Der Schwierige, Lustspiel in drei Akten
Elfte Szene
Hans Karl. Ich red' ganz im Ernst.
Stani. Aber Onkel Kari.
Hans Karl. In seinem Attachement an diese Frau ist eine höhere
Notwendigkeit.
Stani. Der prädestinierte — ich will nicht sagen was!
Hans Karl. Sein Schicksal geht mir nah'.
Stani. Für mich gehört er in eine Kategorie: der instinktlose Mensch. Weißt
du, an wen er sich anhängt, wenn du nicht im Klub bist? An mich. Ausgerechnet
an mich! Er hat einen Flair!
Hans Karl. Ich habe ihn gern.
Stani. Aber er ist doch unelegant bis über die Ohren.
Hans Karl. Aber ein innerlich vornehmer Mensch.
Stani. Ein uneleganter, schwerfälliger Kerl.
Hans Karl. Er braucht eine Flasche Champagner ins Blut.
Stani. Sag' das nie vor ihm, er nimmt's wörtlich. Ein uneleganter Mensch ist
mir ein Greuel, wenn er getrunken hat.
Hans Karl. Ich hab' ihn gern.
Stani. Er nimmt alles wörtlich, auch deine Freundschaft für ihn.
Hans Karl. Aber er darf sie wörtlich nehmen.
Stani. Pardon, Onkel Kari, bei dir darf man nichts wörtlich nehmen, wenn
man das tut, gehört man in die Kategorie: Instinktlos.
Hans Karl. Aber er ist ein so guter, vortrefflicher Mensch.
Stani. Meinetwegen, wenn du das von ihm sagst, aber das ist noch gar kein
Grund, daß er immer von deiner Güte spricht. Das geht mir auf die Nerven. Ein
eleganter Mensch hat Bonhomie, aber er ist kein guter Mensch. Pardon, sag' ich,
der Onkel Kari ist ein großer Herr und darum auch ein großer Egoist,
selbstverständlich. Du verzeihst.
Hans Karl. Es nützt nichts, ich hab' ihn gern.
Stani. Das ist eine Bizarrerie von dir! Du hast es doch nicht notwendig, bizarr
zu sein! Du hast doch das Wunderbare, daß du mühelos das vorstellst, was du
bist: ein großer Herr! Mühelos! Das ist der große Punkt. Der Mensch zweiter
Kategorie bemüht sich unablässig. Bitte, da ist dieser Theophil Neuhoff, den
man seit einem Jahr überall sieht. Was ist eine solche Existenz anderes als eine
fortgesetzte jämmerliche Bemühung, ein Genre zu kopieren, das eben nicht sein
Genre ist.
E l f t e S z e n e
Lukas (kommt eilig). Darf ich fragen — haben Euer Erlaucht Befehl gegeben, daß
fremder Besuch vorgelassen wird?
Hans Karl. Aber absolut nicht. Was ist denn das?
Lukas. Da muß der neue Diener eine Konfusion gemacht haben. Eben wird
vom Portier herauftelephoniert, daß Herr Baron Neuhoff auf der Treppe ist.
Bitte, zu befehlen, was mit ihm geschehen soll.
Stani. Also, im Moment, wo wir von ihm sprechen. Das ist kein Zufall. Onkel
Kari, dieser Mensch ist mein Guignon, und ich beschwöre sein Kommen herauf.
Vor einer Woche bei der Helen, ich will ihr eben meine Ansicht über den Herrn
v. Neuhoff sagen, im Moment steht der Neuhoff auf der Schwelle. Vor drei
Tagen, ich geh' von der Antoinette weg — im Vorzimmer steht der Herr v.
Neuhoff. Gestern früh bei meiner Mutter, ich wollte dringend etwas mit ihr
besprechen, im Vorzimmer find' ich den Herrn v. Neuhoff.
Vinzenz (tritt ein, meldet). Herr Baron Neuhoff sind im Vorzimmer.
Hans Karl. Jetzt muß ich ihn natürlich empfangen.
Lukas (winkt: eintreten lassen).
Vinzenz (öffnet die Flügeltür, läßt eintreten).