Briefe an Ludwig Tieck, Dritter Band
Kapitel VII
Von dem hiesigen Theater könnte ich Ihnen nur wiederholen, was ich im Morgenblatt darüber vielfältig gesagt habe. Sollten Sie Zeit und Lust haben es zu lesen? Mit Wolff’s Spiel habe ich mich in so fern ausgesöhnt, als er ein ganz anderes Subjekt ist, wie der Goethesche Meisterschüler, der uns vor sieben Jahren von Weimar überkam. Auch dies habe ich ausführlich im Morgenblatte auseinander gesetzt. Meine Frau empfielt sich Ihrem und der Ihrigen Andenken und ich küsse der Gräfin Finkenstein die Hand wie Ihrer Frau Gemahlin und den Fräuleins. Gott segne Sie mit Gesundheit und Kraft!
Ihr
Sie verehrender
Ludw. Robert.
P.S. Soeben war Herr Teichmann, Theatersekretair, von Paris zurückkommend, bei mir. In seinem Auftrage schreibe ich, daß er Goethen die Verlobten, die dieser noch nicht kannte, hat zukommen lassen; daß der alte Herr sehr erfreut darüber und Sie den guten Tieck nannte.
Sie wollen über Preciosa schreiben. Das ist wichtig! Ihr unbedingtes Lob dieses Stückes kann zu Saamen sehr schlechter Stücke werden. Ich wage daher zu sagen: Sprechen Sie über das Stück nicht, wenn Sie Ihre Liebe zu dem Autor nicht beseitigen können.
VII.
Berlin , 12t. April 23.