Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie

Sigmund Freud · Kapitel 11 von 28

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Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie

Partialtriebe und erogene Zonen.

Haß, von zärtlichen in feindselige Regungen vor sich, die für eine große Reihe

von neurotischen Fällen, ja, wie es scheint, für die Paranoia im ganzen

charakteristisch ist.

Das Interesse an diesen Ergebnissen wird noch durch einige Besonderheiten

des Tatbestandes erhöht.

α) Wo ein solcher Trieb im Unbewußten aufgefunden wird, welcher der

Paarung mit einem Gegensatze fähig ist, da läßt sich regelmäßig auch dieser

letztere als wirksam nachweisen. Jede »aktive« Perversion wird also hier von

ihrem passiven Widerpart begleitet; wer im Unbewußten Exhibitionist ist, der ist

auch gleichzeitig Voyeur, wer an den Folgen der Verdrängung sadistischer

Regungen leidet, bei dem findet sich ein anderer Zuzug zu den Symptomen aus

den Quellen masochistischer Neigung. Die volle Übereinstimmung mit dem

Verhalten der entsprechenden »positiven« Perversionen ist gewiß sehr

beachtenswert. Im Krankheitsbilde spielt aber die eine oder die andere der

gegensätzlichen Neigungen die überwiegende Rolle.

β) In einem ausgeprägteren Falle von Psychoneurose findet man nur selten

einen einzigen dieser perversen Triebe entwickelt, meist eine größere Anzahl

derselben und in der Regel Spuren von allen; der einzelne Trieb ist aber in seiner

Intensität unabhängig von der Ausbildung der anderen. Auch dazu ergibt uns das

Studium der positiven Perversionen das genaue Gegenstück.

 

Partialtriebe und erogene Zonen.

 

Halten wir zusammen, was wir aus der Untersuchung der positiven und der

negativen Perversionen erfahren haben, so liegt es nahe, dieselben auf eine

Reihe von »Partialtrieben« zurückzuführen, die aber nichts Primäres sind,

sondern eine weitere Zerlegung zulassen. Unter einem »Trieb« können wir

zunächst nichts anderes verstehen als die psychische Repräsentanz einer

kontinuierlich fließenden, innersomatischen Reizquelle, zum Unterschiede vom

»Reiz«, der durch vereinzelte und von außen kommende Erregungen hergestellt

wird. Trieb ist so einer der Begriffe der Abgrenzung des Seelischen vom

Körperlichen. Die einfachste und nächstliegende Annahme über die Natur der

Triebe wäre, daß sie an sich keine Qualität besitzen, sondern nur als Maße von

Arbeitsanforderung für das Seelenleben in Betracht kommen. Was die Triebe voneinander unterscheidet und mit spezifischen Eigenschaften ausstattet, ist