Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie
Inhaltsangabe.
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I. Die sexuellen Abirrungen 1
II. Die infantile Sexualität 38
III. Die Umgestaltungen der Pubertät 71
I.
Die sexuellen Abirrungen(1).
Die Tatsache geschlechtlicher Bedürfnisse bei Mensch und Tier drückt man
in der Biologie durch die Annahme eines »Geschlechtstriebes« aus. Man folgt
dabei der Analogie mit dem Trieb nach Nahrungsaufnahme, dem Hunger. Eine
dem Worte »Hunger« entsprechende Bezeichnung fehlt der Volkssprache; die
Wissenschaft gebraucht als solche »Libido«.(2)
Die populäre Meinung macht sich ganz bestimmte Vorstellungen von der
Natur und den Eigenschaften dieses Geschlechtstriebes. Er soll der Kindheit
fehlen, sich um die Zeit und im Zusammenhang mit dem Reifungsvorgang der
Pubertät einstellen, sich in den Erscheinungen unwiderstehlicher Anziehung
äußern, die das eine Geschlecht auf das andere ausübt, und sein Ziel soll die
geschlechtliche Vereinigung sein oder wenigstens solche Handlungen, welche
auf dem Wege zu dieser liegen.
Wir haben aber allen Grund, in diesen Angaben ein sehr ungetreues Abbild
der Wirklichkeit zu erblicken; faßt man sie schärfer ins Auge, so erweisen sie
sich überreich an Irrtümern, Ungenauigkeiten und Voreiligkeiten.
Führen wir zwei Termini ein: heißen wir die Person, von welcher die
geschlechtliche Anziehung ausgeht, das Sexualobjekt, die Handlung, nach
welcher der Trieb drängt, das Sexualziel, so weist uns die wissenschaftlich
gesichtete Erfahrung zahlreiche Abweichungen in bezug auf beide, Sexualobjekt
und Sexualziel, nach, deren Verhältnis zur angenommenen Norm eingehende
Untersuchung fordert.
1. Abweichungen in Bezug auf das Sexualobjekt.