Fluch

Aaron Elkins · Kapitel 17 von 25

PDF-Seiten

Fluch

Kapitel 16

Marmolejos erhöhte Sicherheitsvorkehrungen kamen zu spät. Und es war auch nicht Gideon, der sie gebraucht hätte.

Er und Julie waren fast aus der Tür, auf dem Weg zum Frühstück, als das Telefon klingelte. Gideon ging ran.

»Dr. Oliver?« Die Stimme war unverbindlich, eindringlich. »Äh, Dr. Plumm am Apparat. Vielleicht erinnern Sie sich an mich?«

»Aber sicher. Stimmt etwas nicht?«

Plumm war der Hotelarzt, ein freundlicher, unaufdringlicher Engländer von fünfundsechzig Jahren mit glatter Babyhaut und tadellos gepflegtem, kleinem, grauem Schnurrbart. Er hatte seine Praxis in Portsmouth aufgegeben, kaum ein Jahr später seine Frau durch Krebs verloren und war dann in der Hoffnung nach Mexiko gekommen, daß ein Ortswechsel ihm vielleicht helfen könnte, mit seiner Trauer fertigzuwerden. Er war nie mehr zurückgekehrt. Heute lebte er das einsame Leben eines Ausländers im Mayaland, stellte seine Dienste im Gegenzug für ein Zimmer zur Verfügung – ein pensionierter alter Brite, wie er sich selbst nannte.

In seiner reichlich bemessenen Freizeit war er so etwas wie ein Fan von Verbrechen. Er hatte das Journal of Forensic Sciences abonniert und war mit einer Reihe von Aufsätzen vertraut, die Gideon über die Ermittlung der Todesumstände anhand der Gebeine geschrieben hatte. Er hatte Gideon am Abend des Überfalles untersucht und war sichtlich entzückt, als er den Namen seines Patienten herausfand. Er hatte unbedingt einige Punkte in Gideons Aufsätzen diskutieren wollen, und sie hatten am folgenden Morgen eine angenehme Stunde bei einer Tasse Kaffee verbracht.

»Ja«, sagte er, »ich fürchte, es stimmt ganz gewaltig etwas nicht, und Ihre Hilfe wäre von unschätzbarem Wert. Würde es Ihnen große Umstände bereiten, herunterzukommen? Es liegt in Ihrem Fachgebiet, und ich bin überzeugt, es wird Sie interessieren.«

Was nicht stimmte, war Stan Ard. Er lag der Länge nach ausgestreckt auf einem der abgelegeneren, einsameren Dschungelpfade, die sich über das Hotelgelände schlängelten, etwa hundert Meter vom Hauptgebäude entfernt in der Nähe des Maschendrahts, der das Gelände des Majaland von Chichén-Itzá trennte. Er lag halb auf und halb neben einem der weißen Plastik-Gartensessel, die entlang der Wege aufgestellt waren. Der Stuhl war nach rechts umgefallen, während Ard allem Anschein nach noch darin gesessen hatte. Sein Körper hatte sich seitlich weggedreht, so daß er auf dem Rücken gelandet war, die nackten, fetten, behaarten Beine angewinkelt. Sein linkes Knie hing unbeholfen über der Armlehne. Er trug ein blaues guayabera, braune Bermuda-Shorts und Tennisschuhe ohne Socken. Der linke Schuh war abgerutscht und baumelte am dicken Zeh.

Sein Kopf war eine einzige blutige Schweinerei.

»Ein Jogger hat ihn vor einer halben Stunde gefunden«, sagte Plumm. »Es ist der Reporter, stimmt’s?«

»Ja. Stan Ard.«

Nicht, daß er leicht zu erkennen gewesen wäre. Mit zusammengepreßten Lippen zwang sich Gideon, auf den zerschmetterten Schädel hinabzuschauen. Hier gab es nichts Rätselhaftes, keine versteckten Bedeutungen, keine schwer erkennbaren Nuancen. Das hier war das Ende der Zigarre, brutal und unmißverständlich.

Viertens, der namens Xecotcavach wird ihre Schädel durchbohren, so daß ihre Hirne auf die Erde fließen.

