Fluch
Kapitel 7
Bernadette Rose Garrison, Professorin für präkolumbische Sprachen am Middle-American Research Institute in Tulane, entsprach ganz und gar nicht der Vorstellung des Laien von einem führenden Experten der alten Maya-Sprache. Auch Gideons nicht. Eine strenge, schwarze Frau in den Fünfzigern ohne jeden Schick, die Haare zu einem Knoten zurückgekämmt. Sie trug das einzige Pincenez, das Gideon je bei einem lebenden Menschen gesehen hatte. Sie hätte eine perfekte Bürovorsteherin abgegeben, fleißig und sittsam, oder vielleicht auch eine leitende Sozialarbeiterin, oder eine strenge und kompromißlose Kreditsachbearbeiterin. Sie hatte eine zwanglose Art – »nennen Sie mich Bernie«, sagte sie, als sie sich beim Abendessen vorgestellt wurden –, war aber gleichzeitig auch wieder so beeindruckend, daß nur die Selbstbewußtesten (zum Beispiel Abe) sie beim Wort genommen hatten. Gideon, leichter einzuschüchtern, blieb bei »Dr. Garrison«, was sie auch völlig angemessen zu finden schien.
Vor ihren ordentlich getippten Notizen saß sie am Kopfende eines riesigen, trostlosen Tisches im spanischen Stil des sechzehnten Jahrhunderts. Um den Tisch standen zehn wuchtige, mit dunklem, steifem Leder gepolsterte Mahagonistühle, die vermutlich ebenfalls die spanische Vergangenheit heraufbeschwören sollten, aber im Grunde eher an elektrische Stühle aus den dreißiger Jahren erinnerten. Jeder Platz war besetzt, einer von Dr. Garrison, acht von den Angehörigen der Ausgrabungscrew in Tlaloc und einer von dem respekteinflößenden Dr. Armando Villanueva, dem stellvertretenden Direktor des Instituto Nacional de Antropologia e Historia, der erst zwei Stunden zuvor unangemeldet aus Mexico City eingetroffen war, um bei Dr. Garrisons Übersetzung anwesend zu sein. Deshalb, und um das Vorrecht des Institutes auf eine strenge, nochmalige Überprüfung geltend zu machen.
Letztere Aufgabe war von dem beleibten Dr. Villanueva, der kein Blatt vor den Mund nahm, höchstpersönlich beim Abendessen klargestellt worden. Er war am Kopfende des Tisches aufgestanden und hatte freiheraus erklärt, daß sich Horizon seiner persönlichen Meinung nach im Jahre 1982 auf Dauer kompromittiert habe, daß er davon überzeugt sei, die Genehmigung zur Wiederaufnahme der Ausgrabungen hätte nicht erteilt werden dürfen, und daß er diese Ansichten auch mit allem gebotenen Nachdruck vertreten habe, leider jedoch überstimmt worden sei. Dennoch sei er keineswegs nachtragend, sehe sich allerdings verpflichtet, dafür zu sorgen, daß die strengsten Maßstäbe eingehalten würden. Sie könnten deshalb davon ausgehen, daß er sie bei den kleinsten Anzeichen von Unregelmäßigkeiten einer strengen Prüfung unterziehen würde.
Nach dem Essen hatte er sich im Gespräch mit Abe und Gideon bemüht, aufrichtig freundlich zu sein. »Tja«, sagte er, »wie läuft es denn so in Tlaloc? Gibt es irgend etwas Interessantes zu berichten?«
Abe und Gideon wechselten einen kurzen einvernehmlichen Blick: jetzt war nicht der beste Moment, die heimlichen Grabungen unter dem Tempel der Eulen zu erwähnen.
»Sehen Sie nicht mich an«, hatte Gideon geantwortet. »Ich bin gerade erst angekommen.«
»Etwas Interessantes?« hatte Abe konziliant gemeint. »Nein, nein, nichts Interessantes. Alles reine Routine.«
Jetzt hatten sich alle zum Kaffee und Dessert im Konferenzzimmer des Mayaland eingefunden, Dr. Garrison verzehrte den Rest ihres Bananen-Split, musterte scharf ihr aufgeregt plapperndes Publikum und wartete auf dessen ungeteilte Aufmerksamkeit.
