Fluch
Kapitel 14
»Nein«, sagte Abe langsam und schüttelte den Kopf, »alles, was ich diese Woche gegessen habe, kommt aus dem Hotel. Du doch auch, oder? Und Julie?«
»Stimmt«, sagte Gideon. »Wenn also etwas im Essen war, dann muß es auch aus der Hotelküche gekommen sein.«
Abe nickte. Er hatte sich im Bett aufgestützt, zittrig und mit fahlen Wangen, und sah unansehnlich aus, wie unrasierte alte Männer in Schlafanzügen eben aussehen. Aber er wibbelte unruhig herum, schlug die Beine übereinander und legte sie dann wieder anders hin und knuffte die Kissen, die unter seinen Rücken gestopft waren, gereizt immer wieder zurecht.
Als Gideon Julie den Tee gebracht hatte, hatte sie drei Schlucke getrunken, geseufzt, ihm ihr wunderbares Lächeln geschenkt und war mit einer Hand auf seiner friedlich eingeschlummert. Gideon war sitzengeblieben, bis sie fest schlief, hatte dann vorsichtig seine Hand befreit, in der Bar eine Schale Suppe und etwas Brot geholt und war nach Abe sehen gegangen. Als er ihn das letzte Mal gegen zehn Uhr morgens besucht hatte, war Abe noch nicht fähig gewesen, etwas zu sich zu nehmen.
»Und was ist das für eine Suppe?« sagte Abe, zeigte lustlos auf die zugedeckte Schale.
»Was für eine darf s denn sein?«
Doch für so etwas war Abe nicht in der richtigen Stimmung. »Bei einem Anthropologen erwarte ich keinen ethnischen Humor«, erwiderte er scharf.
»In Ordnung, Hühnerbrühe.«
Abe gab ein knurrendes Geräusch von sich. »Ferner erwarte ich kein sklavisches Festhalten an überholten Stereotypen.«
»Mann, du hast todsicher eine wunderbare Laune. Ich bin wirklich froh, daß ich gekommen bin und dich ein wenig aufheitern konnte. Hör zu, nennen wir sie doch einfach caldo depollo, wenn du dich dann besser fühlst. Und es ist eine verdammt gute Therapie. Sie ist bekömmlich, nahrhaft, leicht zu schlucken. Sie ersetzt durch Dehydratation verlorengegangene Flüssigkeiten. Sie …«
Abe hielt sich die Ohren zu und verzog das Gesicht. »In Ordnung, ich werde diese verdammte Suppe essen, recht so?«
Gideon nahm den Deckel von der Schale und stellte das Tablett auf Abes Schoß. »Wirklich sehr gern geschehen«, sagte er. »Keine Ursache, sich zu bedanken.«
Schließlich lächelte Abe matt und lehnte sich entspannt in die Kissen. »Vielen herzlichen Dank, Gideon. Wirklich sehr nett von dir. Schön, daß du daran gedacht hast.« Er führte einen Löffel zum Mund und schluckte. »Gut«, sagte er. »Mir war gar nicht bewußt, daß ich so hungrig bin.« Ein paar Sekunden aß er schweigend und lebte sichtlich wieder auf.
