Ein ganz normaler Tag(?), Die verrückteste WG der Welt

Inventur, Hölle&Alex

 

Der Tag neigte sich langsam dem Ende als zwei Personen das Totenreich betraten. Sofort eilte ihnen ein Schatten entgegen und begleitete die Herrschaften in das Büro des Todes. Es handelte sich bei den beiden um einen Jungen, welcher die ganze Zeit auf und ab hüpfte und mit große Augen alles bewunderte und ein Mädchen mit sehr kurzem Haar, welches zu einem Iro hochgegelt war und eher gelangweilt hinter dem Diener hertrottete. Beide trugen schwarz.

Kurz nach Mitternacht liefen die beiden nebeneinander durch die Straßen von Paris.

Alex, das Mädchen, musterte Phillip genervt von der Seite. „Sag mal, was soll dieses Matrix-Kostüm??“ Die Frage bezog sich auf Phillip langen Mantel, die auf Hochglanz polierten Halbschuhe, die verspiegelte Sonnenbrille und die stramm nach hinten gelegten Haare.

Stolz grinste sie ihr Kurzzeitpartner an.

„Sieht doch geil aus. Gib dir mal meine Haare!“ „Ich will gar nicht wissen wie viel Spucke dafür notwendig war... Spars dir ich weiß schon, dass es keine Spucke ist. Sieht aber, bei aller Liebe, genau so aus...Ich frag mich nach wie vor, warum ich dich mitgenommen habe?“

„Weil du es zu schätzen weißt, mit wie viel Eifer ich dir zur Seite stehe. So ganz unter Freunden.“

Alex machte nur eine wegwischende Bewegung mit der Hand. „Wir sehen uns heute zum ersten mal. Deine Interesse daran mir zu helfen kam dir komischerweise erst als ich den Tod in einer meiner Geschichten beschrieben habe.“

„Und, wenn ich das hier anmerken darf, du hast sehr untertrieben... Was jetzt nicht heißt, dass ich ihn anziehend finde! Ich schwörs ich... LASS DEN BLICK!!“

„OH.MEIN.GOTT! Du stehst auf den Tod. Das GEHT nicht! Du kannst nicht auf ihn stehen!!“

„Wieso nur weil du mit denen in einer WG wohnst?? Du hast doch noch Lucifer?? WAS NICHT HEIßT, DASS ER GEIL IST!“ Alex hielt abrupt an und wäre es nicht dunkel und Nacht gewesen wäre, wäre wohl irgendein Franzose in sie hinein gerannt. „Weißt du, ich bin die letzte, die allerletzte die etwas gegen Schwule hat, aber ich sehe Tod jeden Tag und da will ich dich nicht mit ihm rummachen sehen das ist ja- Hey! Ist das nicht unsere Zielperson?“ Phillip, dessen Gesicht mittlerweile einer Tomate Konkurrenz hätte machen könnte, schaute sofort auf.

„Ja..ja das könnte... Was für 'ne Zielperson??“ „Hast du denn heute nicht zugehört, als Tod uns eingewiesen hat?“ „Hallohoo, ich musste meine Haare machen! Meinst du die liegen von selbst so??“

„Wenn du es mit Spucke gemacht hättest... Auf jeden Fall muss Tod Inventur machen, so aller hundert Jahre oder so, und in dieser Zeit müssen wir seinen Job machen.“

„Wir sollen alle Seelen einsammeln die in einer beschissenen Woche anfallen?!“

Auf Phillips entsetztes Gesicht konnte Alex nur mitleidig lächeln. Die Person der sie mittlerweile folgten stieg in einen Bus. Schnell beeilten sie sich um ihm zu folgen und ließen sich zwei Bänke hinter ihm auf die Bank fallen.