Ein nervöser junger Polizist in brauner Uniform und mit brauner, baseballkappenähnlicher Mütze stand Wache. Er schaute energisch überallhin, nur nicht auf die Leiche.

»No toque«, sagte er knapp, als Gideon sich näherte.

Er hätte sich keine Sorgen machen müssen. Gideon hatte nicht vor, sie zu berühren, denn Dr. Plumm irrte sich gewaltig – das hier lag definitiv nicht in seinem Fachgebiet, und es interessierte ihn ganz und gar nicht; zumindest nicht so, wie der Arzt es gemeint hatte. Ja, Gideon stellte gelegentlich seine Kenntnisse im Rahmen forensischer Ermittlungen zur Verfügung, und, ja, er arbeitete oft ganz gern für das FBI. Aber er war Anthropologe, ein Knochenmann, und je älter und brauner die Knochen waren, desto besser. Körperflüssigkeiten, Hirnmasse und aufgerissenes Fleisch waren Dinge, die ihm von Natur aus zuwider waren, und je weiter er sich von ihnen fernhalten konnte, um so besser.

»Wenn’s noch feucht ist«, hatte er einmal zu John Lau vom FBI gesagt, »ruf jemand anderen, okay?« Nicht, daß das FBI ihm diesen Gefallen immer tat.

Stan Ards Kopf war noch feucht, und während Gideon zwar nicht auf die gleiche Weise reagierte wie das erste Mal, als er gerufen worden war, um sich eine Leiche mit einer massiven Schädelverletzung anzusehen (er hatte sich damals in der Hall of Justice in San Francisco in eine Edelstahlspüle übergeben und die Leute der Gerichtsmedizin schockiert), drehte sich ihm doch der Magen um.

»Nun, ich bin weder Pathologe noch Arzt, wie Sie wissen, Dr. Plumm. Ich bin Anthropologe. Ich weiß wirklich nicht …«

»Aber Sie sind doch der Knochendetektiv«, erwiderte Plumm, als wäre damit alles gesagt. »Ich bin noch nie zu so etwas gerufen worden, wissen Sie – als Arzt zum Tatort eines Mordes –, und natürlich ist das alles schrecklich aufregend, aber ich … nun, im Augenblick ist Polizei aus Mérida hierher unterwegs, und man hat mich um meinen Bericht gebeten, aber ich fürchte, ich habe vielleicht etwas übersehen, das jemandem mit mehr Erfahrung sofort ins Auge springen würde. Ich hatte eigentlich gehofft, daß Sie mich auf mögliche Irrtümer oder Auslassungen aufmerksam machen könnten.«

Mit seinen sanften, freundlichen Augen sah er Gideon hoffnungsvoll an. Sein Schnurrbart war so exakt gestutzt, daß es gut zwei Streifen weißer Filz hätten sein können, die sorgfältig aufgeklebt worden waren. »Es wäre mir äußerst unangenehm, vor der Polizei wie ein Narr dazustehen.«

Gideon gab nach. »Wenn ich kann, helfe ich Ihnen gern, Doktor.«

Plumm entspannte sich sichtlich. »Gut. Natürlich habe ich eine Untersuchung durchgeführt, obwohl ich der Meinung war, ich sollte besser nichts berühren, bevor die Polizei eintrifft. So wird das doch gemacht, oder?«

»Richtig.«

»Also, schön. Natürlich stand eine Wiederbelebung bei einer solchen Verletzung völlig außer Frage. Der Mann ist mausetot.« Er zuckte zusammen. »Oh, tut mir leid. Er war ein Freund von Ihnen, nicht wahr?«

