Briefe an Ludwig Tieck, Dritter Band

Karl von Holtei · Kapitel 83 von 173

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Briefe an Ludwig Tieck, Dritter Band

Kapitel II

Ich sage Ihnen das alles so gerade hin, weil ich jedem Manne, den ich nicht kenne, mit Offenheit und Vertrauen entgegen gehe; wie viel mehr Ihnen, von dem ich so viel Vortreffliches weiß.

Lassen Sie mich noch diese Gelegenheit benutzen, Sie von meiner aufrichtigen Hochachtung zu versichern, und Ihnen für die wahre Herzensfreude zu danken, die Sie auch mir durch Ihre Arbeiten, — auch kürzlich erst durch verschiedene Ihrer Gedichte im Musenalmanach bei Cotta, — gemacht haben, und noch gar oft machen werden. Kann ich Ihnen auch nichts seyn, als ein Punkt in der langen, leider schwankenden Linie, die man das Publikum nennt, so besteht doch eine Linie aus Punkten.

Friedr. Rochlitz .

 

II.

 

Leipzig, den 16ten März 1821.

Verehrter Herr und Freund!

 

Ich wünschte, Sie könnten sich meine Freude über den schönen Beweis der Fortdauer Ihres wohlwollenden Antheils an mir recht lebhaft vorstellen, und damit sie gewissermassen theilen. Aber dazu müßten Sie vollständig wissen, wie so etwas eben auf mich wirkt. Da das nun nicht seyn kann, so sage ich hier gar nichts, als ein einfaches: Ich danke — für Brief und Geschenk! Daß ich die Genovefa nun aus Ihren Händen besitze, wird allerdings dem erneuerten Genuß an ihr noch einen besondern, und gewiß nicht störenden Reiz zusetzen. Dieses Genusses nach allen meinen Fähigkeiten theilhaftig zu werden, spare ich ihn mir für die schönsten und ungestörtesten Frühlingstage auf; und daß ich dann laut lese, wenn auch mir selbst nur, brauche ich wohl nicht erst zu versichern.

Zur Ostermesse Sie hier zu sehen, und endlich von Angesicht zu Angesicht kennen zu lernen: darauf freue ich mich sehr. Ja, vielleicht finde ich im Laufe des Sommers Gelegenheit, Ihnen, — wenn Sie es nehmlich nicht ungern sehen, — noch näher zu treten, als es in jenen Tagen der Unruhe und des vielfältigen Treibens möglich ist: ich werde den Monat Julius im Schandauer Bade zubringen, und hoffe dann den August in Dresden zu verleben.