Gideon nutzte die Gelegenheit, ebenfalls alle zu mustern. Einer von ihnen, dessen war er fast sicher, war nachts aktiv gewesen und hatte unter dem Tempel der Eulen gegraben, auf der Suche nach … was? Und warum?
Ihm direkt gegenüber saß Leo Rose, zerknautscht und vergnügt wie eh und je. Ein paar feuchte Vierfarbbroschüren lugten wie gewöhnlich aus einer Tasche und warteten darauf, jederzeit verteilt zu werden. Leo leitete eine Landerschließungsfirma, die sich auf etwas merkwürdige Unternehmungen zu spezialisieren schien. Momentan verkauften sie Grundstücke am trostlosen Rand des Salton Sea. (»Flexivillas am Wüstenstrand!« hieß es pompös in der Broschüre, die er Gideon bereits freundlich angedreht hatte. »Prunkvolle Time-sharing Haziendas an der kalifornischen Riviera!«) Das letzte Mal, erinnerte sich Gideon, war es ein Luxus-Golf-Urlaubsort am Stadtrand von Tijuana gewesen.
Leo merkte, daß Gideon ihn anschaute, und hob seine Tasse. »Bueno-bueno«, formte er mit den Lippen. Das war ein Scherz von der früheren Ausgrabung. Leo hatte ein fabelhaftes Geschick an den Tag gelegt, allein mit einem beherzten bueno-bueno, einem reichen Arsenal lebhafter Gesten und einem umwerfenden, brüllenden Lachen, das die winzigen Yucateken zuerst erschreckt und dann begeistert hatte, in Mexiko zurechtzukommen.
Zwischen Leo und Gideon, am anderen Kopfende des Tisches, Dr. Garrison gegenüber, saß Harvey Feiffer, Gideons ehemaliger Student, der nur wenige Monate nach Ende der ersten Ausgrabung die Anthropologie aufgegeben und ein Ingenieurstudium der »Kommunikationssystemtechnologie« begonnen hatte. So verwirrend und völlig unverständlich dieses Fachgebiet für Gideon war, für Harvey war es genau der richtige Schritt gewesen. Endlich hatte er seine Nische gefunden.
Das hatte er zumindest im Verlauf eines Schwätzchens vor dem Essen erklärt und dabei verständlicherweise vor seinem Ex-Professor ein wenig geprahlt, und Gideon sah keinerlei Veranlassung, das anzuzweifeln. Inzwischen Toupetträger und Fett ansetzend, war der einunddreißigjährige Harvey anscheinend bereitwillig und ein wenig zu früh in ein mittleres Lebensalter gesprungen. Er war verheiratet, hatte ein Kind, und ein zweites war unterwegs; erst kürzlich hatte er ein Haus in einem Vorort gekauft, dessen Bewohner aus der »oberen mittleren Managementebene« kamen; er kümmerte sich bei dem in Atlanta beheimateten Unternehmen »ums Marketing« und würde schon bald zum Abteilungsleiter befördert. Aber das war noch nicht alles, schnaufte Harvey glücklich. In vierzehn Monaten hätte er fünf Jahre für CompuServe gearbeitet und sich damit einen Rentenanspruch erworben. Seine Optionsschein-Käufe würde er kontinuierlich anpassen, Dollar für Dollar, was alles in allem einen verflucht netten Notgroschen abgab, wenn er sich 2017 zur Ruhe setzte.
Aber sein stressiger neuer Lebensstil hatte auch seinen Preis, gestand er Gideon. Vor ein paar Monaten war er mit chronischen Magenschmerzen zu seinem Hausarzt gegangen. Der hatte zwei Magengeschwüre im Anfangsstadium diagnostiziert und angeordnet, daß er mal abschalten, ein paar Wochen Urlaub vom Arbeits- und Familienstreß nehmen solle. Glücklicherweise hatte sich die Gelegenheit, an der Ausgrabung teilzunehmen, genau zur richtigen Zeit ergeben.
