Hermann Lauscher

Hermann Hesse · Kapitel 24 von 27

PDF-Seiten

Hermann Lauscher

Philosophie.

Dennoch von meiner Jugend Stunden

Genoß ich jede. Soll ich klagen,

Daß die gehegte Blust nur Wunden

Und Bitternis und Weh getragen?

 

Wenn sie noch einmal wiederkäme

Und trüge alle holden Züge

Von ehmals — fänd ich mein Genüge,

Wenn sie ein andres Ende nähme.

 

Philosophie.

 

Vom Unbewußten zum Bewußten,

Von da zurück durch viele Pfade

Zu dem, was unbewußt wir wußten,

Von dort verstoßen ohne Gnade

Zum Zweifel, zur Philosophie,

Erreichen wir die ersten Grade

Der Ironie.

 

Sodann durch emsige Betrachtung,

Durch scharfe Spiegel mannigfalt

Nimmt uns zu frierender Umnachtung

In grausam eiserne Gewalt

Die kühle Kluft der Weltverachtung.

Die aber lenkt uns klug zurück

Durch der Erkenntnis schmalen Spalt

Zum bittersüßen Greisenglück

Der Selbstverachtung.

 

Marienlied.

 

Ohne Schmuck und Perlenglanz

Laß mich auf die Stufen legen,

Stumm erflehend deinen Segen,

Meiner Jugend welken Kranz.

 

Kämpfe, Fahrten, Wunden viel,

Ungenossene herbe Siege

Ruhmlos durchgekämpfter Kriege Finden müde nun ihr Ziel.