Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie
Partialtriebe und erogene Zonen.
Haß, von zärtlichen in feindselige Regungen vor sich, die für eine große Reihe
von neurotischen Fällen, ja, wie es scheint, für die Paranoia im ganzen
charakteristisch ist.
Das Interesse an diesen Ergebnissen wird noch durch einige Besonderheiten
des Tatbestandes erhöht.
α) Wo ein solcher Trieb im Unbewußten aufgefunden wird, welcher der
Paarung mit einem Gegensatze fähig ist, da läßt sich regelmäßig auch dieser
letztere als wirksam nachweisen. Jede »aktive« Perversion wird also hier von
ihrem passiven Widerpart begleitet; wer im Unbewußten Exhibitionist ist, der ist
auch gleichzeitig Voyeur, wer an den Folgen der Verdrängung sadistischer
Regungen leidet, bei dem findet sich ein anderer Zuzug zu den Symptomen aus
den Quellen masochistischer Neigung. Die volle Übereinstimmung mit dem
Verhalten der entsprechenden »positiven« Perversionen ist gewiß sehr
beachtenswert. Im Krankheitsbilde spielt aber die eine oder die andere der
gegensätzlichen Neigungen die überwiegende Rolle.
β) In einem ausgeprägteren Falle von Psychoneurose findet man nur selten
einen einzigen dieser perversen Triebe entwickelt, meist eine größere Anzahl
derselben und in der Regel Spuren von allen; der einzelne Trieb ist aber in seiner
Intensität unabhängig von der Ausbildung der anderen. Auch dazu ergibt uns das
Studium der positiven Perversionen das genaue Gegenstück.
Partialtriebe und erogene Zonen.
Halten wir zusammen, was wir aus der Untersuchung der positiven und der
negativen Perversionen erfahren haben, so liegt es nahe, dieselben auf eine
Reihe von »Partialtrieben« zurückzuführen, die aber nichts Primäres sind,
sondern eine weitere Zerlegung zulassen. Unter einem »Trieb« können wir
zunächst nichts anderes verstehen als die psychische Repräsentanz einer
kontinuierlich fließenden, innersomatischen Reizquelle, zum Unterschiede vom
»Reiz«, der durch vereinzelte und von außen kommende Erregungen hergestellt
wird. Trieb ist so einer der Begriffe der Abgrenzung des Seelischen vom
Körperlichen. Die einfachste und nächstliegende Annahme über die Natur der
Triebe wäre, daß sie an sich keine Qualität besitzen, sondern nur als Maße von
Arbeitsanforderung für das Seelenleben in Betracht kommen. Was die Triebe voneinander unterscheidet und mit spezifischen Eigenschaften ausstattet, ist