Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie

Sigmund Freud · Kapitel 22 von 28

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Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie

III. Die Umgestaltungen der Pubertät.

III.

 

Die Umgestaltungen der Pubertät.

 

Mit dem Eintritt der Pubertät setzen die Wandlungen ein, welche das

infantile Sexualleben in seine endgültige normale Gestaltung überführen sollen.

Der Sexualtrieb war bisher vorwiegend autoerotisch, er findet nun das

Sexualobjekt. Er betätigte sich bisher von einzelnen Trieben und erogenen

Zonen aus, die unabhängig voneinander eine gewisse Lust als einziges

Sexualziel suchten. Nun wird ein neues Sexualziel gegeben, zu dessen

Erreichung alle Partialtriebe zusammenwirken, während die erogenen Zonen

sich dem Primat der Genitalzone unterordnen(60). Da das neue Sexualziel den

beiden Geschlechtern sehr verschiedene Funktionen anweist, geht deren

Sexualentwicklung nun weit auseinander. Die des Mannes ist die konsequentere,

auch unserem Verständnis leichter zugängliche, während beim Weibe sogar eine

Art Rückbildung auftritt. Die Normalität des Geschlechtslebens wird nur durch

das exakte Zusammentreffen der beiden auf Sexualobjekt und Sexualziel

gerichteten Strömungen, der zärtlichen und der sinnlichen, gewährleistet, von

denen die erstere in sich faßt, was von der infantilen Frühblüte der Sexualität

erübrigt. Es ist wie der Durchschlag eines Tunnels von beiden Seiten her.

Das neue Sexualziel besteht beim Manne in der Entladung der

Geschlechtsprodukte; es ist dem früheren, der Erreichung von Lust keineswegs

fremd, vielmehr ist der höchste Betrag von Lust an diesen Endakt des

Sexualvorganges geknüpft. Der Sexualtrieb stellt sich jetzt in den Dienst der

Fortpflanzungsfunktion; er wird sozusagen altruistisch. Soll diese Umwandlung

gelingen, so muß beim Vorgang derselben mit den ursprünglichen Anlagen und

allen Eigentümlichkeiten des Triebes gerechnet werden.

Wie bei jeder anderen Gelegenheit, wo im Organismus neue Verknüpfungen

und Zusammensetzungen zu komplizierten Mechanismen stattfinden sollen, ist

auch hier die Gelegenheit zu krankhaften Störungen durch Unterbleiben dieser Neuordnungen gegeben. Alle krankhaften Störungen des Geschlechtslebens sind