Hermann Lauscher

Hermann Hesse · Kapitel 2 von 27

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Hermann Lauscher

Vorwort der ersten Ausgabe. (Ende 1900).

Vorwort der ersten Ausgabe.

(Ende 1900).

Der Name Hermann Lauscher tritt mit der vorliegenden Publikation zum ersten Mal in die Öffentlichkeit. Lauschers Dichtungen, unter fremdem Namen im

Druck erschienen, sind einem bestimmten engeren Leserkreise wohlbekannt.

Leider hat der verstorbene Dichter mir verboten, sein Geheimnis preiszugeben

und seine früher gedruckten Schriften ihm zu vindizieren. Es war ein Abend in

der Weinstube des „Storchen“; Lauscher war von seiner gewöhnlichen traurig

bitteren Stimmung befallen, vielleicht warf auch sein bald darauf erfolgter Tod

den Schatten einer ängstigenden Ahnung voraus. Er bat mich förmlich zu

schwören, seine Anonymität aufs treueste wahren zu helfen. Vor mir, als dem

einzigen Literaten seiner Freundschaft, schien er in diesem Punkte besonders

ängstlich zu sein. Ich schwor lachend ewiges Stillschweigen, das Gespräch

wendete sich zu literarischen Fragen, wobei Lauscher alle Quellen seiner fast

feindseligen Ironie springen ließ. Dann versank er in Schweigen, trank hastig

mehrere Becher Wein und nahm plötzlich kurzen Abschied. Ich sah ihn seither

nicht wieder — zehn Tage darauf starb er plötzlich auf einer Reise.

Lauschers literarischer Nachlaß enthielt fast nichts als die hier mitgeteilten

Stücke. Nächst dem rein persönlichen Wert, den diese für seine Freunde haben,

dürften sie als Dokumente der eigentümlichen Seele eines modernen Ästheten

und Sonderlings das Interesse aufmerksamer Leser verdienen, namentlich durch

die herbe, selbstquälerische Wahrheitsliebe des „Tagebuchs“. Sie entbehren fast

ganz die fleißig geschliffene, preziöse Form, welche Lauschers Dichtungen

eigen ist, und dürften so, ganz im Sinn ihres Verfassers, auch gewandten

literarischen Spürern keinerlei Schlüsse auf dessen anderwärts existierende

Autorschaft zulassen.

Durch weitere Notizen über den Dahingegangenen oder durch eine vielleicht

zuweilen erwünscht scheinende abrundende Redaktion den persönlich

lebendigen Duft der nachstehenden Blätter zu beeinträchtigen, schien mir

unerlaubt.

Mögest du mir verzeihen, mein armer, toter Freund, wenn diese

Veröffentlichung deiner letzten, einsamen Gedanken und Leiden nicht deinem

stumm gebliebenen, letzten Wunsche entspricht!