Briefe an Ludwig Tieck, Dritter Band

Karl von Holtei · Kapitel 75 von 173

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Briefe an Ludwig Tieck, Dritter Band

Kapitel IV

Adresse:

Herrn M. Th. Robert

für Ludw. Robert

in

Berlin.

T.S.V.P.

Ich kann diesen Brief nicht an Sie, verehrtester Freund! abgehen lassen, ohne meine herzlichen Wünsche für Ihr Allerseitiges Wohl und die freundlichsten Grüße selbst beizufügen, an Sie und die ganze theure Familie, die mich mit so viel Liebe und Wohlwollen aufnahm. Die Zeit drängt mich so, daß Sie über meinen Styl lachen werden; deßhalb behalte ich mir vor, meine Ehre bald durch ein anderes Schreiben zu retten. Ich empfehle mich in Ihre fortdauernde Freundschaft und bin

Ihre

ergebenste

Friderike Robert .

Varnhagens lassen beide vielmals grüßen. Sie ist oft unwohl.

 

IV.

 

Dresden , 29/8. 1821.

Dürfte ich Sie wohl um den Prinzen von Homburg bitten; ich bedarf ihn, um einige Worte öffentlich darüber zu sagen und schon Morgen sollen Sie ihn wieder zurück erhalten.

Meine undiplomatische Aufführung von gestern Abend thut mir leid, man soll nie in Gesellschaft ein wahrhaftes und tiefes Gefühl äußern, weil eine solche Aeußerung, ihrer Natur gemäß, laut werden muß, welches die Andern, Kalten still macht; und weil heiliger Eifer imponirt, das heißt stumm macht. Stumm-Machen aber ist noch unverzeihlicher als Still-Machen. Kurz ich habe sehr unrecht gehabt ein Gespräch vor fremden Herrn zu führen, das sich höchstens in Ihrer Studierstube geziemt hätte; aber auch Sie haben mich etwas dazu verführt und deßhalb reicht Hohenzollern dem Churfürsten diese Bittschrift ein.