Briefe an Ludwig Tieck, Dritter Band

Karl von Holtei · Kapitel 53 von 173

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Briefe an Ludwig Tieck, Dritter Band

Rehberg, August Wilhelm von.

 

Geb. in Hannover am 15. Januar 1757, gestorben in Göttingen am 9. August 1836. Wurde 1815 in Hannover zum Kabinetsrath ernannt. Lebte von 1820 ab Jahre lang in

Dresden. —

Ueber den deutschen Adel (1803). — Constitutionelle Phantasieen (1832). —

Sämmtliche Werke, 3 Bde. (1828–31).

Wir legen ein offenes Bekenntniß ab: Von den zahlreich-vorhandenen Briefschaften

dieses vorzüglichen, unserm Tieck so innig ergebenen Mannes, haben wir — weniger mit sicherer Auswahl, als durch Zufall geleitet — nur diese drei Blätter entnommen.

Wir wollen unsere Schuld nicht beschönigen, aber wir hoffen auf Nachsicht, wenn wir

eingestehen, daß es uns unmöglich geworden, den ganzen Vorrath aufmerksam prüfend durchzulesen. Es hat in der großen, dickbändigen Hinterlassenschaft keineswegs an schlimmen Handschriften gefehlt. Diese jedoch steht einzig da, und trotz mehrfach wiederholter Anläufe kündigten die matten Augen immer wieder den Dienst auf.

 

I.

 

Dresden, 24. Jan. 28.

Ich weiß nicht für welche literarische Sünde, die vielleicht alt ist und nach vielen Jahren von der unerbittlichen Nemesis gestraft wird, ich so vielen Vergnügens entbehren muß, das doch nicht blos unschuldig, sondern noch etwas mehr wäre.

Ich soll weder Eduard den 3ten, noch Cromwell, noch die Jugendscherze Shakspears hören. Nun soll ich auch nicht einmal mich mit Ihnen unterhalten dürfen. Denn das bloße Reden erhitzt meinen Catarrh, der gar nicht nachlaßen will, und ich möchte Ihnen nicht einmal zumuthen, mit einer chinesischen Pagode zu reden, die nur mit Nicken und Kopfschütteln erwiederte, wenn ich es auch über mich vermöchte still zu schweigen, wenn ich mich über die intereßantesten Bemerkungen oder lehrreichsten historischen und literarischen mir neuen Thatsachen freue.

Sollten Sie eine Sammlung von Lessings Schriften haben, worin seine Briefe vom Jahre 1773 stehn, so bitte ich sie mir einstweilen zu schicken, bis ich Erlaubniß erhalte, Sie an das Versprechen zu erinnern, mir ein Stück von Ben Johnson zu erklären. Auch möchte ich die Herzens-Ergießungen eines Closterbruders einsehen.