Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie

Sigmund Freud · Kapitel 5 von 28

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Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie

B. Geschlechtsunreife und Tiere als Sexualobjekte.

Entstehung.

 

B. Geschlechtsunreife und Tiere als Sexualobjekte.

 

Während die Personen, deren Sexualobjekt nicht dem normalerweise dazu

geeigneten Geschlechte angehören, die Invertierten also, dem Beobachter als

eine gesammelte Anzahl von sonst vielleicht vollwertigen Individuen

entgegentreten, erscheinen die Fälle, in denen geschlechtsunreife Personen

(Kinder) zu Sexualobjekten erkoren werden, von vornherein als vereinzelte

Verirrungen. Nur ausnahmsweise sind Kinder die ausschließlichen

Sexualobjekte; zumeist gelangen sie zu dieser Rolle, wenn ein feige und

impotent gewordenes Individuum sich zu solchem Surrogat versteht oder ein

impulsiver (unaufschiebbarer) Trieb sich zurzeit keines geeigneteren Objektes

bemächtigen kann. Immerhin wirft es ein Licht auf die Natur des

Geschlechtstriebes, daß er so viel Variation und solche Herabsetzung seines

Objektes zuläßt, was der Hunger, der sein Objekt weit energischer festhält, nur

im äußersten Falle gestatten würde. Eine ähnliche Bemerkung gilt für den

besonders unter dem Landvolke gar nicht seltenen sexuellen Verkehr mit Tieren,

wobei sich etwa die Geschlechtsanziehung über die Artschranke hinwegsetzt.

Aus ästhetischen Gründen möchte man gern diese wie andere schwere

Verirrungen des Geschlechtstriebes den Geisteskranken zuweisen, aber dies geht

nicht an. Die Erfahrung lehrt, daß man bei diesen letzteren keine anderen

Störungen des Geschlechtstriebes beobachtet als bei Gesunden, ganzen Rassen

und Ständen. So findet sich sexueller Mißbrauch von Kindern mit unheimlicher

Häufigkeit bei Lehrern und Wartepersonen, bloß weil sich diesen die beste

Gelegenheit dazu bietet. Die Geisteskranken zeigen die betreffende Verirrung

nur etwa gesteigert oder, was besonders bedeutsam ist, zur Ausschließlichkeit

erhoben und an Stelle der normalen Sexualbefriedigung gerückt.

Dieses sehr merkwürdige Verhältnis der sexuellen Variationen zur

Stufenleiter von der Gesundheit bis zur Geistesstörung gibt zu denken. Ich

würde meinen, die zu erklärende Tatsache wäre ein Hinweis darauf, daß die

Regungen des Geschlechtslebens zu jenen gehören, die auch normalerweise von

den höheren Seelentätigkeiten am schlechtesten beherrscht werden. Wer in sonst

irgend einer Beziehung geistig abnorm ist, in sozialer, ethischer Hinsicht, der ist es nach meiner Erfahrung regelmäßig in seinem Sexualleben. Aber viele sind