Project Different
Kapitel 28
[Emily Tanner]
Es war Ashleys Tod gewesen, der meine Hand bei der Abstimmung für die Option die Vergangenheit ändern in die Höhe schießen ließen. Als ich schließlich meine Hand gehoben hatte, war das Ergebnis fast einstimmig. Bis auf Averys Hand waren alle Hände oben.
Das war also der Grund, warum wir uns nun in der engen Kabine der Zeitmaschine befanden, anstatt Zuhause und den Stress aus unseren Knochen schliefen. Denn das ist es was die vergangenen Wochen gewesen waren: stressig. Wir könnten jetzt so gut Ruhe gebrauchen. Doch wir mussten noch ein letztes Mal in Aktion gehen. Bevor wir ein Leben bekommen würden, welches total langweilig und normal werden würde.
Ich zögerte nun doch wieder. Obwohl ich mir anfangs nichts lieber als das gewünscht hätte, mochte ich mein Leben wie es jetzt war. Ich war ein Mädchen, das Aktion in ihrem Leben brauchte. Stopp! Ich musste aufhören so selbstsüchtig zu denken. Wir mussten es tun… für Ashley und für die Menschheit.
Wir hatten noch ein wenig Zeit, bis Heinz dieses Loch graben würde. Somit hatten wir uns bei einer alten Holzhütte niedergelassen, von der wir Heinz prima unbemerkt beobachten könnten.
Ich hatte es mir gerade auf einer Bank gemütlich gemacht, als ich merkte, wie mich jemand am Ärmel zog. Es war Avery, der anscheinend von mir verlangte, dass ich ihm hinter die Hütte folgte. Ein wenig genervt folgte ich ihm schließlich. »Was?«, maulte ich, obwohl ich schon ahnte, was er von mir wollte.
Seine nächsten Worte schienen meine Vermutung zu bestätigen. »Bitte, Emily. Du musst die anderen überzeugen, dass wir das Loch nicht schließen. Wenn du dagegen bist, ändern die anderen sicherlich schnell ihre Meinung.«
»Da gibt es nur ein Problem, Avery. Ich war zwar Anfangs dagegen, aber ich werde meine Meinung jetzt nicht mehr ändern. Nicht, wo ich weiß, dass es Ashley zurückbringen könnte.« »Aber alles was du bis jetzt erlebt hast wirst du vergessen.« »Wir werden neue Erinnerungen sammeln«, entgegnete ich. »Warum bist du nur so dagegen? Es ist das Richtige. Und es bedeutet nicht zwangsläufig, dass dein Leben schlecht wird.«
»Ich weiß, dass es nicht schlecht wird. Mein Leben war nie schlecht. Immerhin bin ich schon immer der beliebteste Schüler unserer Schule gewesen. Aber ich werde dann vergessen haben, dass das nicht das Leben ist, das ich eigentlich möchte.« »Wie meinst du das? Avery… wenn wir die Vergangenheit ändern wird das nicht deine Persönlichkeit ändern. Du kannst immer noch der sein, der du sein möchtest.«
Avery schaute nun zu Boden, da er sich anscheinend für etwas schämte. »Das denke ich nicht. Ich wusste es nie. Himmel, ich wusste es ja nicht Mal bis vor ein paar Stunden. Erst als ich mir mein Leben ohne dieses Projekt vorstellen musste.« »Ich wusste nicht, dass dir das Projekt je so wichtig gewesen ist.«
Endlich schaute er mich wieder an. »Ich ja auch nicht. Doch dann habe ich es mir vorgestellt… ein Leben ohne dieses Projekt… das heißt ein Leben ohne dich. Emily, du hattest die ganze Zeit Recht gehabt. Anscheinend hatte ich doch Gefühle für dich, aber ich Blödmann wusste es erst, als mir klar wurde, ich würde dich verlieren. Und jetzt wo ich es endlich weiß… wird es nie passieren.«
Ich starrte Avery sprachlos an. Ich wusste nicht wie ich reagieren sollte. Vor mir stand immerhin Avery, ein totaler Vollidiot, der gerade so die Schule geschafft hat. Er passte ja überhaupt nicht zu mir. Ashley würde jetzt wahrscheinlich sagen: Zum Glück musst du dich nicht länger mit diesem Problem rumschlagen. Immerhin ändern wir gleich die Vergangenheit.
Doch unbewusst stellte ich plötzlich fest, dass vor mir ein weiterer Grund stand, warum ich die Vergangenheit eben nicht ändern wollte. Das einzige was ich an dieser Stelle nur herausbrachte, war: »Oh…« Vorsichtig kam Avery einen Schritt auf mich zu. Als ich mich nicht von der Stelle bewegte, zog er mich zu sich heran und begann mich zu küssen. Anfangs zögerlich, da er sich nicht sicher war, ob ich es auch wollte. Als ich dann meine Hände um seinen Hals legte, wurde er selbstbewusster.
Er verharrte nur wenige Zentimeter vor meinen Mund, während er erneut fragte: »Wirst du die anderen davon überzeugen, die Vergangenheit nicht zu ändern?« Ich brauchte eine Weile, bis ich zur Antwort ansetzte: »Das… geht nicht. Das wäre selbstsüchtig und falsch.«
Genervt löste er sich von mir. »Damit hast du vermutlich Recht. Du tust immer das Richtige… im Gegensatz zu mir. Gerade deshalb brauche ich dich doch in meinem Leben.«
»Wenn du so jemand in deinem Leben brauchst, wirst du ihn auch finden. Vielleicht wird es eine Weile dauern, bis du denjenigen findest, aber es wird bestimmt irgendwann passieren.« »Ich will aber nicht irgendjemanden. Ich will dich.« Ich stellte fest, wie sich bei seinen Worten meine Wangen röteten.
»Naja… wir werden wahrscheinlich immer noch auf dieselbe Schule gehen. Allerdings… werden Addison und Ashley bestimmt noch in meinem Körper sein, was eine Beziehung sicherlich schwierig machen wird.« »Beziehung oder nicht ist mir egal. Hauptsache du bist überhaupt ein Teil meines Lebens.«
Verzweifelt suchte ich nach den richtigen Worten. »Avery, du bist wie du bist. Ereignisse wie dieses Schulprojekt haben es nur zum Vorschein gebracht. Auch wenn es dieses Schulprojekt dann nicht geben wird, wird es andere Ereignisse geben. Ereignisse, die dich irgendwann zu der Person machen werden, die ich angefangen habe so warnsinnig zu mögen.«
Er fing an zu lächeln. Gut, es waren die richtigen Worte gewesen. »Na schön, ich hoffe du hast Recht.« Schließlich gingen wir wieder zu den anderen, als wäre nichts gewesen. »Da seid ihr ja endlich. Heinz ist bereits mit Graben fertig. Sein Freund wird ihn jede Sekunde wieder hochgezogen haben und sie werden diesen Ort für immer verlassen«, informierte uns Bella.
Und es dauerte tatsächlich nur noch ein paar Minuten, bis die beiden ängstlich diese Gegend hinter sich ließen. »Kommt endlich!«, rief uns Tyler zu und wir folgten ihm.
Das Loch war schließlich geschlossen und wir kamen wieder bei der Zeitmaschine an. Doch dieses Mal fühlte es sich anders an, als wir zurück in die Zukunft reisten. Die Zeitmaschine schien nicht länger zu existieren, ebenso wie das Leben, was ich bis vor kurzem gekannt hatte.