„Nein du Trottel.“, nahm Alex das Thema wieder auf. „Die Seelen an sich werden von den Schatten abgeholt, die hast du ja heute kennen gelernt. Aber weißt du es gibt so etwas wie... wie sozial Fälle unter den Seelen. Die die zu stark am Leben hängen und die die einfach zu dämlich dafür sind.“

„Aber die lebt doch noch??“

„Willst du einer halb zerquetschten Leiche hinterherrennen?“ „Nein...wieso zerquetscht?“

„Weil sich dieser Bus gleich dreimal überschlagen wird und dann mit so einer Wucht-“

„Ok, ok vergiss es, mir wird schlecht. Steigen wir vorher aus?“ „Zu spät in vierzig Sekunden geht’s los. Hey, komm runter wir sthen unter Tods Schutz. Du wirst nicht einmal was spüren.“

Unruhig hüpfte Phillip auf seinem Platz herum und knetete seinen Hände.

„Wie lange noch?“

Alex seufzte nur und stand langsam auf.

„Dreißig Sekunden.“

Vorsichtig ging sie noch ein paar Schritte bis sie neben der Zielperson stand. Etwas missmutig tapste Phillip hinter her. Wenn er recht mitgezählt hatte, dann müssten sie noch elf Sekunden haben. Jetzt schaute sich auch Phillip die „Zielperson“ an und erstarrte. „Ach du scheiße, das ist doch...!“

5...

4...

Alex grinste.

3..

Die Zielperson sah auf und sah die Beiden irritiert an. 2...

„Richtig. Der Herr Bösenberg.“

1...

CRASH!!!

Während sich der Bus überschlug schienen die Beiden in einer Art unsichtbaren Blase durch die Luft zu segeln, ohne auch nur den geringsten Schaden zu nehmen, dann plötzlich hielt die Zeit an. „Ach du SCHEIßE! Was war DAS denn!“

Vorsichtig rappelte sich Alex auf und klopfte den Dreck von ihren Sachen.

„Heul nicht rum. Willst du lieber draufgehen?“ Phillip murmelte nur irgendwas, es klang wie Gedicht, und stand ebenfalls schwankend auf. Genervt wandte sich Alex dem ehemaligen Innenminister zu. Dessen Kopf lag in einer krotestken Stellung auf seiner Schulter, die Atmung hatte ausgesetzt und aus seinem Mund lief ein kleines Blutgerinnsel. „Hmm der ist tot.“

„Sag bloß, Phillip.“

„Und jetzt?“

„Gib mir den Seelenfänger.“

„Den was für ein Teil??“

„Gib mir die schwarze Thermoskanne aus deinem Rucksack.“ „Die hier?“

„Genau, her damit.“

Vorsihtig holte Alex ein paar schwarzer Handschuhe aus ihrer Jackentasche und streifte sie über. Die rechte Hand legte sie dem Politiker auf die Brust, und ließ sie einsinken. „Ok, Phillip zieh dir jetzt auch deine Handschuhe an und mach dich bereit. Ich geb dir gleich die Seele und du halt sie so lange fest, bis ich bereit bin.“

„Bitte wie meinen??“

„Beeile dich, verdammt!“

Beleidigt kramte jetzt auch der andere seine Handschuhe heraus und streifte sie ebenfalls über.

Kopfschüttelnt zerrte Alex die Seele aus dem Körper, die sich verständlicherweise nach allen Kräften wehrte und hielt sie Phillip vor die Nase.

Dieser schaute erst etwas sparsam, griff aber nach ein paar Minuten endlich danach.

Alex beobachte ein paar Sekunden amüsiert den unfairen Kampf der Politiker-Seele

und des locker zwanzig Jahre jüngeren Assistenten, bevor sie kopfschüttelnd den Seelenfänger öffnete und saugte den verbleibenden Rest des einst so berühmten Politikers auf. Keuchend ging ihr drei Jahre jüngere Partner auf die Knie. „Meine Fresse war der stark...“

Alex blieb ihm eine Antwort schuldig und wandte sich lächelnd zum Gehen.

So dann bringen wir ihn mal in die Hölle.

Abrupt blieb Phillip stehen.

