Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie

Sigmund Freud · Kapitel 3 von 28

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Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie

Inhaltsangabe.

 

Seite

I. Die sexuellen Abirrungen 1

II. Die infantile Sexualität 38

III. Die Umgestaltungen der Pubertät 71

I.

 

Die sexuellen Abirrungen(1).

 

Die Tatsache geschlechtlicher Bedürfnisse bei Mensch und Tier drückt man

in der Biologie durch die Annahme eines »Geschlechtstriebes« aus. Man folgt

dabei der Analogie mit dem Trieb nach Nahrungsaufnahme, dem Hunger. Eine

dem Worte »Hunger« entsprechende Bezeichnung fehlt der Volkssprache; die

Wissenschaft gebraucht als solche »Libido«.(2)

Die populäre Meinung macht sich ganz bestimmte Vorstellungen von der

Natur und den Eigenschaften dieses Geschlechtstriebes. Er soll der Kindheit

fehlen, sich um die Zeit und im Zusammenhang mit dem Reifungsvorgang der

Pubertät einstellen, sich in den Erscheinungen unwiderstehlicher Anziehung

äußern, die das eine Geschlecht auf das andere ausübt, und sein Ziel soll die

geschlechtliche Vereinigung sein oder wenigstens solche Handlungen, welche

auf dem Wege zu dieser liegen.

Wir haben aber allen Grund, in diesen Angaben ein sehr ungetreues Abbild

der Wirklichkeit zu erblicken; faßt man sie schärfer ins Auge, so erweisen sie

sich überreich an Irrtümern, Ungenauigkeiten und Voreiligkeiten.

Führen wir zwei Termini ein: heißen wir die Person, von welcher die

geschlechtliche Anziehung ausgeht, das Sexualobjekt, die Handlung, nach

welcher der Trieb drängt, das Sexualziel, so weist uns die wissenschaftlich

gesichtete Erfahrung zahlreiche Abweichungen in bezug auf beide, Sexualobjekt

und Sexualziel, nach, deren Verhältnis zur angenommenen Norm eingehende

Untersuchung fordert.

 

1. Abweichungen in Bezug auf das Sexualobjekt.