Der Schwierige, Lustspiel in drei Akten
Zwölfte Szene
Hans Karl. Ich bin nicht verliebt in sie, aber ich hab' sie lieb.
Antoinette. Und das, was er der Helen sagen wird, ist ein Adieu?
Hans Karl. Ein Adieu.
Antoinette. So verhandelt er mich, so verkauft er mich!
Hans Karl. Aber sie war mir doch noch nie so nahe.
Antoinette. Er wird oft zu mir kommen, mir zureden? Er kann mir ja alles
einreden.
Hans Karl (küßt sie auf die Stirn, fast ohne es zu wissen).
Antoinette. Dank schön. (Läuft weg durch die Mitte.)
Hans Karl (steht verwirrt, sammelt sich). Arme, kleine Antoinette.
Z w ö l f t e S z e n e
Crescence (kommt durch die Mitte, sehr rasch). Also brillant hast du das gemacht. Das
ist ja erste Klasse, wie du so was deichselst.
Hans Karl. Wie? Aber du weißt doch gar nicht.
Crescence. Was brauch' ich noch zu wissen. Ich weiß alles. Die Antoinette hat
die Augen voller Tränen, sie stürzt an mir vorbei, so wie sie merkt, daß ich's bin,
fallt sie mir um den Hals und ist wieder dahin wie der Wind, das sagt mir doch
alles. Du hast ihr ins Gewissen geredet, du hast ihr besseres Selbst aufgeweckt,
du hast ihr klargemacht, daß sie sich auf den Stani keine Hoffnungen mehr
machen darf, und du hast ihr den einzigen Ausweg aus der verfahrenen Situation
gezeigt, daß sie zu ihrem Mann zurück soll und trachten soll, ein anständiges,
ruhiges Leben zu führen.
Hans Karl. Ja, so ungefähr. Aber es hat sich im Detail nicht so abgespielt. Ich
hab' nicht deine zielbewußte Art. Ich komm' leicht von meiner Linie ab, das muß
ich schon gestehen.
Crescence. Aber das ist doch ganz egal. Wenn du in so einem Tempo ein so
brillantes Resultat erzielst, jetzt, wo du in dem Tempo drin bist, kann ich gar
nicht erwarten, daß du die zwei Konversationen mit der Helen und mit dem
Poldo Altenwyl absolvierst. Ich bitt' dich, geh sie nur an, ich halt dir die
Daumen, denk' doch nur, daß dem Stani sein Lebensglück von deiner Suada
abhängt.
Hans Karl. Sei außer Sorg', Crescence, ich hab' jetzt grad' während dem
Reden mit der Antoinette Hechingen so die Hauptlinien gesehen für meine
Konversation mit der Helen. Ich bin ganz in der Stimmung. Weißt du, das ist ja
meine Schwäche, daß ich so selten das Definitive vor mir sehe: aber diesmal seh' ich's.