„Hölle?“, krächzte er. „A- aber warum?!“

Gleichgültig zuckte Alex mit den Schultern. „Er ist Politiker.“

„Aber warum die Hölle?“

„Na ja so genau weiß ich dich auch nicht... Frag doch einfach nach.“ Jetzt wurde Alex mit einem entgeisterten Blick angestarrt. „Wir müssen da hin??“

Nervös leckte er sich über die Lippen und schüttelte dann den Kopf. Alex ignorierte diese Geste und machte sich auf dem Weg zum Aufzug, welcher soeben aus dem Nichts aufgetaucht war und schaute ihren Partner erwartungsvoll an.

Immer noch kopfschüttelnd tapste er ihr hinterher und stellte sich seufzend neben seinen Chef.

Kurz darauf öffneten sich die Türen des Lifts mit einem Pling in dem Wartezimmer der Hölle.

„Ah guten Tag.“, flötete ihnen eine freundliche Stimme entgegen und kurz darauf kam ihnen ein brünettes, mit rotem Rock und weißen Bluse bekleidetes Mädchen entgegen. Ihre feuerroten Nägel und die dazu passenden Ohrringe verliehen ihr noch das passende etwas. Alex und ihrem Partner klappten im wahrsten Sinne des Wortes der Kiefer herunter.

„Kristin??!“, entkam es ihnen fast synchron.

Dann folgte Phillips „Was tust du denn hier?!“ und Alex' „Und wo ist Sandy?“

Kristi lächelte etwas unsicher und sah erst Alex dann ihren Kumpel an.

„Also um die erste Frage zu beantworten, nachdem ich Alex Geschichte gelesen habe und wie gut der Teufel aussieht und so..“ An der Stelle wurde sie rot.

„Und da bin ich einfach in den Bundestag gegangen und ja also als ich in den Keller kam, stand da so ein Aufzug, der mich direkt hier her brachte und da, um gleich Alex' Frage zu beantworten, Sandy bald Urlaub machen wollte habe ich mich gleich zur Verfügung gestellt. Aber egal wie cool er auch ist, in deinen Geschichten war Satan nicht ganz so... unnahbar.“

Kristi schaute etwas verlegen auf und lächelte unverbindlich, als sie Alex' beeindrucken Blick bemerkte (wer kam schon auf die Idee im Keller vom Bundestag nach der Hölle zu Suchen?). „Und wie kann ich euch helfen?“

Phillip wedelte mit der Thermoskanne.

„Wir wollen hier nur schnell was abliefern und sind dann auch gleich-“

„Könntest du uns bitte zu Luci bringen? Wir müssen etwas abgeben und ich hab ihn schon lange nicht mehr gesehen, er kommt mittlerweile fast gar nicht mehr nach Hause, da will ich wenigstens sehen, ob er noch lebt. Ach und was die heißen Jungs angeht, lass die Finger von ihm und widme dich lieber den Jungs aus der Folterabteilung, die sehen nicht nur gut aus, sind außerdem wegen dem Frauenmangel sexuell unterernährt.“ Ihre Worte unterstrich sie mit einem schalkhaften Zwinkern. Mit hochrotem Kopf nickte nun die Aushilfskraft und stürzte förmlich aus dem Raum. Den prüfenden Blick von Phillip ignorierte Alex gewissenhaft.

„Wer hätte das gedacht? Die Kleine könnte es im Höllen-Geschäft noch weit bringen.“

Phillip schüttelte nur verstört den Kopf.

„Versteh einer die Frauen.“

Keine zwei Minuten schlich Kristi wieder herein. Nach einem kurzen Husten verkündete, dass Satan sie nun empfangen könne. Als Alex an ihr vorbei durch die Tür ging raunte sie iihr noch die Worte „Zimmer H2010. Um zwei haben sie Mittagspause bring ihnen einen Erdbeerkuchen und Sahne. Viel Sahne.“ Und schon war sie weg. Als Phillip an ihr vorbei ging hörte Kristi nur die Worte „Ihr seid doch alle nicht mehr ganz normal. Kein Wunder, dass Mann da schwul wird.“

Vor Lucifers Tür dann blieben sie kurz stehen und Phillip musterte Alex überrascht als diese tief Luft holte.

