Hermann Lauscher
Letzte Gedichte. (Sommer und Herbst 1900.)
Letzte Gedichte.
(Sommer und Herbst 1900.)
Meiner Liebe.
I.
An meine Schulter lehne
Dein schweres Haupt und schweige
Und koste jeder Träne
Wehsüße, lasse Neige.
Es werden Tage kommen,
Da du nach diesen Tränen
Verdürstend und beklommen
Dich wirst vergebens sehnen.
II.
Leg mir aufs Haar
Die Hand; schwer ist mein Haupt.
Was meine Jugend war,
Hast du geraubt.
Unwiederbringlich ist dahin
Der Jugend Glanz, der Freude Born,
Der mir so unerschöpflich golden schien,
Und überblieben Weh und Zorn
Und Nächte, Nächte ohne End,
In denen wild und fieberheiß
Der alten Liebeslüste Kreis
Mein waches Träumen wund durchrennt.
Nur noch in Stunden seltner Rast
Tritt manchmal meine Jugend her
Zu mir, ein scheuer blasser Gast,
Und stöhnt, und macht das Herz mir schwer . . .
Leg mir aufs Haar
Die Hand. Schwer ist mein Haupt.
Was meine Jugend war,
Hast du geraubt.
Dennoch.