Project Different

Annika Ha · Kapitel 10 von 29

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Project Different

Kapitel 10

 

[Avery Neverson]

Obwohl das Beben der Rakete mich unbedingt von der Steuerung weg haben wollte, umklammerte ich das Lenkrad als ginge es um mein Leben. In gewisser Weise tat es das ja auch. Zum Glück ist mir schnell klar geworden, dass Emily nicht in der Lage war, uns schnell genug von dem Planeten wegzubringen.

Als das Beben abklang und ich endlich wieder klar sehen konnte, ließ ich das Lenkrad los und lief zu den anderen hinüber. Auf den ersten Blick konnte ich niemanden erkennen. Schließlich erblickte ich dann aber doch Emily, die bewusstlos vor dem Ausgang lag. Schnell stürmte ich zu ihr und rüttelte an ihr. »Emily! Emily!«, doch meine Rufe schienen sie nicht zu wecken.

Zitternd legte ich mein Ohr gegen ihre Brust, um einen Herzschlag zu hören. Da war nichts! »Oh Gott! Wir brauchen einen Arzt. Ich höre keinen Herzschlag«, rief ich, obwohl ich natürlich wusste, dass hier weit und breit keiner war. Wahrscheinlich hörte man mich noch nicht mal. Doch ich hatte mich geirrt, denn Chloe kam von hinten auf mich zugestürmt. »Geh mal weg da! Sie ist bestimmt nicht tot. Ich meine, du hast uns doch noch rechtzeitig von dem Planeten weggebracht.«

Ich war mir da nicht so sicher. Was, wenn der Knall am Eingang besonders stark gewesen war? Plötzlich wurde mir auch bewusst, dass Ethan noch nicht bei uns war.

Taumelnd erhob ich mich von Emilys Körper und fing an nach Ethan zu suchen. »Ethan! Ethan!«, schrie ich wieder. Als Antwort bekam ich ein Stöhnen aus dem hinteren Teil der Rakete. Schnell folgte ich dem Klang seiner Stimme.

»Emilys Herz schlägt übrigens noch. Erste Hilfe klappt bei dir wohl noch nicht so gut«, rief mir Chloe hinterher. Erleichternd atmete ich einmal tief durch, um gleich schon wieder den nächsten Schock zu bekommen. Ein Schrank war durch das Beben umgekippt und auf Ethan gefallen.

»Halte durch. Ich hol dich da wieder heraus.« Der Schrank war schwerer als erwartet, doch es gelang mir schließlich den Schrank wieder aufzustellen. Es dauerte noch einen Augenblick, bis Ethan sich erholt hatte und wieder aufstehen konnte. »Danke«, murmelte er.

Während wir zu Chloe und Emily hinüber gingen, stütze ich Ethan, da er immer noch ein bisschen wackelig auf den Beinen war. Als wir die beiden erreichten, war Emily noch nicht aufgewacht. Hätten wir doch nur jemanden mitgenommen, der Medizin studiert hatte.

Plötzlich hörte ich ein lautes Poltern in der Nähe von der Toilette. Verdutzt starrte ich die anderen beiden an. »Was war das? Ich dachte, dass Emily Chloe von Bord geworfen hat.« »Hat sie auch. Das habe ich mit eigenen Augen gesehen«, meinte Chloe, während sie vorsichtig in Richtung Klo ging. »Wer ist da?«, fragte sie etwas ängstlich. Während Ethan und ich uns nicht vom Fleck bewegten, hörte ich plötzlich, wie Chloe laut aufschrie. Neugierig folgte ich Chloe jetzt zu den Toiletten.

Kurz vor dem Eingang stand Chloe und daneben kauerten zwei Mädchen auf dem Fußboden. Das Mädchen, das rechts lag, hatte braunes langes Haar mit braunen Augen und trug einen bunt gesteiften Pullover. Das linke Mädchen war ziemlich groß und schlank. Sie hatte kurze blonde Haare und blaue Augen. »Wer zum Teufel seid ihr und wie kommt ihr hier rein? Seid ihr weitere Roboter der Vodmus?«, fragte Chloe sauer und ängstlich zugleich.