„Ok, egal was jetzt passiert sag die ersten zwei Minuten gar nicht, schreite nicht ein und giebt den Dreckskerl keine Möglichkeit sich hinter dir zu verstecken, ok?“

„'the Fuck??!“

Weiter kam er nicht, dann da hatte Alex auch schon die Tür aufgestoßen und stampfte mit einer Miene ins Zimmer, dass selbst dem Höllenfürsten das Blut in den Adern gefror. „Sag mal bist du bescheuert?! Was denkst du dir eigentlich? Nur weil du der Her der Dämonen bist, heißt das noch lange nicht, dass du dich nicht bei uns melden musst. Ich habe nichts dagegen wenn du mal ein, zwei Tage nicht nach Hause kommst...“ und so ging es noch etwa zwanzig Minuten weiter. Alex wetterte in einer Lautstärke, dass selbst Phillip Mitleid mit dem völlig verängstigten Lucifer bekam. Dann endlich schien sich das Unwetter zu legen. Lucifer würgte noch ein paar Entschuldigungen heraus und schon schienen sich die Beiden wieder zu verstehen. Alex übergab ihn dann endlich die Thermoskanne und unterhielt sich noch über ein paar uninteressante Dinge. Phillips Blick jedoch wurde von Lucifer geradezu angesaugt. Jetzt war ihm klar was Kristi mit „nicht so umgänglich“ gemeint hatte. Dieser Typ strahlte reine schwarze Energie aus, sein Blick schaffte es dir das reine Eiswasser durch die Adern zu jagen und auch nur seine Nähe zu ihm war grauenvoll. Phillip zählte förmlich die Sekunden bis sie endlich wieder gingen. Wie konnte Alex nur einen solchen Typ mögen. Geschweige denn mit dem unter einem Dach leben?

Plötzlich blieb Alex stocksteif stehen.

„Verdammt.“

Ohne ein Wort der Erklärung drehte sie sich um und lief zurück in das Büro des Leibhaftigen.

Und da Phillip für heute genug Erfahrung mit gruseligen Dämonen und Kristi gemacht hatte blieb er einfach im Gang stehen. Und wie er da so stand kam es wie es kommen musste, eine gewaltige Alkoholfahne stieß ihm entgegen und kurz darauf wankten drei oder vier Penner um die Ecke.

WTF???

Einer der Penner sah ihn und taumelte auf ihn zu „NEMO!! DaS ich dich noch eenma bersööönlik gennen lärne..“ Der andere Penner fing grellen hoch zu kichern an. „Nee Alter, das is ned da Nemo, dat warn Fisch des is der Nero.“ Der andere Penner grölte nur ein lautes MATRIXXXX, bevor er umkippte und den vierten mitzog. Dort lagen die beiden also auf dem Boden und lachten sich die Seele aus dem Leib. Noch bevor Phillip etwas tolles tun konnte hatte ihn Penner Nummero ein ihn erreicht und fiel ihm um den Hals.

„Nero, duuu must mik retten.“

Am liebsten hätte Phllip jetzt um Hilfe geschrien, aber die Alkoholfahne raubte ihm den Atem und nur durch den Atem der Penner wurde er etwas beschwipst.

Doch Gott sei dank, welch komischer Gedanke in der Hölle..., schallte plötzlich eine ihm nur zu bekannte Stimme durch die Gänge. „Juuuuuuuungs wo seid ihr? Eins,, zwei, drei Eckstein, alles muss versteckt sein.“

Sofort schienen die vier Penner wieder nüchtern, sprangen auf und rannten davon. Ehe ihm wieder etwas dieser Art passieren konnte versteckte sich Phillip schnell im Schatten einer Säule und lugte kurz hervor als die unbekannte Person vorbeirauschte. BETTY?? Arbeiten jetzt alle für Satan?!

