Briefe an Ludwig Tieck, Dritter Band
Schack, Adolph Friedrich von.
Geb. am 2. Aug. 1815 zu Brüsewitz bei Schwerin.
Mecklenburgischer Geheimer Legationsrath; lebt gegenwärtig in München (?) und gilt
sowohl für einen gründlichen Kenner spanischer Litteratur, für einen vortrefflichen, dichterisch reproducirenden Uebersetzer, als auch für einen gediegenen Philologen im Gebiete orientalischer Sprachen. Dafür zeugen schon die Werke:
Geschichte der dramatischen Litteratur und Kunst in Spanien, 3 Bde. (1845–46.) —
Spanisches Theater, 2 Bde. (1845.) — Uebersetzung des Firdusi — u. a. m.
Auch seine Briefe sind uns ein höchst willkommener Beitrag zur Widerlegung
verleumderisch erfundener Mährchen von Tieck’s Abgeschlossenheit und ungefälliger Zurückhaltung gegen jüngere Gelehrte.
I.
Frankfurt a. M., den 29st. Dec. 1844.
Hochwohlgeborner Herr!
Hochgeehrter Herr Geheimerath!
Indem ich mir die Freiheit nehme, Ihnen, hochgeehrter Herr, ein Exemplar meines „Spanischen Theaters“ zu übersenden, erlaube ich mir zugleich, eine ganz gehorsamste Bitte an Sie zu richten, zu welcher mich Ihre frühere, mir so vielfach bewiesene, Güte ermuthigt. Es ist mir zur Vervollständigung meiner „Geschichte der dramatischen Literatur und Kunst in Spanien“ (welche nächstens bei Duncker und Humbolt erscheinen wird und schon im Druck begriffen ist) überaus wünschenswerth, auf kurze Zeit einige Bände der Comödien des Lope de Vega zum Gebrauche zu erhalten. Die Theile, welche ich besonders wünsche, sind Band 3, 5, 9, 10, 14, 17 und 19. Wollten Sie nun, Herr Geheimerath, die große Gefälligkeit haben, mir diese Bände auf drei Wochen zu leihen, so würden Sie mich zum innigsten Danke verpflichten und sich ein bleibendes Verdienst um meine literarische Arbeit erwerben. Sollten Sie Bedenken tragen, mir diese kostbaren Bände ohne Weiteres anzuvertrauen, so ist die hiesige Königl. Preußische Bundestags-Gesandtschaft bereit, die Bürgschaft dafür zu übernehmen, so wie ich auch selbst gern jede Art von Caution stellen will; willigen Sie dagegen sofort in mein Gesuch ein, so bitte ich, die bezeichneten Bände dem Herren Professor Röstell in Berlin zu übergeben, welcher mir dieselben zusenden wird. Nach Ablauf von drei Wochen erhalten Sie dieselben unversehrt zurück.