»Du hast recht«, sagte er, »ich bin heute morgen tatsächlich nicht in meiner gewohnten guten Stimmung.«
»Ach, wirklich? Mir ist nichts Ungewöhnliches aufgefallen.«
Wieder lächelte Abe. »Nein, ich habe rumgekvetcht, stimmt, bin heute in einer ausgesprochen nörglerischen Laune, und das nicht nur, weil ich mich nicht besonders fühle.« Er rührte mit dem Löffel in der Schale, starrte finster hinein. »Es ist, weil wir alle krank sind, Gideon. Jemand versucht es so aussehen zu lassen, als wäre der Fluch echt.« Er wedelte lustlos mit einer Hand. »Setz dich, ja?«
Gideon holte einen der dunklen Holzstühle vom Schreibtisch neben das Bett, drehte ihn um und setzte sich, die Unterarme auf die Rückenlehne gelegt. »Ja, genau das hat Emma vorhin erst all denen erklärt, die’s noch nicht begriffen haben.«
»Es sei denn, das ganze Hotel wäre krank geworden, was natürlich alles in einem völlig anderen Licht erscheinen lassen würde.«
»Das habe ich bereits nachgeprüft.«
»Und wir sind die einzigen?«
»Nur wir, ja.«
»Dachte ich’s mir doch.« Er riß ein winziges Stück von einer schlabberigen Scheibe Weißbrot ab und kaute nachdenklich und langsam darauf herum. »Hast du irgendeine Idee, wie das gemacht worden ist?«
»Also, offensichtlich muß es etwas gewesen sein, das niemand außer uns gegessen hat.«
»Richtig. Ist es nicht wunderbar, Wissenschaftler zu sein und auf solche sagenhaften Deduktionen zu kommen?«
»Allerdings glaube ich nicht, daß es Escherichia coli oder Salmonellen oder irgendwelche anderen turista-Bazillen gewesen sind. Dazu sind wir nicht krank genug.«
»Sprich bitte nur für dich selbst.«
»Du weißt schon, was ich meine. Anscheinend befinden sich alle schon wieder auf dem Wege der Besserung – einschließlich dir –, und soweit ich weiß, hat keiner gebrochen oder Fieber. Nur akute Diarrhöe, verbunden mit leichtem Schwächegefühl und Krämpfen, nichts Ernstes.«
»Du hast gut reden«, brummte Abe. »Aber du hast recht. Ich werd’s überleben. Also, was meinst du, hat uns jemand ein Abführmittel ins Essen geschmuggelt?«
»Sieht ganz danach aus.«
»Finde ich auch.« Er reichte Gideon das Tablett, das er auf eine Kommode stellen sollte. Er hatte den größten Teil der Suppe und eine halbe Scheibe Brot gegessen, und seine Wangen hatten wieder etwas Farbe bekommen. »Daraus ergibt sich die Frage, was haben wir gestern gegessen, das sonst niemand im Hotel gegessen hat? Das Frühstück kann’s nicht gewesen sein, denn das stellt sich jeder ganz individuell aus der normalen Speisekarte zusammen, und für das Abendessen gilt das gleiche. Damit bleibt also …«
»Das Mittagessen, das im Hotel zubereitet, eingepackt und unbeaufsichtigt in der Bar deponiert wird, wo wir es uns morgens abholen können. Praktisch jeder hatte problemlos etwas beimischen können.«
Abe schüttelte den Kopf. »Nein, Preston und Emma bereiten sich ihr eigenes Mittagessen aus Bienenpollen und Sonnenblumenkeimen oder was auch immer zu, und die beiden sind ebenfalls erkrankt.« Er blickte scharf auf. »Haben sie wenigstens gesagt.«
»Falls dem nicht so war, haben sie auf jeden Fall eine ziemlich gute Show abgezogen, die grüne Gesichtsfarbe eingeschlossen.«
Beide dachten weiter nach, hatten nachdenklich das Kinn auf die Brust gesenkt. Gleichzeitig schauten sie wieder auf. »Der Saft!«
Jeden Morgen um halb zehn kam ein Junge aus dem Mayaland mit einem verschlossenen Drei-Gallonen-Behälter kaltem Obstsaft zur Ausgrabungsstelle, dem die gesamte Crew ausgiebig zusprach und der den ganzen Tag auf einem Tisch im Arbeitsschuppen stand. Unbeaufsichtigt.