„Phillip?? He, wo bist du bitte schön? Ich schwörs dir wenn du nicht rauskommst, dann kannst du schaun wo du bleibst...“ „Alex?“

„Wer denn sonst??“

Vorsichtig schlich Phillip aus seinem Versteck und sah sich unsicher um. Von Betty und den Pennern war nichts mehr zu sehen. Gut. „Ich habe Betty und vier komische Penner gesehen?“ „Hm? Achso, also die vier Penner, wie du sie nennst, waren die Postapokalyptischen Reiter: Hunger, Krieg, Krankheit und Tod...das heißt Tod lässt sich vertreten aus ziemlich verständlichen Gründen.... Die haben wahrscheinlich mal wieder zu tief ins Glas geguckt, irgendwie müssen die ja die Zeit bis zum jüngsten Tag totschlagen.“ „Aha... und was macht Betty hier?“

„Naja, Luci hat vor sich etwas Urlaub zu nehmen so in etwa ein-, zweihundert Jahre und in der Zeit soll Betty den Laden schmeißen. Deswegen arbeitet sie immer in den Ferien hier und schafft sich schon mal etwas Respekt unter den Anwesenden, sagt sie zumindest. Ich habe ja die dumpfe Vermutung, dass sie hier eher gewisse unmoralische Dinge tut... Aber ist ja Wurst.“ Die Beiden wandten sich zum gehen, als Phillip dann doch noch ein Gedanke kam: „Sag mal, was wolltest du noch vom Teufel?“ Alex grinste nur, blieb ihm aber eine Antwort schuldig.

Inzwischen:

„Dieses verdammte Teufelsweib.“

Lucifer musste über seine eigene Redewendung lächeln und ließ sich zurück aufs Sofa plumsen. Während er seinen zweiten doppelten Bourbon exte.

Gedankenverloren rieb er sich den Schritt. Welcher verdammte Bastard hatte dieser Göre nur diese Stiefel geschenkt. Hatte das Miststück ihn tatsächlich zwischen die Beine getreten, dass er für den Rest des Tages eine Oktave höher reden musste. Stöhnend holte er sein Handy heraus und rief im Büro an (Laufen war, dank den verräterischen Schmerzen zwischen seinen einen nicht drin).

„Kristi? Ja ich bins. Sag alle Termine für heute ab. Was? Ja, dann soll das halt jemand anderes machen. Hm? Ich habe tausend Dämonen zur Verfügung und keiner schafft es diesen Osama bin Kaufen zu betreuen? Na gut, dann steck ihn einfach zu dieser Spears in eine Zelle. Was soll das heißen besetzt? Wer ist denn bitte mit Mozart? Was tut der bitte in der Hölle?? Dann kläre das verdammt! Ja ich weiß.. gut steck diesen bin Kaufen einfach in eine Zelle und spiel einfach Justin Bieber in Endlosschleife, das müsste reichen... Wieso ih heute frei nehme? Ich muss heute pünktlich zum Abendessen erscheinen, sonst wird aus dem Lucifer bald schon die Lucifer... Nein, ich fürchte das war kein Spaß. Ja. Danke. Ciao.“

Mittlerweile:

Mit einem *Pling* öffnete sich der Fahrstuhl im Totenreich und die Beiden Chaoten stiegen zufrieden lächelnd aus. „Geh du schon mal voraus, ich gehe kurz noch den Papierkram erledigen.“

Eilig nickte Phillip und eilte davon, wobei Alex nicht der freudige Ausdruck auf seinem Gesicht entgangen war. Und du bist doch in den Tod verliebt, rief sie ihm in Gedanken nach. Dann seufze sie und wandte sich in die andere Richtung. „Nun denn, es gibt noch viel zu tun.“Ruhig lief sie durch die dunklen Gänge, die außer dem einen oder anderen Schatten vollkommen leer waren. Wo wohl die ganzen Skelette waren? Oder hieß es Skeletten? Skelettie? Nun ja außer dem letzten Wort wurde nichts davon von Word unterkringelt, also Skeletten... Nein das klingt schrecklich... So in Gedanken vertieft erreichte sie bald ihr Ziel und betrat den kleinen dunklen Raum. Er war wie alle Räume hier unten nur spärlich von schwarzen Kerzen (auf denen bläuliche Flämmchen brannten) beleuchtet und voll mit Aktenschränken (natürlich aus schwarzen Holz) gestellt. Nur ein kleiner Schreibtisch stand außerdem in der Mitte der Kammer. Immer noch etwas nachdenklich ließ sich Alex auf den kleinen Schemel fallen und zog aus einer Schublade des Schreibtisches ein Formular. Seufzend machte sie sich daran es auszufüllen:

