Der Schwierige, Lustspiel in drei Akten

Hugo von Hofmannsthal · Kapitel 23 von 36

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Der Schwierige, Lustspiel in drei Akten

Elfte Szene

Egoist, ein Teufel bist du! Mich sitzen lassen ist dir zu gewöhnlich. Mich

behalten, dazu bist du zu herzlos. Mich hergeben, dazu bist du zu raffiniert. So

willst du mich zugleich loswerden und doch in deiner Macht haben, und dazu ist

dir der Ado der Richtige. — Geh hin und heirat' die Helen. Heirat', wenn du

willst! Ich hab' mit deiner Verliebtheit vielleicht was anzufangen, mit deinen

guten Ratschlägen aber gar nix. (Will gehen.)

Hans Karl (tut einen Schritt auf sie zu).

Antoinette. Lass' er mich gehen. (Sie geht ein paar Schritte, dann halb zu ihm gewendet).

Was soll denn jetzt aus mir werden? Red' er mir nur den Feri Uhlfeldt aus, der

hat so viel Kraft, wenn er was will. Ich hab' gesagt, ich mag ihn nicht, er hat

gesagt, ich kann nicht wissen, wie er als Freund ist, weil ich ihn noch nicht als

Freund gehabt hab'. Solche Reden verwirren einen so. (Halb unter Tränen, zart.) Jetzt

wird er an allem schuld sein, was mir passiert.

Hans Karl. Sie braucht eins in der Welt: einen Freund. Einen guten Freund. (Er

küßt ihr die Hände.) Sei sie gut mit dem Ado.

Antoinette. Mit dem kann ich nicht gut sein.

Hans Karl. Sie kann mit jedem.

Antoinette (sanft). Kari, insultier' er mich doch nicht.

Hans Karl. Versteh' sie doch, wie ich meine.

Antoinette. Ich versteh' ihn ja sonst immer so gut.

Hans Karl. Könnt' sie's nicht versuchen?

Antoinette. Ihm zulieb' könnt' ich's versuchen. Aber er müßt' dabei sein und

mir helfen.

Hans Karl. Jetzt hat sie mir ein halbes Versprechen gegeben.

 

E l f t e S z e n e

 

Der berühmte Mann (ist von rechts eingetreten, sucht sich Hans Karl zu nähern, die beiden

bemerken ihn nicht.)

Antoinette. Er hat mir was versprochen.

Hans Karl. Für die erste Zeit.

Antoinette (dicht bei ihm). Mich liebhaben!

Der berühmte Mann. Pardon, ich störe wohl. (Schnell ab.)

Hans Karl (dicht bei ihr). Das tu' ich ja.

Antoinette. Sag er mir sehr was Liebes: nur für den Moment. Der Moment ist

ja alles. Ich kann nur im Moment leben. Ich hab' so ein schlechtes Gedächtnis.