»Also, wie schwer wäre es gewesen, ein paar Löffel Abführmittel da reinzumischen?« fragte Abe rhetorisch. »Zum Beispiel Cascara sagrada. Das kriegt man ohne Rezept als Abführmittel, und man muß die Tabletten lediglich pulverisieren.«
»Gestern hatten wir naturtrüben Apfelsaft, oder?« fragte Gideon. »Wem wäre es schon aufgefallen, wenn er durch das Cascara eine Idee dunkler ist?«
Abe seufzte tief auf. »Hier läuft wirklich jemand mit einem wunderbaren Sinn für Humor herum.«
»Ich frag mich immer wieder, ob Emma wohl dahintersteckt«, sagte Gideon. »Todsicher liefert das alles eine Menge Wasser auf ihre Mühlen. Vielleicht leistet sie ihrem Freund Huluc-Canab ein bißchen Schützenhilfe von der anderen Seite der physisch-realen Leere.«
»Aber du glaubst doch nicht wirklich, daß sie dich überfallen hat.«
»Nein.« Er schwieg kurz, fügte dann hinzu: »Ich könnte es zumindest nicht beschwören.«
»Was ist mit dem Coatimundi?«
»Nein, das war nicht Emma. Das war etwas anderes, das war ein Scherz.«
»Vielleicht war es etwas anderes, vielleicht auch nicht. Wenn sich eine Menge merkwürdige Dinge parallel ereignen, dann haben sie so die Eigenart, sich als zusammenhängend herauszustellen. Goldsteins Theorem zueinander in Beziehung stehender fauler Tricks und Ereignisse.«
Gideon lächelte. »Könnte sein.«
»Natürlich. Egal, in einem Punkt hast du auf jeden Fall recht.« Zum ersten Mal schimmerte ein winziges Funkeln in Abes Augen. »Emma ist für den Coatimundi nicht verantwortlich. Dahinter hat jemand anderes gesteckt.«
Gideon beugte sich über die Lehne des Stuhles, legte das Kinn auf die verschränkten Unterarme. »Okay, Abe, du weißt etwas, das ich nicht weiß. Laß hören.«
»Also …« Abe lehnte sich behaglich in die Kissen zurück, die Hände hinter dem Nacken verschränkt. »Da ich heute morgen geraume Zeit zur Verfügung hatte, habe ich ein bißchen nachgedacht, und ich habe über diesen Coatimundi sinniert. Was ich mich gefragt habe, war, wo findet man solch ein Tier?«
»Die sind in dieser Gegend heimisch. Julie sagt, man findet sie wahrscheinlich überall im Dschungel.«
»Sicher, aber wie oft bekommt man eines zu sehen? Überhaupt mal? Meinst du, du könntest einfach in den Dschungel marschieren und eines fangen, wenn du beschlossen hat, uns anderen einen kleinen Streich zu spielen?«
»Also, nein. Das sind wilde Tiere. Sie … okay, woher kriegt man einen Coatimundi, wenn man einen braucht?«
»Also, ich, ich würde eine Tierhandlung anrufen«, sagte Abe, »was ich dann auch getan habe. Wie sich herausstellt, gibt es zwei Tierhandlungen in Mérida, und in der ersten, die ich angerufen habe, auf der Avenida Colón, hat man mir gesagt, es wäre komisch, aber er hätte fast zwei Monate einen Coati gehabt, den kein Mensch wollte, und jetzt wäre ich schon der zweite norteamericano in einer Woche, der einen wolle.«
Gideon richtete sich auf. »Und du hast herausgefunden, wer dieser andere war?«
Doch Abe ließ sich Zeit mit seiner Pointe. Der Coati, sagte er zu Gideon, wurde telefonisch bestellt und nach Piste geliefert, was zufälligerweise das dem Mayaland am nächsten gelegene Dorf ist, etwa anderthalb Meilen entfernt. Ein bescheidenes, leicht heruntergekommenes kleines Straßendorf, das zu einem Zentrum für Touristen geworden war, die sich den Luxus des Majaland nicht leisten konnten oder wollten. Der Käufer hatte das in einem Karton verschickte Tier an der Bushaltestelle direkt vor der Mayan Cave Bar Disco (»English Spooken Here«) in Empfang genommen und war von dort aus mit einem Taxi Richtung Mayaland abgefahren. Dies alles war, solle Gideon nicht vergessen, am späten Dienstagnachmittag passiert, am Tag, bevor das Coati im Arbeitsschuppen entdeckt wurde.
