Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie
III. Die Umgestaltungen der Pubertät.
III.
Die Umgestaltungen der Pubertät.
Mit dem Eintritt der Pubertät setzen die Wandlungen ein, welche das
infantile Sexualleben in seine endgültige normale Gestaltung überführen sollen.
Der Sexualtrieb war bisher vorwiegend autoerotisch, er findet nun das
Sexualobjekt. Er betätigte sich bisher von einzelnen Trieben und erogenen
Zonen aus, die unabhängig voneinander eine gewisse Lust als einziges
Sexualziel suchten. Nun wird ein neues Sexualziel gegeben, zu dessen
Erreichung alle Partialtriebe zusammenwirken, während die erogenen Zonen
sich dem Primat der Genitalzone unterordnen(60). Da das neue Sexualziel den
beiden Geschlechtern sehr verschiedene Funktionen anweist, geht deren
Sexualentwicklung nun weit auseinander. Die des Mannes ist die konsequentere,
auch unserem Verständnis leichter zugängliche, während beim Weibe sogar eine
Art Rückbildung auftritt. Die Normalität des Geschlechtslebens wird nur durch
das exakte Zusammentreffen der beiden auf Sexualobjekt und Sexualziel
gerichteten Strömungen, der zärtlichen und der sinnlichen, gewährleistet, von
denen die erstere in sich faßt, was von der infantilen Frühblüte der Sexualität
erübrigt. Es ist wie der Durchschlag eines Tunnels von beiden Seiten her.
Das neue Sexualziel besteht beim Manne in der Entladung der
Geschlechtsprodukte; es ist dem früheren, der Erreichung von Lust keineswegs
fremd, vielmehr ist der höchste Betrag von Lust an diesen Endakt des
Sexualvorganges geknüpft. Der Sexualtrieb stellt sich jetzt in den Dienst der
Fortpflanzungsfunktion; er wird sozusagen altruistisch. Soll diese Umwandlung
gelingen, so muß beim Vorgang derselben mit den ursprünglichen Anlagen und
allen Eigentümlichkeiten des Triebes gerechnet werden.
Wie bei jeder anderen Gelegenheit, wo im Organismus neue Verknüpfungen
und Zusammensetzungen zu komplizierten Mechanismen stattfinden sollen, ist
auch hier die Gelegenheit zu krankhaften Störungen durch Unterbleiben dieser Neuordnungen gegeben. Alle krankhaften Störungen des Geschlechtslebens sind