Links von Leo saßen Preston und Emma Byers. Preston Byers war ein außergewöhnlich gutaussehender Mann mit klaren blauen Augen und einem Profil, das genauso fein geschnitten und attraktiv war wie das von Paul Newman. Natürlich hatte Gideon sofort eine Abneigung gegen ihn gefaßt, aber die aufrecht zu erhalten war schwer gewesen. Preston war ein extrem zurückhaltender Mensch, sanft, ausgeglichen und freundlich, ständig einen leicht verdutzten Ausdruck auf seinem klassisch geschnittenen Gesicht; ein eher oberflächlicher, liebenswürdig langweiliger Mann, der nur selten etwas sagte, wenn er nicht direkt angesprochen wurde.
Obwohl er mittlerweile fünfzig war, hatte er sich nur wenig verändert. Sein reizvoll ergrauendes Haar war an den Schläfen zwar leicht zurückgewichen, aber er ließ es zum Ausgleich im Nacken etwas länger wachsen; natürlich nicht unordentlich, sondern es fiel gepflegt über den Kragen. Früher war er Handelsreisender für Großkücheneinrichtungen gewesen, hatte jedoch vor vielen Jahren auf eine Machen-Sie-sich-selbständig-Anzeige in einem Wirtschaftsmagazin geantwortet und es mit einer Fast-Food-Kette im Mittleren Westen zu einem bescheidenen Vermögen gebracht. (Burger Bopper? Wiener Beaner? Gideon konnte es sich einfach nicht merken.)
Gideon war überzeugt, daß der eher lasche Preston seinen Geschäftserfolg der energischen Frau an seiner Seite zu verdanken hatte. Worthy hatte von ihnen einmal als einer umgekehrten Die-Schöne-und-das-Biest-Ehe gesprochen, und das mit gutem Grund: Emma war so hausbacken, wie Preston gut aussah. Muskulös, struppiges Haar, rotes Gesicht und unansehnlich, benutzte sie weder Makeup noch Schmuck. Doch den Mangel an körperlicher Anmut machte sie mit topmodischen Modellkleidern wett. Heute trug sie eine buttergelbe, weite Hose und eine locker geschnittene gleichfarbige Bluse, die auf dem Rücken geknöpft wurde, einen roten Ledergürtel um die Hüfte.
Der beabsichtigte Effekt allerdings wollte sich nicht einstellen. Emma und ihr Outfit schienen nie zusammenzupassen. Es lag immer einen Tick daneben, wirkte auf eine unbestimmte Art falsch, ja sogar ein wenig beunruhigend – wie ein Cowboy mit Brille.
Und rechts zwischen Julie und Abe saß schließlich Worthy Partridge. Alle tranken Kaffee, nur er Tee. Im Augenblick beschäftigte er sich damit, behutsam einen Teebeutel aus seiner Tasse zu heben, das Bändchen darumzuwickeln und auch noch den letzten Tropfen Flüssigkeit herauszuquetschen. Den Beutel legte er schließlich in einen kleinen Behälter mit Klappdeckel, den er allein aus diesem Grund immer bei sich trug. Die zu dem Tee gehörende Untertasse mit Limonenscheiben wurde voller Verachtung ignoriert.
Worthy behauptete Tee zu trinken, weil der helfe, seine chronische Verstopfung zu lindern. Er war der einzige Amerikaner, den Gideon kannte – der einzige, von dem er je gehört hatte –, der es schaffte, in Mexiko seine Verstopfung zu behalten.
Leo, Harvey, Preston, Emma, Worthy. Wer von ihnen war nachts aufgeblieben und hatte die Treppe weiter freigelegt? Realistisch gesehen, konnte er es sich bei keinem von ihnen vorstellen. Welchen denkbaren Grund konnten sie haben? Sie hatten bereits einmal geholfen, sie mit eigenen Händen auszugraben. Natürlich wußten alle von Abes Idee, daß es dort unten möglicherweise noch einen weiteren versteckten Raum gab, aber ganz sicher war ihnen auch klar, daß dies eher Wunschdenken als eine reale Möglichkeit war, daß die Wahrscheinlichkeit sehr gering und die Chance auf einen weiteren Schatz noch geringer war. Oder nicht? Und selbst wenn sie das alles wußten, konnte es nicht sein, daß sie meinten, selbst eine noch so geringe Chance auf einen Schatz im Wert von mehreren Millionen Dollar sei durchaus ein paar Nächte verlorenen Schlafs wert?