»Ein Bekannter. Ich kannte ihn nur flüchtig.«

Gideon zwang sich, Ard noch einmal anzusehen. Heute war es nicht so sehr das geronnene Blut, die schlichte physische Scheußlichkeit, bei der sich in ihm alles zusammenzog. Auch gegen seinen Willen hatte er genug gesehen, um über dieses Stadium hinauszukommen. Aber nicht genug, um zu tun, wozu ein abgebrühter Kriminalbeamter fähig war: sich Mordopfer anschauen und nichts als Spuren sehen, diagnostische Indikatoren, Beweise. Bei Knochen schaffte er es; bei Leichen nicht. Für Gideon war die überwältigende Tatsache, die ersten paar Momente die einzige Tatsache, immer der Mord an sich: die vorsätzliche, blutgetränkte Gewalt, daß ein Mensch dies tatsächlich einem anderen antun konnte, die schreckliche Verletzlichkeit der Haut, die Zerbrechlichkeit der Knochen. Es war immer mitleiderregend, immer erbärmlich, immer schrecklich.

Aber Plumm hatte mehr Erfahrung mit menschlicher Verletzlichkeit, wenn auch nicht mit Mord. Für ihn war Ard nur ein weiterer Fall, allerdings von mehr als normalem Interesse. »Nun«, sagte er und rieb seine trockenen, sauberen Hände, »lassen Sie mich Ihnen sagen, was ich herausgefunden habe. Und dann sagen Sie mir, in welchem Punkt ich mich irre, wie wär’s?«

»In Ordnung«, sagte Gideon, »aber ich bin sicher, Sie haben sich nicht geirrt.«

Über ihnen dröhnte ein Hubschrauber zum Landeplatz in Chichén-Itzá. Plumm schaute hinauf. »Die Polizei.«

Gemeinsam knieten sie sich neben die Leiche.

»No toque«, knurrte der Wachtposten.

»Gracias, señor. Comprendemos«, erwiderte Plumm höflich.

»So«, sagte er geschäftsmäßig, »er muß kurz, bevor er gefunden wurde, getötet worden sein.« Er zeigte auf Ards schwache, fleischige, schlaffe Finger. »Die Totenstarre ist noch nicht eingetreten. Auch noch keine Spur der typischen Verfärbung, und das Blut ist ebenfalls noch recht flüssig. Natürlich, der Verdunstungsprozeß dauert in diesem Klima weiß Gott eine Ewigkeit, aber ich glaube mit einiger Sicherheit sagen zu können, daß er noch nicht länger als zwei Stunden tot ist. Wahrscheinlich nur eine Stunde.«

Er schaute Gideon an. »Äh, was meinen Sie?«

»Sie sind der Fachmann, aber es klingt richtig.«

Plumm erlaubte sich ein zufriedenes kleines Schnalzen. »Nun gut, kommen wir zur Todesursache. Was das betrifft, besteht wohl kaum ein Zweifel, nicht wahr, auch wenn niemand den Knall gehört zu haben scheint. Ein Schuß in den Kopf.«

Nein, was das betraf, gab es kaum Zweifel. Ards Stirn war buchstäblich explodiert. Unmittelbar unter dem Haaransatz befand sich eine furchtbare, schartige, annähernd sternförmige Wunde; Fleischfetzen bogen sich wie Blütenblätter von dem roten Zentrum nach außen.

Gideon wendete seinen Blick mit einem Schaudern ab. Vielleicht würde er sich niemals an so etwas gewöhnen.

»So«, sagte Plumm mit einer Mischung aus Zurückhaltung und Begeisterung, »was wir hier anscheinend haben, ist eine Austrittswunde. Das klassische sternförmige Muster. Das Geschoß muß auf der Schädelrückseite eingedrungen sein, wahrscheinlich in der Nähe des Occiput, wo wir es nicht sehen können. Aber Sie werden bemerken, daß eine Menge Blut unter seinem Nacken in die Erde gesickert ist.«

Unter einer gepflegten weißen Augenbraue warf er Gideon einen schrägen Blick zu. »Na, wie mache ich mich, Professor?«

»Klingt vernünftig.«

Plumms rosafarbenen Wangen glühten vor Freude. »Darf ich Ihnen jetzt meine, äh, Rekonstruktion der Ereignisse schildern?«

