Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie
B. Geschlechtsunreife und Tiere als Sexualobjekte.
Entstehung.
B. Geschlechtsunreife und Tiere als Sexualobjekte.
Während die Personen, deren Sexualobjekt nicht dem normalerweise dazu
geeigneten Geschlechte angehören, die Invertierten also, dem Beobachter als
eine gesammelte Anzahl von sonst vielleicht vollwertigen Individuen
entgegentreten, erscheinen die Fälle, in denen geschlechtsunreife Personen
(Kinder) zu Sexualobjekten erkoren werden, von vornherein als vereinzelte
Verirrungen. Nur ausnahmsweise sind Kinder die ausschließlichen
Sexualobjekte; zumeist gelangen sie zu dieser Rolle, wenn ein feige und
impotent gewordenes Individuum sich zu solchem Surrogat versteht oder ein
impulsiver (unaufschiebbarer) Trieb sich zurzeit keines geeigneteren Objektes
bemächtigen kann. Immerhin wirft es ein Licht auf die Natur des
Geschlechtstriebes, daß er so viel Variation und solche Herabsetzung seines
Objektes zuläßt, was der Hunger, der sein Objekt weit energischer festhält, nur
im äußersten Falle gestatten würde. Eine ähnliche Bemerkung gilt für den
besonders unter dem Landvolke gar nicht seltenen sexuellen Verkehr mit Tieren,
wobei sich etwa die Geschlechtsanziehung über die Artschranke hinwegsetzt.
Aus ästhetischen Gründen möchte man gern diese wie andere schwere
Verirrungen des Geschlechtstriebes den Geisteskranken zuweisen, aber dies geht
nicht an. Die Erfahrung lehrt, daß man bei diesen letzteren keine anderen
Störungen des Geschlechtstriebes beobachtet als bei Gesunden, ganzen Rassen
und Ständen. So findet sich sexueller Mißbrauch von Kindern mit unheimlicher
Häufigkeit bei Lehrern und Wartepersonen, bloß weil sich diesen die beste
Gelegenheit dazu bietet. Die Geisteskranken zeigen die betreffende Verirrung
nur etwa gesteigert oder, was besonders bedeutsam ist, zur Ausschließlichkeit
erhoben und an Stelle der normalen Sexualbefriedigung gerückt.
Dieses sehr merkwürdige Verhältnis der sexuellen Variationen zur
Stufenleiter von der Gesundheit bis zur Geistesstörung gibt zu denken. Ich
würde meinen, die zu erklärende Tatsache wäre ein Hinweis darauf, daß die
Regungen des Geschlechtslebens zu jenen gehören, die auch normalerweise von
den höheren Seelentätigkeiten am schlechtesten beherrscht werden. Wer in sonst
irgend einer Beziehung geistig abnorm ist, in sozialer, ethischer Hinsicht, der ist es nach meiner Erfahrung regelmäßig in seinem Sexualleben. Aber viele sind