Der Schwierige, Lustspiel in drei Akten

Hugo von Hofmannsthal · Kapitel 16 von 36

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Der Schwierige, Lustspiel in drei Akten

Neunzehnte Szene

Crescence. Findet er, daß ihm das gut tut, uns in der Nähe zu haben?

Hans Karl. Ich hab' jetzt einen sehr guten Abend vor mir. Zuerst eine ernste

Konversation mit der Toinette....

Crescence. Aber das brauchen wir ja jetzt gar nicht!

Hans Karl. Ah, ich red' doch mit ihr, jetzt hab' ich es mir einmal

vorgenommen, und dann soll ich also als Onkel vom Stani die gewissen seriösen

Unterhaltungen anknüpfen.

Crescence. Das Wichtigste ist, daß du ihn bei der Helen ins richtige Licht

stellst.

Hans Karl. Da hab' ich also ein richtiges Programm. Sieht sie, wie sie mich

reformiert? Aber weiß sie, vorher — ich hab' eine Idee — vorher geh' ich für

eine Stunde in den Zirkus, da haben sie jetzt einen Clown — eine Art von

dummem August ...

Crescence. Der Furlani, über den ist die Nanni ganz verrückt. Ich hab' gar

keinen Sinn für diese Späße.

Hans Karl. Ich find' ihn delizios. Mich unterhält er viel mehr als die

gescheiteste Konversation von Gott weiß wem. Ich freu' mich rasend. Ich gehe in

den Zirkus, dann esse ich einen Bissen in einem Restaurant, und dann komm' ich

sehr munter in die Soiree und absolvier mein Programm.

Crescence. Ja, er kommt und richtet dem Stani die Helen in die Hand, so was

kann er ja so gut. Er wäre doch ein so wunderbarer Botschafter geworden, wenn

er hätt' wollen in der Karriere bleiben.

Hans Karl. Dazu is es halt auch zu spät.

Crescence. Also, amüsier er sich gut und komm' er bald nach.

Hans Karl (begleitet sie bis an die Tür, Crescence geht).

 

N e u n z e h n t e S z e n e

 

Hans Karl (kommt nach vorn).

Lukas (ist mit ihm hereingetreten).

Hans Karl. Ich ziehe den Frack an. Ich werde gleich läuten.

Lukas. Sehr wohl, Eure Erlaucht.

Hans Karl (links ab).

 

Z w a n z i g s t e S z e n e

Vinzenz (tritt von rechts ein). Was machen Sie da?

Lukas. Ich warte auf das Glockenzeichen vom Toilettezimmer, dann geh' ich

hinein helfen.

Vinzenz. Ich werde mit hineingehen. Es ist ganz gut, wenn ich mich an ihn

gewöhne.

Lukas. Es ist nicht befohlen, also bleiben Sie draußen.

Vinzenz (nimmt sich eine Zigarre). Sie, das ist doch ganz ein einfacher, umgänglicher

Mensch, die Verwandten machen ja mit ihm, was sie wollen. In einem Monat

wickel ich ihn um den Finger.

Lukas (schließt die Zigarren ein. Man hört eine Klingel).

Lukas (beeilt sich).

Vinzenz. Bleiben Sie nur noch. Er soll zweimal läuten. (Setzt sich in einen Fauteuil.)

Lukas (ab in seinem Rücken).

Vinzenz (vor sich). Liebesbriefe stellt er zurück, den Neffen verheiratet er, und er

selber hat sich entschlossen, als ältlicher Junggeselle so dahinzuleben mit mir.

Das ist genau, wie ich mir's vorgestellt habe. (Über die Schulter nach rückwärts, ohne sich

umzudrehen.) Sie, Herr Schätz, ich bin ganz zufrieden, da bleib' ich!

Der Vorhang fällt.