Gideon nickte. »Ja, ich würde es wirklich gern hören.«

»Also, zuerst wurde ich durch die subkutanen Blutungen der Orbita in die Irre geführt.« Er deutete auf Ards Augen. Die Lider waren blaue, geschwollene Säcke, so dunkel und glänzend wie Plastik-Mülltüten. »Ich nahm an, daß er hier auf dem Weg gestellt worden sei und es zu einem fürchterlichen Kampf gekommen wäre; daher die blauen Augen. Aber« – er machte eine Handbewegung über den Boden in der näheren Umgebung – »hier gibt es keinerlei Spuren eines Kampfes, wenigstens keine, die ich erkennen kann. Und außerdem gibt es keine weiteren Gesichtsverletzungen der Art, wie man sie erwarten würde, obwohl das erst mit Sicherheit gesagt werden kann, wenn er gereinigt worden ist. Also mußte ich daraus folgern, daß es keinen Kampf gegeben hat und daß es zu Blutungen der Orbita kam, als sein Kopf auf den Boden schlug. Er muß ziemlich fest aufgeschlagen sein. Klingt das einleuchtend?«

»Ja, ich denke schon«, sagte Gideon langsam, aber irgend etwas beschäftigte ihn jetzt. Er zwang sich, noch einen Blick auf die Schußverletzung zu werfen, auf die geschwungene, gelbe Platte des Stirnbeins, die durch das gerinnende Blut zu sehen war. Irgend etwas war hier merkwürdig …

»So, und jetzt dazu, was passiert ist«, sagte Plumm. »Ich denke, es ist ziemlich klar. Diesen Spuren da auf dem Boden können Sie entnehmen, wo der Stuhl gestanden hat und daß er mit der Rückenlehne nur ein kurzes Stück vom Zaun entfernt gewesen ist. Offensichtlich hat er dort gesessen und … macht es Ihnen etwas aus, wenn wir aufstehen? Meine Gelenke sind auch nicht mehr, was sie mal waren.«

Gideons ebenfalls nicht. Sie richteten sich beide ächzend und knackend auf. Plumm rieb sich das Kreuz. Gideon massierte sich die Rippen.

»Auf jeden Fall«, fuhr Plumm fort, »muß sein Mörder auf der anderen Seite des Zaunes gestanden haben, da ihm in den Hinterkopf geschossen wurde. Was darauf hinzudeuten scheint – auch wenn es wohl kaum als Beweis ausreicht –, daß es ein Außenstehender gewesen ist; das heißt, kein anderer Gast des Hotels, sondern vielmehr jemand, der seine Anwesenheit hier zu verbergen wünschte.«

»Ich verstehe«, sagte Gideon.

Nach einer Weile fuhr Plumm fort. »Aber wissen Sie, das wirft eine Reihe faszinierender Fragen auf: der Mörder muß auf der Lauer gelegen haben, wahrscheinlich hinter den Büschen dort. Woher konnte er wissen, daß Ard so entgegenkommend war, ausgerechnet hierher zu kommen, sich genau an diesen Platz zu setzen? Woher …«

Eilige Schritte schlurften über den mit Steinplatten ausgelegten Weg hinter ihnen. Der junge Polizeibeamte erstarrte, und Gideon und Plumm drehten sich um. Marmolejo, in Begleitung zweier Männer in Zivil, die einen Metallkoffer mit zwei Handgriffen zwischen sich trugen, kamen gerade um eine Wegbiegung.

Die Spurensicherung der Mordkommission der Staatspolizei von Yucatán war eingetroffen.

Einer der Zivilisten begann sofort, mit einer altmodischen Presse-Kamera Fotos zu schießen. Der andere ließ die Verschlüsse des Metallkoffers aufschnappen und suchte sich Pinzetten, Pinsel und Puder heraus. Marmolejo starrte die Leiche lange Zeit ruhig und gelassen an, schob seine nicht brennende Zigarre mit der Zunge von einem Mundwinkel in den anderen. Er sah Gideon von der Seite an. »Und was machen Sie hier, wenn ich das fragen darf? Nicht, daß ich etwas anderes als hocherfreut wäre, Sie zu sehen.«