Das braunhaarige Mädchen zuckte kurz zusammen. »Um Gottes Willen, natürlich nicht! Ich bin Ashley Summers und das ist Addison Havering. Aber was zur Hölle ist passiert? Warum könnt ihr uns plötzlich sehen?« Ungläubig starrte ich die beiden Mädchen an, von denen ich zwar schon etwas gehört hatte, aber ich hätte nie gedacht, dass ich sie einmal vor mir sehen würde. »Wo ist Emily?«, fragte das blonde Mädchen, welche Addison sein musste. »Sie liegt noch bewusstlos in der Eingangstür. Dieser Knall… hat der etwa bewirkt, dass ihr euch getrennt habt?«, fragte Ethan, doch natürlich konnten die beiden seine Frage auch nicht beantworten.

»Lasst uns am besten wieder zu Emily gehen, falls sie aufwacht«, schlug ich vor. »Da gibt es nur ein kleines Problem. Addison und ich sind noch nie selbstständig aufgestanden oder gegangen. Ich bin mir nicht sicher, ob wir es überhaupt können.« »Aber ihr seid doch geistlich immer dabei gewesen, wenn Emily es gemacht hat. Ich bin mir sicher ihr schafft das. Ihr müsst es nur versuchen«, meinte Ethan.

Addison, die ja laut Emily die sportliche Fähigkeit besaß, war natürlich die erste, die einen Versuch wagte. Komischerweise war ihre Kleidung auch schon gleich in einem sportlichen Stil, obwohl Addison sich das Outfit nicht selber aussuchen konnte, da sie ja quasi gerade erst das Licht der Welt erblickte. Addisons Gehversuche waren perfekt – ich hätte es echt nicht besser machen können.

Ashley war anfangs zwar noch etwas wackelig auf den Beinen, aber nach und nach hatte auch sie den Bogen raus. Als wir Emily erreichten, war auch sie wieder bei Bewusstsein. Als ich den Raum betrat, schien sie zunächst verzweifelt: »Ashley und Addison. Ich kann sie nicht erreichen. Sie sind weg.« Doch ihre Miene änderte sich, als sie die beiden Mädchen erblickte und es war fast, als hätte sie einen Geist gesehen.

»Emily! Wir sind hier. Ich weiß auch nicht was passiert ist. Ich denke es war der Knall. Jedenfalls befanden Ashley und ich uns neben der Toilette als wir wieder erwachten.« Addisons Worte klangen so fröhlich, dass ich gar nicht glauben konnte, dass sie die Schlechtgelaunte der beiden war. Allerdings konnte ich ihre Freude natürlich auch verstehen.

Emily lächelte auch kurz, da ihr vermutlich klar wurde, dass sie jetzt ein normales Leben führen könnte. Doch kurz danach verfinsterte sich ihr Gesicht auch wieder. »Aber was machen wir denn jetzt? Ich weiß ja nicht wie es mit euch ist, aber ich kann nicht mal mehr die Wurzel aus 3.«

»Wow, was ein Schock. Bin ich jetzt etwa schlauer als du?«, fragte ich scherzhaft, um die Stimmung etwas aufzulockern. »Sei nicht albern. So dumm dann auch wieder nicht«, sagte sie und grinste dreist zu mir rüber, bevor sie uns wieder die Probleme nahelegen wollte. »Ohne die Fähigkeiten sind wir nur drei ganz normale 18-jährige Mädchen. Wie sollen wir so die Menschheit vor den Vodmus retten? Wir müssen noch die Restlichen finden, die die Menschen versteckt halten. Wir müssen doch noch Bella und Tyler retten.«

Müde sank ich zu Boden, da mir schlagartig bewusst wurde, dass das nicht nur unser einziges Problem wäre. Wie sollten wir erstmal zurückfinden, wenn unser persönliches Navi neuerdings das Gehirn eines durchschnittlichen Halberwachsenen hatte? Und das erste Mal machte ich mich Gedanken darüber, wie es sich wohl anfühlen würde zu verhungern und zu verdursten. Es gibt bestimmt bessere Weisen diese Welt zu verlassen.