 

Name: Gidö Bösenberg

Alter: alter Sack

Beruf: Politiker

Abgegeben in: Hölle

Begründung: siehe Beruf

Zuständige Person: Alex (schwarzer Praktikant) & Phillip (Junge) Seelen eingesammelt: 05.01.2012 Abgeliefert: -||- Sonstiges: Luci ist ein Arsch

Unterschrift:

Alex

 

Schnell las sie sich noch einmal alles durch, nickte zufrieden und ordnete dann das Formular ordnungsgemäß ein. So dann wollen wir mal.

Mit einem *Pling* öffnete sich der Fahrstuhl im Totenreich und die Beiden Chaoten stiegen zufrieden lächelnd aus. „Geh du schon mal voraus, ich gehe kurz noch den Papierkram erledigen.“

Eilig nickte Phillip und eilte davon, wobei Alex nicht der freudige Ausdruck auf seinem Gesicht entgangen war. Nach ein paar Sekunden kam er endlich vor der großen schwarzen Bürotür an, Phillip hob schon die Hand um anzuklopfen, als ihn doch Zweifel befielen. Vielleicht sollte ich besser auf Alex arten? Und warum?

Naja, was wenn der Tod Bericht erstattet haben wollte? Dann erstattest du ihm Bericht?

Aber was wenn-

Du fürst dich auf wie ein verliebter Teenager. Alex hatte eben doch recht.

Sollte mein Gewissen nicht auf MEINER Seite sein? Dann warst du schon längst verreckt...

Na vielen Dank auch...

Jetzt klopf schon an du Trottel.

Seufzend erhob r erneut die Hand und klopfte zwei Mal. Vielleicht war ja gar nicht da?

Klar der Tod ist grad pinkeln...

„Herein.“

So viel dazu...

Zögerlich schob er die Tür auf und betrat den großen, runden Raum. Tod saß wie immer an seinem Schreibtisch umgeben von Bergen von Formularen. Als er Phillip sieht blitzen seine grünen Augen freudig auf. Sein Hund hingegen (der wie immer vor dem Kamin liegt) hob nur den Kopf, schnupperte nur halbherzig und pennte dann weiter. (Anmerkung d. Autors: Wofür hat der Tod eigentlich einen Hund? Jesses, ich glaub meine Story hat die eine oder andere Logik-Lücke... )

Augenblicklich fing Phillips Herz an zu rasen. Alex erzählte ja viel Müll wenn der Tag lang ist, aber

mit einer Sache hatte sie vollkommen Recht. Der Tod sah weiß Gott mehr als nur geil aus.

…

Das hatte er jetzt nicht wirklich gedacht, oder? Tja mein lieber Willkommen im Reich der verliebten Bekloppten zu ihrem Eintrittspreis erhalten sie schlaflose Nächte, die Fähigkeit jeden erdenklichen Müll stotternd in der Nähe ihres Herzblattes herauszubekommen und außerdem einen qualitäts- Dauer-Ständer. Herzlichen Glückwunsch.

Welcher Sadist hatte eigentlich die innere Stimme erfunden? „Guten Tag, Tod, sir, Boss.“

Sooo wortgewandt...

Halt's Maul!

„Ah, hallo Phillip. Wo ist denn Alex abgeblieben?“

Er weiß meinen Namen.

Meine Fresse hats dich erwischt... -.-

„Die...äh...ja, also die ist noch schnell den Papierkram erledigen.“ Du machst dich grad so zum Affen, dass ich mir eigentlich jegliche Kommentar sparen kann...

Dann spars dir auch.