»Und der Name«, brummte Gideon leise, »dieses geheimnisvollen Gringos war …«
»Nein, Señor Merino wußte seinen Namen nicht, aber er konnte ihn beschreiben: ›Un hombre con una barba de chivo.‹«
Gideons Spanisch reichte nicht aus. »Ein Mann mit einem was?«
Abe tippte sich mit einem Finger aufs Kinn. »Einem Ziegenbart.«
»Worthy?«
Abe nickte. »Du hattest von Anfang an recht.«
Das Erzählen hatte ihn ermüdet. Er ließ seine mageren Arme sinken, fiel zurück in die Kissen und schloß ein paar Sekunden lang die Augen. »Im Augenblick bin ich ein wenig müde, aber in einer Stunde werde ich mich schon wieder erheblich besser fühlen. Ich zieh mich an und geh zu ihm, red mit ihm und finde heraus, was Sache ist. Und sag ihm, was Sache ist«, fügte er hinzu.
»Den Teufel tust du«, sagte Gideon mit Nachdruck. »Du bleibst heute schön im Bett. Ich werde mit Worthy reden.«
»Nein«, sagte Abe und schüttelte den Kopf. »Darum kümmere ich mich. Das ist meine Aufgabe, nicht deine.«
»Wie wär’s, wenn du sie delegieren würdest? Ich geh jetzt sofort zu ihm. Ich will, daß du es langsam angehen läßt und erst wieder zu Kräften kommst. Komm schon, Abe, sei vernünftig.«
»Vielleicht hast du recht«, erwiderte Abe sanftmütig, und Gideon warf ihm einen besorgten Blick zu. Fügsamkeit war nicht seine Art.
»Abe, ich denke, es wäre keine schlechte Idee, wenn der Hotelarzt mal nach dir schauen würde.«
Was Abe mit einer wegwerfenden Handbewegung abtat. »Nein, nein. Ich nehme Flüssigkeiten zu mir. Ich ruhe mich aus.« Wieder schloß er die Augen und machte es sich zum Schlafen bequem. »Du wirst schon sehen. Bald bin ich wieder auf dem Damm.«
»In Ordnung«, sagte Gideon unsicher und stand auf. »Ich schau später noch mal rein und lasse dich wissen, wie es mit Worthy gelaufen ist.«
»Du willst mich kontrollieren, meinst du wohl«, sagte Abe müde. »In Ordnung, danke.«
Gideon hatte die Tür erreicht, als Abe ihm nachrief: »Gideon?«
»Ja?«
Abe hatte die Hände friedlich auf der Brust gefaltet. Seine Augen waren immer noch geschlossen. »Wenn du noch eine Schale Hühnerbrühe mitbringst, würde ich nicht nein sagen.«
»Na schön«, sagte Worthy gereizt, »ich bin der Übeltäter. Ich geb’s ja zu. Ich habe das arme Tierchen in den Arbeitsschuppen gesperrt. Es war doch nur ein Scherz.«
Mit einem Taschentuch tupfte er sich die schweißglänzende Stirn ab. »Können wir nicht später weiterreden? Ich fühle mich wirklich nicht so besonders.«
»Keinem von uns geht’s besser, Worthy. Genau deshalb rede ich ja mit Ihnen.«
Worthy starrte ihn stumm über den Tisch in seinem Zimmer an.
»Wieviel kostet ein Coati?« wollte Gideon wissen.
Worthy zuckte mit den Achseln. »Fünfundfünfzig amerikanische Dollar.«
»Eine Menge Geld für einen Scherz.« Er lächelte, auch wenn ihm gar nicht danach war. »Nicht, daß es nicht wirklich komisch war.«
Was Worthy zu freuen schien; er lächelte sogar ein wenig. »Tja, ich wollte wirklich was damit sagen, wissen Sie, auch wenn’s für Emma ein bißchen zu subtil gewesen zu sein scheint. Gideon, worauf soll das hier hinauslaufen? Sie haben mein Geständnis. Was gibt’s noch groß zu besprechen?«
Gideon lehnte sich zurück und musterte ihn. Es gab durchaus noch einiges zu besprechen: hatte Worthy noch auf andere subtile Weise versucht, etwas zu sagen? Indem er zum Beispiel etwas Scheußliches in den Apfelsaft kippte? (Denn wer kannte sich besser mit Abführmitteln aus als er?) Im Tempel grub, wenn er es gar nicht tun sollte? Morddrohungen unter Türen durchschob? Sich mit einer Rohrzange bewaffnet in Chichén-Itzá herumschlich?