Wie dem auch sei, es spielte keine große Rolle mehr. Abe hatte Wachen engagiert, die jetzt nachts das Gelände im Auge behielten, und die offizielle Ausgrabung der Treppe begann in Kürze. Es würde kein weiteres heimliches Graben mehr geben. Dennoch, liebend gern hätte Gideon gewußt, was hier los gewesen war.
Er drehte sich nach rechts und richtete seine Aufmerksamkeit auf Dr. Garrison, die sich gerade vielsagend geräuspert hatte.
»In Kürze werden Sie alle eine Kopie erhalten«, sagte sie, »aber ich denke, wir sollten ohne weitere Verzögerung beginnen. Dr. Villanueva und ich müssen in weniger als einer Stunde nach Mexico City aufbrechen. Für morgen früh ist eine Pressekonferenz anberaumt.«
Sie rückte ihr Pincenez zurecht und faltete die Hände vor sich auf dem Tisch. »Ich habe das vorliegende Material so exakt und wörtlich wie möglich übertragen, die Interpretation überlasse ich anderen«, erläuterte sie. »Das polysynthetische Charakteristikum der Maya-Sprache des sich Verlassens auf Verbalsubstantive mußte notgedrungen an unsere eigene Grammatik angepaßt werden. Davon abgesehen habe ich versucht, mich an die Konventionen zu halten, die bei früheren Arbeiten Anwendung gefunden haben. Ich kann Ihnen versichern«, fügte sie unnötigerweise hinzu, »daß ich mir keinerlei dichterischen Freiheiten herausgenommen habe.«
Mit ihrem samtigen Akzent aus Georgia, der in merkwürdiger Disharmonie zu ihrer präzisen Diktion stand, begann sie vorzulesen.
»›Der Tag Katun Dreizehn Ahau‹«, intonierte sie. »›Itzamná, Itzamtzab ist sein Antlitz während seiner Herrschaft.‹«
Julie beugte sich zu Gideon und flüsterte: »Soll das eine Übersetzung sein?«
Gideon spreizte die Hände, sagte aber nichts. Es war schon schwierig genug, das Datierungssystem der Maya zu erklären, wenn ihm mehrere Stunden zur Verfügung standen. Der Versuch, es nebenbei zu tun, war absolut sinnlos.
Dr. Garrison fuhr fort. »›Die in diese Stadt namens Tlaloc kommen, um den Frieden unserer Gebeine zu stören und den Staub auf unseren Körpern, sie sollen wissen, daß viele Strafen über sie kommen werden. Und dies sind die Strafen, die über sie kommen werden.
Erstens, der blutsaugende Kinkajou wird ungehindert über sie kommen.
Zweitens, Dunkelheit wird gebrochen und in Licht verwandelt, und die schrecklichen Stimmen der Götter werden erklingen in der Luft, und es wird ein mächtiges Trommeln auf die Seele erfolgen, so daß der Geist dahinwelkt und verblaßt. Ihre Schätze werden verloren sein, und ihre batabobs und ahlelobs werden sie verlassen …‹«
Das Pincenez wurde abgenommen. »Ich fürchte, ich kann Ihnen in diesem Kontext keine völlig eindeutigen Denotate für batabobs und ahlelobs anbieten.«
»Der batabob war der Gouverneur des Gebietes, der große Häuptling«, meldete sich prompt Abe zu Wort. »Der ahlelob war, glaube ich, der stellvertretende Häuptling.«
Sie sah ihn an. Gideon ebenfalls, für den es eine echte Überraschung war, daß Abe etwas von der Sprache der Maya verstand. Nein, eigentlich auch wieder keine Überraschung, eher vielleicht interessant. Die Bandbreite seines Wissens hatte Gideon schon zu oft in Erstaunen versetzt – überraschen konnte ihn da nichts mehr.
Unter Dr. Garrisons unerbittlichem Blick lächelte Abe und zuckte bescheiden mit den Schultern. »Ich hab’s wohl irgendwo gelesen.«
»Vielen Dank.« Sie legte den Zeigefinger auf die Stelle, an der sie unterbrochen worden war.
