Briefe an Ludwig Tieck, Dritter Band
Kapitel XVII
Mit vielem Ergötzen habe ich den Anti-Faust von neuem gelesen. Friedrich hat nach diesem Anfange große Erwartungen vom Folgenden, und meint, es werde etwas gänzlich Verschiednes vom Zerbino werden, und die Aehnlichkeit läge bloß in Aeußerlichkeiten. Die classischen Grobheiten im Aristophanes haben ihm besonders gefallen. Ich bin im ganzen mit ihm einig. Die einzelnen Einfälle, das göttliche Böttiger Lied u. s. w. das versteht sich von selbst.
So sehr ich indessen Deine Darstellungen des prosaischen Zeitgeistes in mancherlei komödischen Allegorien bewundere, könnte ich doch wohl wünschen, Dich mit der Komödie im Felde des nackten und baaren Lebens erscheinen zu sehen. Hast Du noch keine Anmuthungen dieser Art gehabt?
Daß man sich mit solchen Gesellen wie Böttiger und Falk einlassen muß, ist ein nothwendiges Uebel, oder auch nicht, denn sie werden durch ihre Erbärmlichkeit wieder klassisch und symbolisch.
Lebe recht wohl, ich bin die Zeit her fleißig gewesen, und werde hoffentlich bald mit der letzthin erwähnten Arbeit fertig sein. Fr. ebenfalls: er hat einen höchst wunderbaren zweiten Akt eines Schauspiels, welches nicht mehre haben soll, beendigt.
Den Tristan und die letzten Bogen vom Almanach wirst Du hoffentlich richtig erhalten haben. Das Geld von Cotta habe ich noch nicht, sonst hätte ich natürlich sogleich Deinen Antheil übersandt.
Leb nochmals wohl.
Dein
A. W. S.
XVII.
Jena, d. 2. Nov. 1801.
Endlich ist das Geld von Cotta gekommen, und ich versäume keine Post, um Dir Deinen Antheil zu schicken. Ich lege die Berechnung bey. Das aus Nürnberg geschickte Geld war nur bis Coburg frankirt und hat mir noch 1 Thl. 12 Gr. Unkosten gemacht. Die Hälfte hievon abgezogen von Deinen 101 Thlr. bleiben: 100 Thl. 6 Gr. Ich habe das Geld in Laubthalern erhalten, an welchen Du dort beträchtlich verlieren würdest, das vortheilhafteste für Dich war, sie hier in Lsdr. umzusetzen, welches ich denn auch gethan habe. Allein wenn man Lsd’or braucht, so bekömmt man sie nicht so niedrig, als wenn man sie ausgiebt. Ich habe 5 Thl. 16 Gr. 6 Pf. in hiesigem Gelde für das Stück bezahlen müssen, also 6 Pf. mehr, als Cotta sie uns verrechnet. Darauf gehen die 6 Gr. und noch einige Groschen mehr, die ich Dir nicht in Anschlag bringe, und so erhältst Du Netto: 20 Lsd’or.
Der Himmel gebe nun, daß über Tausend Exemplare abgesetzt werden, so hat jeder von uns noch 20 Lsd. zu erwarten.
Da ich morgen nach Berlin reise, so will ich, um Dir möglichst das Postgeld zu sparen, das Packet erst in Leipzig auf die Post geben.
Du erhältst zugleich Bücher mit. In Friedrichs und meinem Namen, die Charakteristiken, von mir Fichte’s Nicolai, der schon lange auf eine Gelegenheit wartete, und 3 Exempl. des Almanachs auf Schreibpapier. Ein viertes habe ich an den Conducteur Heine adressirt für den Ungenannten, von dem das Sonett herrührt. Sey so gut und schicke es hin.
Die Velin-Exemplare sind immer noch nicht fertig, und es wird wohl noch 14 Tage damit dauern. Ich werde Auftrag zurücklassen, Dir 2 davon zu schicken. So viel bleiben jedem von uns, nach Abzug derer an die Hauptmitarbeiter und an Goethe und Schiller, denen wir doch gemeinschaftlich geben. Wenn Du eins von denen auf Schreibpapier übrig hast meiner Schwester zu geben, so wirst Du ihr gewiß eine Freude damit machen. Deinem Bruder habe ich in Deinem Namen ein Exemplar gegeben.
Das Mspt. vom Antifaust nehme ich mit nach Berlin, um Deine Schwester und Bernhardi damit zu ergötzen. Da ich nicht auf die Messe gekommen bin, so habe ich nichts thun können, um es gut an einen Verleger zu bringen. Du könntest es immerhin mit Cotta noch versuchen. Er läßt sich Dir empfehlen und klagt, daß Du gar nichts von Dir hören ließest. Von Vieweg schrieb ich schon einmal, wie ich glaube. Thu recht mit Eifer dazu, damit es auf Ostern noch das Licht der Welt erblickt. Schick auch die Abschrift der folgenden Akte wo möglich nach Berlin.
Meine Sendung mit dem Tristan hast Du gewiß richtig erhalten. Wenn der Druck von Hardenbergs Nachlaß in Berlin anfängt (wovon ich durch Friedrich jetzt das erste Wort erfahre) so erbiete ich mich zur Correctur, und Du kannst dieß an Unger bei Uebersendung des Mspts. schreiben. Meine (weggerissen, wahrscheinlich: Begegnung) mit ihm steht dabey gar nicht im Wege, ich habe seitdem schon viel in seiner Druckerey corrigirt.
Den 8ten Band des Shakspeare erhältst Du von Berlin aus, er ist fertig, aber ich habe ihn nicht hieher bekommen.