Der Schwierige, Lustspiel in drei Akten

Hugo von Hofmannsthal · Kapitel 15 von 36

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Der Schwierige, Lustspiel in drei Akten

Siebzehnte Szene

Hans Karl. Ein Jahr?

Stani. Sie ist ausgezeichnet geboren.

Hans Karl. Man kann nicht besser sein.

Stani. Sie ist elegant.

Hans Karl. Sehr elegant.

Stani. Sie ist reich.

Hans Karl. Und vor allem so hübsch.

Stani. Sie hat Rasse.

Hans Karl. Ohne Vergleich.

Stani. Bitte, vor allem in den zwei Punkten, auf die in der Ehe alles ankommt.

Primo: sie kann nicht lügen, secundo: sie hat die besten Manieren von der Welt.

Hans Karl. Sie ist so delizios artig, wie sonst nur alte Frauen sind.

Stani. Sie ist gescheit wie der Tag.

Hans Karl. Wem sagst du das? Ich hab' ihre Konversation so gern.

Stani. Und sie wird mich mit der Zeit adorieren.

Hans Karl (vor sich, unwillkürlich). Auch das ist möglich.

Stani. Aber nicht möglich. Ganz bestimmt. Bei diesem Genre von Frauen

bringt das die Ehe mit sich. In der Liaison hängt alles von Umständen ab, da sind

Bizarrerien möglich, Täuschungen, Gott weiß was. In der Ehe beruht alles auf

der Dauer; auf die Dauer nimmt jeder die Qualität des andern derart in sich auf,

daß von einer wirklichen Differenz nicht mehr die Rede sein kann: unter der

einen Voraussetzung, daß die Ehe aus dem richtigen Entschluß hervorgeht. Das

ist der Sinn der Ehe.

 

S i e b z e h n t e S z e n e

 

Lukas (eintretend). Frau Gräfin Freudenberg.

Crescence (an Lukas vorbei, tritt schnell ein). Also, was sagt er mir zu dem Buben,

Kari? Ich bin ja überglücklich. Gratulier' er mir doch!

Hans Karl (ein wenig abwesend). Meine gute Crescence. Ich wünsch' den

allergrößten Erfolg.

Stani (empfiehlt sich stumm).

Crescence. Schick' er mir das Auto retour.

Stani. Bitte, zu verfügen. Ich gehe zu Fuß. (Geht.)

 

A c h t z e h n t e S z e n e

Crescence. Der Erfolg wird sehr stark von dir abhängen.

Hans Karl. Von mir? Ihm steht's doch auf der Stirne geschrieben, daß er

erreicht, was er sich vornimmt.

Crescence. Für die Helen ist dein Urteil alles.

Hans Karl. Wieso Crescence, inwiefern?

Crescence. Für den Vater Altenwyl natürlich noch mehr. Der Stani ist eine

sehr nette Partie, aber nicht epatant. Darüber mach' ich mir keine Illusionen.

Aber wenn er ihn appuiiert, Kari, ein Wort von ihm hat gerade für die alten Leut'

so viel Gewicht. Ich weiß gar nicht, woran das liegt.

Hans Karl. Ich gehör' halt selbst schon bald zu ihnen.

Crescence. Kokettier' er nicht mit seinem Alter. Wir zwei sind nicht alt und

nicht jung. Aber ich hasse schiefe Positionen. Ich möcht' schon lieber mit

grauem Haar und einer Hornbrille dasitzen.

Hans Karl. Darum legt sie sich zeitig aufs Heiratstiften.

Crescence. Ich habe immer für ihn tun wollen, Kari, schon vor zwölf Jahren.

Aber er hat immer diesen stillen obstinaten Widerspruch in sich gehabt.

Hans Karl. Meine gute Crescence!

Crescence. Hundertmal hab' ich ihm gesagt: sag' er mir, was er erreichen will,

und ich nehm's in die Hand.

Hans Karl. Ja, das hat sie mir oft gesagt, weiß Gott, Crescence.

Crescence. Aber man hat ja bei ihm nicht gewußt, woran man ist!

Hans Karl (nickt).

Crescence. Und jetzt macht halt der Stani, was er nicht hat machen wollen. Ich

kann gar nicht erwarten, daß wieder kleine Kinder in Hohenbühl und in

Göllersdorf herumlaufen.

Hans Karl. Und in den Schloßteich fallen! Weiß sie noch, wie sie mich halbtot

herausgezogen haben? Weiß sie — ich hab' manchmal die Idee, daß gar nichts

Neues auf der Welt passiert.

Crescence. Wie meint er das?

Hans Karl. Das alles schon längst irgendwo fertig dasteht und nur auf einmal

erst sichtbar wird. Weißt du, wie im Hohenbühler Teich, wenn man im Herbst

das Wasser abgelassen hat, auf einmal die Karpfen und die Schweife von den

steinernen Tritonen da waren, die man früher kaum gesehen hat? Eine burleske

Idee, was!

Crescence. Ist er denn auf einmal schlecht aufgelegt, Kari?

Hans Karl (gibt sich einen Ruck). Im Gegenteil, Crescence. Ich danke euch so sehr,

als ich nur kann, ihr und dem Stani, für das gute Tempo, das ihr mir gebt mit eurer Frische und eurer Entschiedenheit. (Er küßt ihr die Hand.)