Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie

Sigmund Freud · Kapitel 6 von 28

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Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie

2. Abweichungen in bezug auf das Sexualziel.

abnorm im Sexualleben, die in allen anderen Punkten dem Durchschnitt

entsprechen, die menschliche Kulturentwicklung, deren schwacher Punkt die

Sexualität bleibt, in ihrer Person mitgemacht haben.

Als allgemeinstes Ergebnis dieser Erörterungen würden wir aber die Einsicht

herausgreifen, daß unter einer großen Anzahl von Bedingungen und bei

überraschend viel Individuen die Art und der Wert des Sexualobjektes in den

Hintergrund treten. Etwas anderes ist am Sexualtrieb das Wesentliche und

Konstante(13).

 

2. Abweichungen in bezug auf das Sexualziel.

 

Als normales Sexualziel gilt die Vereinigung der Genitalien in dem als

Begattung bezeichneten Akte, der zur Lösung der sexuellen Spannung und zum

zeitweiligen Erlöschen des Sexualtriebes führt (Befriedigung analog der

Sättigung beim Hunger). Doch sind bereits am normalsten Sexualvorgang jene

Ansätze kenntlich, deren Ausbildung zu den Abirrungen führt, die man als

Perversionen beschrieben hat. Es werden nämlich gewisse intermediäre (auf

dem Wege zur Begattung liegende) Beziehungen zum Sexualobjekt, wie das

Betasten und Beschauen desselben, als vorläufige Sexualziele anerkannt. Diese

Betätigungen sind einerseits selbst mit Lust verbunden, anderseits steigern sie

die Erregung, welche bis zur Erreichung des endgültigen Sexualzieles andauern

soll. Eine bestimmte dieser Berührungen, die der beiderseitigen

Lippenschleimhaut, hat ferner als Kuß bei vielen Völkern (die höchstzivilisierten

darunter) einen hohen sexuellen Wert erhalten, obwohl die dabei in Betracht

kommenden Körperteile nicht dem Geschlechtsapparat angehören, sondern den

Eingang zum Verdauungskanal bilden. Hiemit sind also Momente gegeben,

welche die Perversionen an das normale Sexualleben anknüpfen lassen und auch

zur Einteilung derselben verwendbar sind. Die Perversionen sind entweder a)

anatomische Überschreitungen der für die geschlechtliche Vereinigung

bestimmten Körpergebiete oder b) Verweilungen bei den intermediären

Relationen zum Sexualobjekt, die normalerweise auf dem Wege zum

endgültigen Sexualziel rasch durchschritten werden sollen.