Briefe an Ludwig Tieck, Dritter Band
Rochlitz, Friedrich.
Geboren den 12. Februar 1769 zu Leipzig, gestorben daselbst am 16. December 1842. Durch dreißig Jahre führte er (von 1798 bis 1818) die Redaktion der Allgemeinen
musikalischen Zeitung mit Einsicht, Kenntniß, Geschmack und Gerechtigkeit; Eigenschaften, ohne welche er den dreißigjährigen Krieg wider so vielerlei feindselige Mächte unmöglich so lange siegreich bestanden hätte.
Als poetischer Schriftsteller lieferte er:
Denkmale glücklicher Stunden, 2 Bde. (1810, 11.) — Kleine Romane und
Erzählungen, 3 Bde. (1807.) — Neue Erzählungen, 2 Bde. (1816.) u. a. m.
I.
Leipzig d. 23ten Dec. 1801.
Sie haben in dem Buche, Phantasieen über die Kunst &c. so tief und schön über Musik geschrieben, daß ich mit immer neuem Genuß, und immer herzlicherem Dank gegen Sie, zu seiner Lektüre zurückkehre. Schon längst würde ich Ihnen deshalb geschrieben haben, was ich jetzt schreibe, wenn ich, wie jetzt, den bestimmten Auftrag dazu gehabt hätte. Ich ersuche Sie nehmlich im Namen der Redaktion der musikal. Zeitung, wenn Sie etwas über Musik geschrieben haben oder schreiben, es ihr für ihr Institut gefälligst mitzutheilen. Es bleibt Ihnen der weitere Gebrauch solcher Aufsätze; nur würden Sie dieselben nicht zum Schaden der Zeitung allzuzeitig — wenigstens nicht unter einem Jahre nach dem ersten Abdruck — nochmals herausgeben. Die Redaktion bietet Ihnen für den Bogen des gewöhnlichen Drucks der Zeitung zehn Thaler Honorar, und würde gern mehr bieten, wenn das, denn doch nur ein beschränktes Publikum interessirende Institut irgend einem Mitarbeiter mehr geben könnte.
Der Buchhändler Herr Härtel (Breitkopf und Härtel) hat die Auszahlung. Verstattet es die Sache selbst, so werden Sie wie wir Alle, die wir an diesem Institut Theil nehmen, bei der Form Ihrer zu hoffenden Beiträge daran denken, daß bei weitem der größte Theil der Musiker und Musikliebhaber wohl Menschen von Geist und Sinn seyn mögen, aber nicht Menschen von tiefer, wissenschaftlicher Bildung; auch daran, daß ein seiner Länge wegen in mehrere Stücke zu theilender Aufsatz, durch solches Zerstückeln verlieren muß.