Plumm antwortete: »Ich habe ihn ausdrücklich um seine Hilfe gebeten. Ich dachte … er ist eine weltberühmte Autorität für Morde, wissen Sie. Äh, Dr. Oliver hier ist« – Gideon zuckte zusammen; er wußte genau, was jetzt kam – »der Knochendetektiv.«

»Hmh«, machte Marmolejo. Er bot Plumm die Hand an. »Ich bin Inspektor Marmolejo, Doktor. Was können Sie uns sagen?«

Mit einem nervösen Blick auf Gideon begann der Arzt die stockende, beinahe wortwörtliche Wiederholung seiner Analyse, gewann zunehmend an Selbstvertrauen, während Marmolejo mit gesenktem Kopf aufmerksam zuhörte und die Leiche fixierte.

»Vielen Dank«, sagte Marmolejo am Ende. »Das war sehr hilfreich.«

»Möchten Sie, daß ich meinen, äh, Befund in einem schriftlichen Bericht niederlege? Mache ich gern, wenn Ihnen das hilft.«

»Sehr gut. Je früher, desto besser. Könnten Sie ihn jetzt schreiben? Sargento Hernandez hier wird Ihnen einen Vordruck geben.«

Nachdem der aufgeregte Plumm fort war, blieb Marmolejo immer noch, wo er stand, musterte Ard weiter. Einer der beiden Männer in Zivil machte eine Skizze auf einem Block; der andere hockte auf den Knien, wühlte wie ein Käfer unter den gefallenen Blättern und steckte von Zeit zu Zeit unsichtbare Dinge in Plastikumschläge oder Papierbeutel, die er dann dem uniformierten Beamten gab.

Gideon wartete, bis er sicher war, daß Plumm außer Hörweite war. »Äh, Inspektor, das ist wirklich nicht mein Fachgebiet …«

»Wie wahr, wie wahr.«

Er war entschieden weniger herzlich als üblich, und Gideon konnte es ihm nicht einmal verübeln. Weltberühmte Experten waren schön und gut an ihrem Platz, aber wer mochte es schon, wenn sie sich unaufgefordert einmischten? Oder auch aufgefordert?

»Trotzdem«, sagte Gideon vorsichtig, »es gibt da ein paar Dinge, auf die ich gern aufmerksam machen würde.«

»Dr. Oliver, ich werde hier eine Weile ziemlich beschäftigt sein, also wären Sie vielleicht so freundlich, Ihre Schlußfolgerungen ebenfalls in Schriftform zu kleiden? Ich freue mich schon darauf, Ihren Bericht zu lesen.« Seine Miene verriet keine große Begeisterung über die Aussicht. Er schaute Gideon mit gehobenen Augenbrauen und gesenkten, beinahe geschlossenen Lidern an. Sein langer Mund war nach unten gezogen, die Zigarre klemmte tief in einem Winkel. »Ist das annehmbar?«

Gideon wurde fortgeschickt, und zwar nicht gerade auf die feine Art.

»Hören Sie, Inspektor«, sagte er schroff, »Sie müssen sich keine Gedanken darüber machen, ob ich das annehmbar finde. Wenn Sie es allein machen wollen, bitte, dann machen Sie’s allein. Zum Teufel damit.«

Bevor Marmolejo darauf etwas sagen konnte, hatte Gideon sich umgedreht und ging – schritt, wie er hoffte – den Weg hinunter.

Noch bevor er zehn Schritte gegangen war, war ihm das Ganze schrecklich peinlich. Verhielten sich so weltberühmte Autoritäten? Seit wann spielte der Knochendetektiv kindisch die beleidigte Leberwurst, wenn seine Eitelkeit angepiekst wurde?

Nein, er würde bereuen und demütig – nun, ganz leidenschaftslos – den Bericht abliefern, um den Marmolejo gebeten hatte. Die Tatsache, daß der Inspektor an diesem Morgen gereizt war, war kein Grund für Gideon, sich vor dem zu drücken, was, auf gewisse Weise, seine Pflicht war.

Denn Dr. Plumm lag, abgesehen vom Zeitpunkt des Todes, völlig daneben. In jedem Punkt.

OceanofPDF.com