Er beschloß, die Karten zumindest teilweise auf den Tisch zu legen. »Ich habe mich gefragt, ob Sie wohl auch etwas mit diesem Problem zu tun haben, unter dem wir heute alle leiden?«
»Wenn ich … warum sollte …« Er starrte Gideon an. »Wollen Sie sagen, jemand hat uns das absichtlich angetan? Hat unser Fassen vergiftet?«
»Also, ›vergiftet‹ ist vielleicht etwas zuviel gesagt, aber ich glaube schon, ja. Ich habe mich gefragt, ob das wohl ein weiterer kleiner Scherz war.«
»Aber das ist doch … das ist doch einfach ungeheuerlich!« brüllte Worthy aufrichtig. Wieder tropften Schweißperlen von seiner bleichen Stirn. Am Verdauungssystem herumzupfuschen, war kein Scherz für Worthy Partridge. »Und Sie glauben, ich hätte … ich würde …«
Gideon wußte nicht, ob er ihm glauben sollte oder nicht. Worthy war ein intelligenter, scharfsinniger Mann; Gideon zweifelte keine Sekunde daran, daß er sich gut verstellen konnte. Er hatte die Verantwortung für den Zwischenfall mit dem Coati an jenem Morgen überzeugend genug abgestritten. Trotzdem, sein Ausbruch wirkte echt.
»Gideon, wie können Sie so etwas nur sagen?« kreischte er. »Glauben Sie allen Ernstes, ich würde so etwas tun? Mir geht’s genauso schlecht wie allen anderen. Mein Gott, ich bin sogar noch schlimmer dran, viel schlimmer!«
»Allen geht es schlecht, Worthy. Wer auch immer es getan hat, er ist clever genug zu wissen, daß er sofort wie ein bunter Hund auffallen würde, wenn es ihm als einzigem gut ginge.«
Worthy verdrehte seine schlaksigen, blond behaarten Beine umeinander, das linke Knie hinter das rechte, den rechten Knöchel hinter den linken; eine Sache, die den meisten Menschen aufgrund der Anatomie des Beckens unmöglich ist.
»Nein«, sagte er nach einem Augenblick, »das würde ich nicht sagen.«
»Was würden Sie nicht sagen?«
»Daß es uns allen schlecht geht.«
Für Gideon hatten alle ziemlich mitgenommen ausgesehen. »Was meinen Sie damit? Wem geht es nicht schlecht?«
»Stanley Ard«, sagte Worthy gelassen.
»Stanley Ard?«
»Dem Reporter.«
»Ja, ich weiß, aber warum sollte er …« Aber natürlich wußte er sehr gut, warum. Es war ihm nur bislang einfach noch nicht in den Sinn gekommen. Wie Abe bereits angedeutet hatte, war Ard nicht der Typ Reporter, der Skrupel hatte, Ereignisse zu fabrizieren, wenn sich dadurch eine Story aufpeppen ließ. Und wenn es Bauchschmerzen für ein paar andere bedeutete, tja, das war ein Preis, der eben gezahlt werden mußte.
»Worthy«, sagte er, »das ist wirklich ein hochinteressanter Gedanke.«
»Ja«, sagte Worthy und wischte sich wieder über die Stirn. »Und ich glaube, ich sollte mich jetzt wirklich besser hinlegen.«
Als Julie um halb sechs aufwachte, war sie hungrig und vergnügt. Sie aßen Omelette zum Abendbrot (Julie hatte inzwischen ihre Vorbehalte gegen Eier mit braunem Eigelb überwunden) und brachten anschließend einem rasierten und im großen und ganzen wiederhergestellten Abe ein weiteres Süppchen. Sie hatten über Stan Ard gesprochen, und Gideon erbot sich, ihn zur Rede zu stellen, doch diesmal war Abe unnachgiebig geblieben. Es war sein Job, und er würde am nächsten Tag mit Ard über den manipulierten Saft sprechen und sehen, wohin das führte. Was den Überfall auf Gideon betraf, gelangte man zu der Übereinkunft, daß diese Sache am besten von Marmolejo weiterverfolgt werden sollte.
OceanofPDF.com