Briefe an Ludwig Tieck, Dritter Band
Kapitel XXIII
Noch habe ich jetzt keine neue Arbeit angefangen, ich kann nicht wohl eher, bis das Collegium zu Ende ist, welches mich wöchentlich zweimal stört; dann wird es aber mit großem Eifer geschehen.
Deine Schwester will Dir mit nächster Post das nähere über ihre Reise nach Dresden schreiben. Gehab Dich unterdessen wohl, grüße Deine liebe Frau und Friedrich.
A. W. S.
XXIII.
Berlin, d. 28. Mai 1803.
Zu Deiner Beruhigung, liebster Freund, melde ich Dir, daß ich von Wilmans Deine Gedichte vor dem Abdruck zurück erhalten. Suche nun Friedrichen die getäuschte Hoffnung (die Du denn doch wirklich erregt hast, ob Du es schon nicht eingestehen willst) auf andre Weise zu ersetzen. Das 2te Stück der Europa wird in ein paar Wochen fertig sein, und eben erhalte ich einen Brief von Friedrich, worin er verspricht, die Fortsetzung sehr rasch zu liefern, mir aber zugleich aufträgt, die Freunde zu Mitarbeiten zu ermahnen. Schick mir also nur bald etwas für das 3te Stück. Gleich nach Deiner Abreise habe ich angefangen, Deine Bearbeitung der Minnelieder mit den Originalen zu vergleichen. Ich wollte sie alle auf diese Weise durchgehen, allein eine Privat-Vorlesung, die ich noch zu meinen andern Arbeiten übernommen, hat mich nicht dazu kommen lassen. Ich schicke Dir also hier meine Bemerkungen über die ersten 26 Nrn. Achte sie Deiner Prüfung werth, und schreib mir unverzüglich, ob Du einige, und welche von meinen Vorschlägen Du annimmst. Willst Du mir nach dieser Probe Vollmacht ertheilen, bei der Correctur nach Vergleichung mit den Originalen, Kleinigkeiten (versteht sich nur solche, über die ich gewiß bin) zu berichtigen, so will ich sie mit aller Vorsicht ausüben. Du siehst leicht ein, daß ich keine andere Triebfeder hierbei habe, als Interesse an der Sache selbst. Ich kann mirs auch gefallen lassen, ein bloß passiver Corrector zu sein. Der Druck soll nach Reimers Aeußerung bald anfangen.
Deine Schwester läßt Dich herzlich grüßen. Es hat uns sehr leid gethan, von Genelli zu erfahren, daß wir für jetzt die Hoffnung aufgeben müssen, Dich wieder hier zu sehen. Hufelands Kur schlägt sehr gut an, sie hat sich innerhalb 14 Tagen ganz bedeutend erholt. Der Kleine ist auch glücklich entwöhnt worden, und sehr gesund. Nun sinnt sie nur darauf, die Reise nach Dresden, welche Hufeland sehr anräth, noch vor Ende des nächsten Monats zu bewerkstelligen.