Der Schwierige, Lustspiel in drei Akten
Zweite Szene
Absichten. Die muß ich kennen, bevor ich mich mit ihm einlasse.
Lukas. Auf was für gewisse Absichten?
Vinzenz. Wiederholen Sie nicht meine Worte! Für mich ist das eine ernste
Sache. Konvenierendenfalls ist das hier eine Unterbringung für mein Leben.
Wenn Sie sich zurückgezogen haben als Verwalter, werde ich hier alles in die
Hand nehmen. Das Haus paßt mir eventuell soweit nach allem, was ich höre.
Aber ich will wissen, woran ich bin. Wenn er sich die Verwandten da ins Haus
setzt, heißt das soviel, als: er will ein neues Leben anfangen. Bei seinem Alter
und nach der Kriegszeit ist das ganz erklärlich. Wenn man einmal die
geschlagene Vierzig auf dem Rücken hat. —
Lukas. Der Erlaucht vierzigste Geburtstag ist kommendes Jahr.
Vinzenz. Kurz und gut, er will ein Ende machen mit den Weibergeschichten.
Er hat genug von den Spanponaden.
Lukas. Ich verstehe Ihr Gewäsch nicht.
Vinzenz. Aber natürlich verstehen Sie mich ganz gut, Sie Herr Schätz. — Es
stimmt das insofern mit dem überein, was mir die Portierin erzählt hat. Jetzt
kommt alles darauf an: geht er mit der Ansicht um, zu heiraten? In diesem Fall
kommt eine legitime Weiberwirtschaft ins Haus, was hab' ich da zu suchen? —
Oder er will sein Leben als Junggeselle mit mir beschließen! Äußern Sie mir
also darüber Ihre Vermutungen. Das ist der Punkt, der für mich der Hauptpunkt
ist, nämlich.
Lukas (räuspert sich).
Vinzenz. Was erschrecken Sie mich.
Lukas. Er steht manchmal im Zimmer, ohne daß man ihn gehen hört.
Vinzenz. Was bezweckt er damit? Will er einen hineinlegen? Ist er überhaupt
so heimtückisch?
Lukas. In diesem Fall haben Sie lautlos zu verschwinden.
Vinzenz. Das sind mir ekelhafte Gewohnheiten. Die werde ich ihm zeitig
abgewöhnen.
Z w e i t e S z e n e
Hans Karl (ist leise eingetreten). Bleiben Sie nur, Lukas. Sind Sie's, Neugebauer?
Vinzenz (steht seitwärts im Dunkeln).
Lukas. Erlaucht melde untertänigst, das ist der neue Diener, der vier Jahre
beim Durchlaucht Fürst Palm war.