Briefe an Ludwig Tieck, Dritter Band

Karl von Holtei · Kapitel 137 von 173

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Briefe an Ludwig Tieck, Dritter Band

Kapitel XXXI

Nun lebe recht wohl, grüße Alle, schreibe mir bald und behalte mich lieb. Wenn Du wieder nach Bonn kommst, soll besser für Logis gesorgt seyn, denn ich habe das obere Stockwerk einrichten lassen. Die edlen Rosse stolzieren noch immer vor meinem Wagen.

Mit tausend herzlichen Wünschen

Ganz der Deinige

A. W. v. Schl.

 

XXXI.

 

Bonn, d. 27. Mai 36.

Geliebtester Freund und Bruder!

 

Gestern brachte mir Herr Löbell zu meiner großen Freude Deinen Brief. Wir gingen sogleich auf meine Bibliothek, um den fraglichen Theil der Schauspiele des Lope de Vega zu suchen; aber, o Jammer! es fand sich, daß es derselbe sei, den du schon doppelt hast. Barcelona 1630. 4 Parte veynte. La discreta vengança. Locierto per lo dudoso. Pobreza no es vileza. Aranco domado etc. etc. Aus Verdruß, Dir nichts angenehmes schicken zu können, möchte ich Dir nun dieses dritte Exemplar zu Deinen zweien persönlich an den Kopf werfen, wozu Du mir hoffentlich Gelegenheit schaffen wirst.

Mit den Blumensträußen ist es leider eben so. Ich habe nur ein einziges Exemplar auf Velin, nicht einmal ein gewöhnliches, zum Behuf des Setzers, bei einem etwanigen neuen Druck. Ich begreife es aber nicht recht. Reimer lamentirte ja immer so, es habe wenig Absatz gefunden. Hat er etwa alles zu Maculatur gemacht? Unser gemeinschaftlicher Musenalmanach ist eine große Seltenheit geworden: mein wieder ergattertes Exemplar halt ich unter Schloß und Riegel. Das Athenäum ist vergriffen, die Charakteristiken und Kritiken vergriffen, mein Calderon vergriffen. Auch meine französische Schrift über die Phädra des Racine ist, wie mich ein von Paris kommender Italiener versichert, dort nicht aufzutreiben.