mir sogar die Mühe, in eine hohe Buche

hinaufzusteigen, wo ich auch das Fernglas zu Hilfe nahm. Vergeblich; —

nirgends eine Spur vom Hermannsbild! Alles, was ich zu sehen bekam, war der

große Christoffel bei Kassel, und mit einem leisen Fluch kletterte ich wieder

herunter von meinem luftigen Auslug. Hatte ich aber eben einen leisen

Segenswunsch von mir gegeben, so ließ ich jetzt einen um so lauteren los. Ich

sah schön aus! „Das hat man davon,“ brummte ich, während ich mir das Blut aus

dem aufgeritzten Daumen sog, „das hat man davon, wenn man sich nach

deutscher Größe umguckt: einen Dorn stößt man sich in den Finger, die Hosen

zerreißt man, und zu sehen kriegt man nichts als — den großen Christoffel.“

Ärgerlich schob ich mein Fernglas zusammen, steckte den Tacitus zurück in die

Tasche und ging hinkend den Berg hinunter, wieder der Weser zu. Ärgerlich warf

ich mich, am Rande des Flusses angekommen, abermals ins Gras. Was hatte sich

alles zwischen die gefühlsselige Stimmung von vorhin und den jetzigen

Augenblick gedrängt! Der Himmel war noch ebenso blau, die Berge noch

ebenso grün, der Papierstreifen von vorhin steckte noch neben den Waldblumen

an meinem Hute, und doch — wie verändert blickte mich das alles an! Hätte das

Dampfschiff mit seinen Auswanderern nicht später kommen können, da es doch

sonst immer lange genug auf sich warten läßt! Hätte ich Narr nicht unterlassen

können, nach dem Hermannsbild auszuschauen? Wie ruhig könnte ich dann jetzt

im Grase meinen Mittagsschlaf halten, ohne mich über den großen Christoffel,

den so viele brave Katten mit ihrem Blute bezahlt haben, zu ärgern! — Ich

versuchte mancherlei, um meinen Gleichmut wieder zu gewinnen; ich kitzelte

mich mit einem Grashalm am Nasenwinkel, ich porträtierte einen dicken,

gemütlichen Frosch, der sich unter einem Klettenbusch sonnte, — es half alles

nichts! — Der Dämon Mißmut ließ mich nicht los, wütend sprang ich auf,

schrie: Hole der Henker die Wirtschaft! und marschierte brummend auf Rühle zu

— — — — — — Wetter, was ist das für ein Lärm in der Sperlingsgasse?! Heda,

— da ist ein Hundefuhrwerk in einen Viktualienkeller hinabgepoltert, und ich —

ich, der Karikaturenzeichner Ulrich Strobel, sitze hier und schmiere Unsinn

zusammen! Hol’ der Henker auch die Chronik der Sperlingsgasse! — Adieu,

Wachholder!