Briefe an Ludwig Tieck, Dritter Band

Karl von Holtei · Kapitel 84 von 173

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Briefe an Ludwig Tieck, Dritter Band

Kapitel III

Erwarten Sie von mir, außer der innigen Hochachtung und Erkenntlichkeit gegen den Dichter, wie sie mir seit meinen Jünglingsjahren (und das ist lange her) unverändert innewohnt, nur noch eine freudige Hinneigung zu jedem bedeutenden und edlen Menschen: von anderm aber, was dem Umgange Gewicht oder Reiz giebt, gar nichts; — dann werden Sie sich über mich nicht irren. Hiermit lassen Sie mich

Ihnen

in freundschaftlicher Ergebenheit

empfohlen seyn

Rochlitz.

 

III.

 

Dresden, d. 11ten Jun. 27.

Ich bin gestern ohne Dank, ja ohne Alles, von Ihnen gegangen. Dichtung und Vortrag hatten mich so ergriffen, so an- und ausgefüllt, daß ich’s so machen mußte. Auch wollte ich den Eindruck gar zu gern ganz ungestört mit nach Hause nehmen. Da hab’ ich denn bis lange nach Mitternacht still dagesessen; so gut ich konnte, jedes Einzelne wieder an mir vorübergehen, nun Alles sich wieder vereinigen, vereinigt auf mich wirken, und so die ganze Musik endlich nach und nach in mir ausklingen lassen.

Auch heute will ich nur das sagen: Jener köstliche Heinrich war mir freilich von A bis Z bekannt und auch erinnerlich; aber wenn nun Alles und Jedes in ihm, scharf umrissen und vollendet ausgemalt, vor mir und in mir lebt, so verdanke ich das Ihnen. Und wenn ich nun weiß, wie sich das Vorlesen überhaupt, hoch, bis zu einer selbstständigen Kunst steigern läßt, so verdanke ich das Ihnen auch.

Wie könnte ich da anders, als meine Bitte wiederholen: Lassen Sie mich wissen, wenn Sie wieder vorlesen. Für mich, wie ich nun eben bin, enthält Dresden nichts Genußreicheres, und für Sie macht ein Zuhörer keinen Unterschied. Dankbar

Ihr

Rochlitz .