Der Schwierige, Lustspiel in drei Akten

Hugo von Hofmannsthal · Kapitel 2 von 36

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Der Schwierige, Lustspiel in drei Akten

Erster Akt

 

Mittelgroßer Raum eines Wiener älteren Stadtpalais, als Arbeitszimmer des Hausherrn eingerichtet.

 

E r s t e S z e n e

 

Lukas herein mit Vinzenz.

Lukas. Hier ist das sogenannte Arbeitszimmer. Verwandtschaft und sehr gute

Freunde werden hier hereingeführt oder nur wenn speziell gesagt wird, in den

grünen Salon.

Vinzenz (tritt ein). Was arbeitet er? Majoratsverwaltung? Oder was? Politische

Sachen?

Lukas. Durch diese Spalettür kommt der Sekretär herein.

Vinzenz. Privatsekretär hat er auch? Das sind doch Hungerleider! Verfehlte

Existenzen! Hat der bei ihm was zu sagen?

Lukas. Hier geht's durch ins Toilettezimmer. Dort werden wir jetzt

hineingehen und Smoking und Frack herrichten zur Auswahl je nachdem, weil

nichts Spezielles angeordnet ist.

Vinzenz (schnüffelt an allen Möbeln herum). Also was? Sie wollen mir jetzt den Dienst

zeigen? Es hätte Zeit gehabt bis morgen früh, und wir hätten uns jetzt kollegial

unterhalten können. Was eine Herrenbedienung ist, das ist mir seit vielen Jahren

zum Bewußtsein gekommen, also beschränken Sie sich auf das Nötige; damit

meine ich die Besonderheiten. Also was? Fangen Sie schon an!

Lukas (richtet ein Bild, das nicht ganz gerade hängt). Er kann kein Bild und keinen

Spiegel schief hängen sehen. Wenn er anfängt, alle Laden aufzusperren oder

einen verlegten Schlüssel zu suchen, dann ist er sehr schlechter Laune.

Vinzenz. Lassen Sie jetzt solche Lappalien. Sie haben mir doch gesagt, daß die

Schwester und der Neffe, die hier im Hause wohnen, auch jedesmal angemeldet

werden müssen.

Lukas (putzt mit dem Taschentuch an einem Spiegel). Genau wie jeder Besuch. Darauf

hält er sehr streng.

Vinzenz. Was steckt da dahinter? Da will er sie sich vom Leibe halten. Warum

läßt er sie dann hier wohnen? Er wird doch mehrere Häuser haben? Das sind

doch seine Erben. Die wünschen doch seinen Tod.

Lukas. Die Frau Gräfin Crescence und der Graf Stani? Ja, da sei Gott vor! Ich

weiß nicht, wie Sie mir vorkommen!

Vinzenz. Lassen Sie ihre Ansichten. Was bezweckt er also, wenn er die im Haus hat? Das interessiert mich. Nämlich: es wirft ein Licht auf gewisse