„Komm, nimm doch platz.“

Zögerlich ließ sich Phillip in einen der Sessel vor dem Schreibtisch nieder und sah den Tod fast schon schüchtern an. Tod hingegen erhob sich und lief zu der kleinen Bar. „Darf ich dir auch was anbieten? Cola?“

Phillip nickte nur.

Flachzange.

Er bekam seine Cola, von der er erst einmal einen kräftigen Schluck nahm (wusstet ihr, dass das Plural von Schluck, Schlucke ist?!), während der Tod sich ihm gegenüber an den Schreibtisch lehnte. Jetzt musste Phillip den Kopf fast in den Nacken legen um ihm ins Gesicht sehen zu können.

Verdammt, der Kerl war ihm viel zu nah.

Als Tod nach gut zwei Minuten noch immer nichts gesagt hatte, beschloss Phillip ihm einfach zu erzählen was alles passiert war. Er ließ nicht, nicht mal Betty und die Penner (klingt wie der Titel eines Buches...), aus und endete mit Alex mysteriösen Lächeln. Tod grinste. „Ich kann mir fast schon denken, warum sie noch einmal ins Büro ist. Das wird heute sicherlich ein tolles Abendessen.“ Jetzt sah Tod schon fast leidend auf ihn herab. „Wenn ich irgendwie helfen kann...“, bot Phillip schon fast automatisch an.

„Du könntest heute einfach auch zum Abendessen kommen...“ Täuschte er sich oder klang der Tod gerade schüchtern? „Äh ja klar kein Problem.“

„Super.“, freute er sich und beugte sich ganz plötzlich zu Phillip herunter, so dass sich ihre Nasenspitzen beinahe berührten. „Du kannst auch gleich über Nacht bleiben.“

Noch ehe Phillip irgendwas als Antwort stottern konnte rauschte plötzlich Alex herein.

„Alles erledigt. Tod lass die Finger von dem kleinen. Was hab ich verpasst.“

Und das alles in einem Atemzug!

Seufzend richtete sich Tod wieder auf und strich sich eine Strähne aus dem Gesicht.

Nur mit Gewalt konnte Phillip verhindern ihn anzuschmachten. Du bist ja sooo eine Pussy.

Fresse oder ich kill dich.

Das wäre Selbstmord.

Um so besser...

„Alex, kannst du heute für vier kochen? Phillip übernachtet heute bei uns?“

„Äh, klar. Wo soll er bitte schlafen?“

„Keine Ahnung in meinem Zimmer würde ein Sofa stehen...“ „Hmm... also ich weiß nicht... Ich glaube es wäre besser für alle Anwesenden, wenn er im Wohnzimmer schlafen würde...“ „Aber...“

„Tod.“

„Na gut...“

„Brav.“

Schön, dass man mich auch fragt, dachte Phillip verstimmt. Du würdest doch am liebsten neben Tod im Bett schlafen oder besser auf-

Halt dein Maul!

„Sag mal, Alex. Wo kommt eigentlich die Delle auf deinem Stiefel er? Ich dachte das sind Stahlkappen?“

Verstimmt folgte Alex Tods Blick und maulte ein kaum verständliches „Also du damals sagtest das Satan Eier aus Eisen hätte, dachte ich, dass es so ein dämlicher Spruch unter Männern ist. Ich konnte ja wohl kaum ahnen...“

Worauf Tod nur brüllend loslachen konnte.

„Na gut, heute stand doch nichts mehr an, oder?“ „Nein, ich denke nicht...“

„Gut, dann werden wir mal Heim gehen, oder Phillip, du hilfst mir doch beim Kochen?“

„Klar. Gerne.“

Alex winkte Tod noch kurz und ging dann, während Phillip noch kurz zögerlich in der Tür stand.

„Also dann...bis heute Abend.“

„Ja, bis heute Abend.“

Dann sauste er schon Alex hinterher.

Alex konnte nur ihren Kopf schütteln, wo das noch einmal hinführen würde.

Aber das ist eine andere Geschichte und die wird ein anders Mal erzählt.