Ein Lächeln sieht man auch im Dunkeln
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Theo
Sie ist nicht zurückgekommen.
Meine Nachttischlampe strahlt hell genug, um zumindest meine Bettseite zu beleuchten, und ich starre an die Decke, wo sich die Sterne ein bisschen zeigen.
Sie ist nicht zurückgekommen.
Das ist noch nie passiert. Klar, gestritten haben sie immer mal wieder, auch meinetwegen, aber meist eher deswegen, weil Marie nicht auf eine Party dure oder so was. Aber sie ist noch nie deswegen über Nacht weggeblieben und hat mich einfach so alleine gelassen.
Mama und Papa haben sich damit abgefunden, vielleicht ist es ihnen auch ganz recht, dann können sie sich in Ruhe im Wohnzimmer über die weitere Planung des Projekts eo unterhalten.
Ich weiß, dass es für alle schwer ist, aber ich wollte nie, dass es für Marie so eine Last wird. In meiner kleinen Blase habe ich das gar nicht mitgekriegt. Und jetzt dreht sich in meinem Kopf das Schuldgefühl-Karussell: Du hast Maries Leben echt schwer gemacht. Du hast Maries Leben versaut. Du hast Marie ihr Leben gestohlen.
Und irgendwann kommt es kreischend bei: Es wäre besser für alle, wenn du gar nicht mehr da wärst, zum Stehen.
Vielleicht hätte man mich auf den Schienen liegen lassen sollen.
Ich taste nach der Narbe, da ist sie.
Und ich bin es auch.
Es klop leise an meiner Tür und die Hoffnung pumpt Adrenalin durch meine Adern, ich setze mich blitzschnell auf.
»Herein!«
Es ist Papa.
»Na? Wie geht es dir?«
»Ganz gut.«
Ich frage mich nur gerade, ob es besser wäre, wenn ich nicht mehr hier wäre.
»Wir wollten dich fragen, was du davon hältst, wenn du morgen noch zu Hause bleibst und wir …«
»Nein.«
»Dr. Schädle hätte Zeit für uns.«
»Ich verpasse so schon zu viel in der Schule.«
Er schließt die Tür und kommt weiter in mein Zimmer. Ein sicheres Zeichen, dass es jetzt Zeit für ein ernstes Gespräch wird.
»Hör mal, eo …«
Er nimmt auf dem Bett Platz und es fühlt sich falsch an. Anders als bei Marie.
»… du hast dieses Schuljahr ohnehin keine so guten Noten geschrieben.«
»Ich weiß.«
»Das ist kein Vorwurf.«
Vielleicht wünsche ich mir aber, dass es mir mal jemand vorwir.
»So, wie es aussieht, wäre es besser, wenn wir dich für eine kleine Weile von der Schule nehmen.«
Meine Finger kribbeln.
»Damit du erst mal wieder wirklich auf die Beine kommst.«
Ich hasse diese beschissene Redewendung. Als würde ich nicht auf meinen eigenen Beinen jeden Tag in die Schule und durch mein Leben marschieren. Sehen sie denn nicht, dass ich nicht einfach liegen geblieben bin?
»Und dann schauen wir, wie es schultechnisch weitergehen kann. Einige erapiezentren …«
»Ich gehe in keine Klapse.«
»Es sind erapiezentren. Da wird es dir besser gehen.«
»Ihr wollt mich abschieben?«
»Unsinn. Außerdem kommen wir dich besuchen.«
»Ja, einmal im Monat.«
»Öer, wenn es möglich ist.«
Papa war immer eine Art Superheld für mich. Wenn wir früher in Italien Strandurlaub gemacht haben, war er ganz der coole Dad, der jederzeit mit mir Fußball oder Tischtennis gespielt hat.
Die anderen Väter waren meist älter, teilweise auch nicht mehr so t und haben ihren Nachwuchs lieber in diesen komischen Kids-Club gesteckt, wo Animateure sich um ihn gekümmert haben. Quasi die Urlaubsversion der erapiezentren, von denen er jetzt spricht.
»Ich will da nicht hin.«
Mein Vater legt mir die Hand auf die Schulter.
»eo. Wir können dir nicht mehr helfen, aber ein Pro kann das. Und es wird Zeit, dass wir dir alle Hilfe bieten, die du brauchst.«
Immer und immer wieder male ich den Smiley auf meiner Hand äche nach, den mir Marie zum Abschied dagelassen hat.
»Außerdem müssen wir mit der Schule sprechen. Und mit den Eltern von diesem Andreas. Falls er wirklich den Stein durchs Fenster geworfen hat …«
Mir ist also nicht mehr zu helfen. Wow .
Papa redet weiter, erzählt irgendwas von wegen Versicherungsfall und Mobbing und all solches Zeug.
Ich habe schon längst auf stumm geschaltet und konzentriere mich nur noch auf den Smiley in meiner Hand äche.
Was würde ich jetzt für eine Umarmung von Marie geben: Sie würde mir sagen, dass alles gut wird und sie mich auch besuchen kommt, falls meine Eltern mich wirklich an die Ostsee abschieben.
Aber sie ist nicht hier.
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