Der Schwierige, Lustspiel in drei Akten
Elfte Szene
Egoist, ein Teufel bist du! Mich sitzen lassen ist dir zu gewöhnlich. Mich
behalten, dazu bist du zu herzlos. Mich hergeben, dazu bist du zu raffiniert. So
willst du mich zugleich loswerden und doch in deiner Macht haben, und dazu ist
dir der Ado der Richtige. — Geh hin und heirat' die Helen. Heirat', wenn du
willst! Ich hab' mit deiner Verliebtheit vielleicht was anzufangen, mit deinen
guten Ratschlägen aber gar nix. (Will gehen.)
Hans Karl (tut einen Schritt auf sie zu).
Antoinette. Lass' er mich gehen. (Sie geht ein paar Schritte, dann halb zu ihm gewendet).
Was soll denn jetzt aus mir werden? Red' er mir nur den Feri Uhlfeldt aus, der
hat so viel Kraft, wenn er was will. Ich hab' gesagt, ich mag ihn nicht, er hat
gesagt, ich kann nicht wissen, wie er als Freund ist, weil ich ihn noch nicht als
Freund gehabt hab'. Solche Reden verwirren einen so. (Halb unter Tränen, zart.) Jetzt
wird er an allem schuld sein, was mir passiert.
Hans Karl. Sie braucht eins in der Welt: einen Freund. Einen guten Freund. (Er
küßt ihr die Hände.) Sei sie gut mit dem Ado.
Antoinette. Mit dem kann ich nicht gut sein.
Hans Karl. Sie kann mit jedem.
Antoinette (sanft). Kari, insultier' er mich doch nicht.
Hans Karl. Versteh' sie doch, wie ich meine.
Antoinette. Ich versteh' ihn ja sonst immer so gut.
Hans Karl. Könnt' sie's nicht versuchen?
Antoinette. Ihm zulieb' könnt' ich's versuchen. Aber er müßt' dabei sein und
mir helfen.
Hans Karl. Jetzt hat sie mir ein halbes Versprechen gegeben.
E l f t e S z e n e
Der berühmte Mann (ist von rechts eingetreten, sucht sich Hans Karl zu nähern, die beiden
bemerken ihn nicht.)
Antoinette. Er hat mir was versprochen.
Hans Karl. Für die erste Zeit.
Antoinette (dicht bei ihm). Mich liebhaben!
Der berühmte Mann. Pardon, ich störe wohl. (Schnell ab.)
Hans Karl (dicht bei ihr). Das tu' ich ja.
Antoinette. Sag er mir sehr was Liebes: nur für den Moment. Der Moment ist
ja alles. Ich kann nur im Moment leben. Ich hab' so ein schlechtes Gedächtnis.