»Vielleicht können wir ihn überreden, mit uns Trivial Pursuit zu spielen«, flüsterte Julie Gideon ins Ohr.
»Ohne mich«, brummte Gideon zurück.
»›Drittens, der namens Tucumbalam wird ihre Eingeweide in Feuer und blutigen Ausfluß verwandeln.‹«
Das veranlaßte Worthy, das Gesicht zu verziehen und den Rest seines Desserts angewidert von sich zu schieben.
»›Viertens, der namens Xecotcavach wird ihre Schädel durchbohren, so daß ihre Hirne sich auf die Erde ergießen.‹«
»Iiieh, das ist ja ekelhaft«, verkündete Leo, während er sich munter weiter Eiscreme in den Mund schaufelte.
Emma beugte sich steif und mit ernstem Gesicht zu ihm hinüber. »Pssst!« zischte sie scharf. »Das ist kein Witz!«
Gideon runzelte die Stirn. Vage Erinnerungen regten sich. Hatte nicht Emma einer verschrobenen Gruppe angehört, die sich mit Leib und Seele den weltfremden Theorien von Dänikens oder Velikovskys oder etwas in der Richtung verschrieben hatte? Ja, das stimmte, erinnerte er sich. Einmal hatte sie ihm eine lange, hirnrissige Diskussion darüber aufgedrängt, wie es kam, daß eine geschnitzte, fünftausend Jahre alte japanische Dogu-Figur etwas trug, das nichts anderes sein konnte als ein Astronautenhelm mit Schutzbrille. (»Und, wie Sie wissen sollten, Dr. Oliver, Schutzbrillen waren in der Steinzeit noch nicht erfunden!«) Einen Großteil der folgenden Zeit in Yucatán hatte er mit dem Versuch verbracht, ihr aus dem Weg zu gehen, ohne sie zu kränken.
Leo machte eine gutmütig entschuldigende Geste und schwieg.
Dr. Garrison hatte bei der Unterbrechung kühl geschwiegen. Jetzt fuhr sie mit der Litanei der Katastrophen fort.
»›Fünftens, das Ungeheuer, das Menschen zu Stein verwandelt, wird aus der Unterwelt zu ihnen kommen.
Und all das wird nur der Anfang ihrer Heimsuchung durch den Teufel sein, denn die Götter von Xibalba werden kommen und ihnen die Augen ausstechen, und ihnen die Köpfe abschneiden, und ihnen Nerven und Knochen zermalmen und aufreiben, und sie quälen, bis sie sterben und nicht mehr sind.
Nur so wird Vucub-Camé besänftigt sein, und Holom-Tucur, der einen Kopf hat, aber keinen Körper, und Balam-Quitzé, und der Gott Hun-Hunahpu, und Gekaquch, und die Götter Ziba-kihay und Ahquehay, und die Götter …‹«
»Meinst du, das geht noch lange so weiter?« flüsterte Julie.
»Ich glaube nicht«, erwiderte Gideon. »Es ist nur eine Seite.«
»›… Balam-Acab und Mahucatah und selbst Ah Puch, der nie ermüdet.‹«
»Der Gott des Todes bei den Maya«, murmelte Gideon kenntnisreich, beeindruckte Julie mit einem weiteren Arkanum, das er, weiß der Teufel, woher, zauberte.
»›Und wenn dies alles getan ist und das Licht für alle Zeiten sich in Dunkelheit verwandelt, wird sich ein fürchterliches Wehklagen erheben …‹«
Dr. Garrison unterbrach sich und ließ die düsteren Worte in der Luft schweben. Ihr satter, gedehnter Georgia-Akzent erschien inzwischen höchst angemessen.
»›Denn dies wird sein‹«, schloß sie sanft, den Blick auf dem Publikum und nicht auf dem Blatt, »›das Ende der Zigarre.‹«
»Das Ende der Zigarre«, wiederholte sie, unterband sofort jedes eventuell aufkeimende Glucksen, »ist eine Metapher der Maya für den Abschluß, für das Ende des Lebens.«
Sie nahm ihr Pincenez ab und massierte mit Daumen und Zeigefinger langsam die Abdrücke auf ihrem Nasenrücken. »Für das Ende«, sagte sie, »von allem.«
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