Ein Lächeln sieht man auch im Dunkeln

Adriana Popescu · Kapitel 69 von 83

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Ein Lächeln sieht man auch im Dunkeln

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Marie

 

Es ist noch immer ein komisches Gefühl, ohne eo in die Schule zu kommen. In letzter Zeit hatte ich mich so sehr an seine ständige Anwesenheit gewöhnt, dass es sich jetzt so anfühlt, als hätte ich etwas total Wichtiges daheim vergessen. Einen Teil von mir zum Beispiel.

Und auch der andere Teil, den ich vergeblich in der Menge suche, fehlt wieder. Noch will ich mir nicht eingestehen, dass es wehtut, wie leicht er einfach so ohne mich weitermachen kann, aber keine Sorge, der Schmerz wartet nur den perfekten Moment ab, um mich zu überfallen. Die Tatsache, dass weder eine Nachricht noch sonst eine Reaktion kam, sagt alles. Bei eo weiß ich wenigstens, wo er steckt und wie es ihm geht. Aber Samuel …

»Wie schön, dass sich wenigstens eine von der trüben Truppe blicken lässt.«

Andi taucht links neben mir auf und erntet mein genervtes Augenrollen. Sonst kann ich seinen fauligen Geruch schon fünf Meter gegen den Wind ausmachen, aber heute war ich zu sehr in Gedanken versunken.

»Ich habe heute echt keine Nerven für dich, Schneider.«

Statt stehen zu bleiben, gehe ich zielstrebig weiter, doch er folgt mir.

»Gerüchte besagen, dein Lover könnte von der Schule iegen!«

In der Nähe des Vertretungsplans, dem der erste Blick eines jeden hoffnungsvollen Schülers gilt, bleibe ich schließlich stehen und hebe die Arme in die Lu.

»Würde mich nicht mal wundern. Du darfst eißig weiter Schüler mobben, aber Samuel iegt von der Schule.« Damit schiebe ich ihn ruppig zur Seite und will weiter, als ihm noch etwas einfällt.

»Wie geht es eigentlich deinem Roller?«

Wenn ich Schneiders Provokationen nicht so müde wär, würde ich ihm vielleicht eine passendere Reaktion schenken, so aber hebe ich nur den Mittel nger in die Lu. Ohne mich noch mal umzudrehen, lenke ich meine Schritte weg von der Menge und dem Lärm in die Ruhe der Mädchentoilette. Heiger als nötig schleudere ich die Kabinentür hinter mir zu und verriegele sie.

Andi hat es sich zum Ziel erklärt, mir das Leben zur Hölle zu machen, jetzt da eo nicht mehr hier ist. Und weil er genau weiß, dass ich nicht so leicht zu beeindrucken bin wie mein Bruder, benutzt er Samuel dafür. Das ist die Masche von echten Arschlöchern, um dir über Umwege das Messer ins Herz zu rammen.

Schritte sind auf der anderen Seite der Tür zu hören, und ich halte kurz den Atem an. Das Getrippel von Schuhen und das Gekicher von zwei oder drei Mädchen ist zu hören. Wann ist die ungeliebte Schultoilette denn zum Hotspot geworden?

»Er sah ja auch schon so aus, oder?«

»Also, ich nde, er hat da so was in seinem Blick. Ich würde die Straßenseite wechseln.«

»Er hat Andi ja auch geschlagen.«

»Echtes Aggressionspotenzial.«

»Ich sage, wie es ist, ich nde, einer wie Samuel hat hier nichts zu suchen.«

Obwohl ich die Tränen in den Augen schon spüre, reiße ich die Tür unvermittelt auf und tauche im Spiegel hinter den drei Mädchen auf, die sofort verstummen.

»Ihr glaubt diesen Mist, den Schneider rumerzählt, ja?« Keine bewegt sich, vermutlich halten sie mich für eine Irre, und ich kann es ihnen nicht mal übel nehmen, denn das Mädchen im Spiegel erkenne nicht mal ich auf den ersten Blick. »Wieso sollte Andi, der Arsch, schon lügen, nicht wahr?«

Ich schiebe mich neben sie, drehe den Wasserhahn auf und spüre das kühle Nass auf meiner glühenden Haut.

»Nicht etwa, dass er ein manipulatives Arschloch wäre, oder?« Wenn meine Stimme noch ein paar Oktaven drau egt, stehen die Chancen gut, dass der Spiegel vor uns zersplittert. »Ich wünschte, ihr würdet irgendwann mal wirklich hinschauen und selber nachdenken. Oder ist das zu viel verlangt?«

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