Der Schwierige, Lustspiel in drei Akten
Neunte Szene
wünscht, daß ich, sehr überflüssigerweise, im Herrenhaus das Wort ergreife —
Helene. Aha —
Hans Karl. Und da geh' ich ihm seit Wochen mit der größten Vorsicht aus dem
Weg — vermeide mit ihm allein zu sein — im Kasino, auf der Gasse, wo immer
—
Helene. Sei ruhig — es wird nur von der Hauptsache die Rede sein — dafür
garantier' ich. — Es kommt schon jemand: ich muß fort.
Hans Karl. Helen!
Helene (schon im Gehen, bleibt nochmals stehen). Du! Leb wohl! (Nimmt den Mantel auf und
verschwindet durch die kleine Tür links.)
N e u n t e S z e n e
Crescence (oben auf der Treppe). Kari! (Kommt schnell die Stiege herunter.)
Hans Karl (steht mit dem Rücken gegen die Stiege).
Crescence. Kari! Find' ich ihn endlich! Das ist ja eine Konfusion ohne Ende!
(Sie sieht sein Gesicht.) Kari! es ist was passiert! Sag mir, was?
Hans Karl. Es ist mir was passiert, aber wir wollen es gar nicht zergliedern.
Crescence. Bitte! aber du wirst mir doch erklären —
Z e h n t e S z e n e
Hechingen (kommt von oben, bleibt stehen, ruft Hans Karl halblaut zu). Kari, wenn ich dich
auf eine Sekunde bitten dürfte!
Hans Karl. Ich steh' zur Verfügung. (Zu Crescence.) Entschuldig' sie mich
wirklich.
Stani (kommt gleichfalls von oben).
Crescence (zu Hans Karl). Aber der Bub'! Was soll ich denn dem Buben sagen?
Der Bub' ist doch in einer schiefen Situation!
Stani (kommt herunter, zu Hechingen). Pardon, jetzt einen Moment muß unbedingt ich
den Onkel Kari sprechen! (Grüßt Hans Karl.)
Hans Karl. Verzeih' mir einen Moment, lieber Ado! (Läßt Hechingen stehen, tritt zu
Crescence.) Komm sie daher, aber allein: ich will ihr was sagen. Aber wir wollen es
in keiner Weise bereden.
Crescence. Aber ich bin doch keine indiskrete Person!
Hans Karl. Du bist eine engelsgute Frau. Also hör' zu! Die Helen hat sich verlobt.
Crescence. Sie hat sich verlobt mit'm Stani? Sie will ihn?
Hans Karl. Wart noch! So hab' doch nicht gleich die Tränen in den Augen, du
weißt ja noch nicht.
Crescence. Es ist er, Kari, über den ich so gerührt bin. Der Bub' verdankt ihm
ja alles!
Hans Karl. Wart' sie, Crescence! — Nicht mit dem Stani!
Crescence. Nicht mit dem Stani? Ja, mit wem denn?
Hans Karl (mit großer Gêne). Gratulier' sie mir!
Crescence. Dir?
Hans Karl. Aber tret' sie dann gleich weg und misch sie's nicht in die
Konversation. Sie hat sich — ich hab' mich — wir haben uns miteinander
verlobt.
Crescence. Du hast dich! Ja, da bin ich ja selig!
Hans Karl. Ich bitte sie, jetzt vor allem zu bedenken, daß sie mir versprochen
hat, mir diese odiosen Konfusionen zu ersparen, denen sich ein Mensch aussetzt,
der sich unter die Leut' mischt.
Crescence. Ich werd' gewiß nichts tun — (Blick nach Stani.)
Hans Karl. Ich hab' ihr gesagt, daß ich nichts erklären werd', niemandem, und
daß ich bitten muß, mir die gewissen Mißverständnisse zu ersparen!
Crescence. Werd' er mir nur nicht stutzig! Das Gesicht hat er als kleiner Bub'
gehabt, wenn man ihn konterkariert hat. Das hab' ich schon damals nicht sehen
können! Ich will ja alles tun, wie er will.
Hans Karl. Sie ist die beste Frau von der Welt, und jetzt entschuldig' sie mich,
der Ado hat das Bedürfnis, mit mir eine Konversation zu haben — die muß also
jetzt in Gottes Namen absolviert werden. (Küßt ihr die Hand.)
Crescence. Ich wart' noch auf ihn!