Project Different

Annika Ha · Kapitel 24 von 29

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Project Different

Kapitel 24

[Ashley Summers]

Unsere Reise nach Deutschland war etwas kniffliger als sie es in der Vergangenheit gewesen war. Inzwischen lebten auf der Erde mehr Menschen und ruhige Fleckchen gab es nur noch selten. Aber irgendwann wurden wir natürlich fündig und Ethan, Avery und Chloe konnten endlich den engen Behälter auf Rädern verlassen.

»Ich bin immer noch dafür, dass die drei oben bleiben. Dort unten ist es sicherlich verdammt gefährlich«, sagte ich nun zum hundertsten Mal. Emily und Addison waren zum hundertsten Mal meiner Meinung, doch die drei Sturköpfe wollten unbedingt mit.

»Es ist unser Schulprojekt. Jeder muss mitmachen, sonst ist das Arbeitsverweigerung«, meinte ausgerechnet Chloe, die den Untergrund ja total ekelig fand. »Das ist doch keine

Arbeitsverweigerung! Ihr habt schon so viel zu diesem Projekt beigetragen. Ohne euch wären wir niemals so weit gekommen. Wir würden zum Beispiel immer noch in dieser Matsche stecken, aus der Chloe uns gerettet hat. Und unsere Rakete wäre zersprungen, wenn Avery nicht das Steuer übernommen hätte«, meinte Emily.

»Und das habe ich nur, weil Ethan es mir zu rief«, erklärte Avery uns. »Seht ihr. Jeder von euch hat bereits einen großen Teil beigetragen. Es gibt einen Unterschied zwischen mutig und lebensmüde. Wenn ihr mitkommt, ist das lebensmüde. Wir drei haben Superkräfte mit denen wir die Gefangenen schon befreit kriegen«, sagte ich.

Eine kurze Zeit war es still. Endlich, sie schienen es tatsächlich in Erwägung zu ziehen. Schließlich räusperte sich Chloe. »Eigentlich würde ich schon ganz gerne oben bleiben. Ich könnte Wache halten.« »Ja, ihr alle drei könnt das«, sagte Addison eindringlich. Bei Ethan und Avery dauerte es zwar etwas länger, doch irgendwann nickten sie endlich zustimmend.

»Gut, dann wollen wir mal«, sagte Emily und streckte uns die Hand entgegen. Am liebsten hätte ich ihre Hand nicht ergriffen. Ich wollte als eigenständiger Mensch den Vodmus in den Allerwertesten treten, doch ich wusste nur zu gut, dass das nicht möglich wäre. Also griff ich schließlich doch danach und mein Körper erfuhr wieder dieses schreckliche Gefühl von Enge und Gefangenschaft. Verständlich, immerhin hatte mein Körper jetzt keine Kontrolle mehr.

Der Sprung in den Abgrund, ließ mich wieder an das letzte Mal denken. Da, als wir die Vodmus trafen. Sie wollten doch auch nur leben und wir hatten einfach so ihren Planeten zerstört. Eine Aktion, die ich noch immer anzweifelte. Aber Emily und auch Addison hielten sie für notwendig.

Ich spürte nicht nur diese Hitze, sondern auch diese erschreckende Dunkelheit vor meinen Augen. Wie konnte Emily nur wissen wo sie hinging? Für mich war hier alles schwarz. Aber natürlich! Jetzt wusste ich wie sie es anstellte. Sie wusste selber nicht wo es lang ging. Doch sie tastete und lauschte auf die Gedanken der Gefangenen, die sie zu ihrem Ziel brachten.

Mir gefällt das nicht, meinte ich. Obwohl ich keine Antwort erhielt, wusste ich genau, dass es den anderen beiden genauso erging. Irgendwann nahmen wir nicht nur die Gedanken der Opfer wahr, sondern auch das Stöhnen und Verzweifeln. Wir mussten fast da sein.

Der Gang wurde immer breiter und die Dunkelheit wich auch von uns. Als ich eine Fackel an der Wand erblickte, wusste ich warum. Aber ich hätte mir im Nachhinein gewünscht, dass diese Fackel nicht gebrannt hätte, denn der Anblick war einfach nur schrecklich. Hier unten waren Unmengen von Leuten, die verzweifelt Löcher buddelten, um von hier fort zu kommen.

Obwohl das hier erst der Beginn war und die Menge an Menschen noch überschaubar war, war es einfach nur grässlich. Himmel, die Vodmus hatten vor die Hälfte der gesamten Menschheit hier unten zu lagern. Mein Mitleid, das ich zuvor noch für die Vodmus verspürt hatte, wich langsam von mir.

»Hört bitte einmal alle zu. Wir haben einen Ausgang gefunden und wir werden euch hier nach und nach alle wieder herausholen«, verkündete Emily. Hoffnungsvoll kamen nun einige Menschen auf uns zu gerannt. Darunter erkannte ich auch Bella.

Emily, links von dir. Da ist Bella, sagte ich. »Bella!«, rief nun auch Emily. Doch diese wirkte irgendwie irritiert. »Entschuldigung, aber woher kennen wir uns?« Schockiert mussten wir feststellen, dass es ihr unten wohl noch schlimmer als erwartet war. Die Menschen schienen auch ihr Gedächtnis verloren zu haben.

Plötzlich drehte sich aus der Ecke ein Mädchen um, das mir erschreckend vertraut vorkam. Jane! Aber sie war doch tot… »Tut mir ja leid, aber das kann ich leider nicht zulassen«, entgegnete sie mit zuckersüßer Stimme.

Auch Emily stockte der Atem. »Ich habe dich doch von der Rakete gestoßen.« »Ja, das hast du. Ich bin immer noch enttäuscht von dir. Aber die Sache hatte auch Vorteile. Die Vodmus wissen nun mit wem sie es wirklich zu tun haben. Wir kennen dich besser, Emily. Die Vodmus verbesserte mich und machte mich stärker… unbesiegbarer.«

»Das ich nicht lache. Du hast gegen unsere Fähigkeiten keine Chance.« Jane lachte auf. »Oh doch, die habe ich in der Tat. Aber ich werde dir eine letzte Chance geben. Ich hoffe, dieses Mal entscheidest du dich richtig, Emily. Denn ich fand es echt traurig, als du dich in der Rakete plötzlich gegen mich gewendet hast. Ich dachte, dass unsere Freundschaft all die Jahre echt gewesen sei. Ich mochte dich wirklich, Emily. Ich wollte dir nie was Böses. Ich wollte dich nur kennenlernen. Hier ist mein Vorschlag: Die Vodmus wollen nur die Hälfte der Menschheit nach hier unten bringen. Schließe dich uns an, und du gehörst zu der besseren Hälfte, die verschont bleibt. Natürlich schließt das deine Freunde mit ein. Wir könnten unsere Freundschaft erneuern. Denn über all die Jahre konnte ich wirklich feststellen, dass uns zwei etwas Besonderes verbindet.« Als ich Emilys zögern bemerkte, rief ich schnell: Vergiss doch nicht, dass sie ein Roboter ist. Zum Glück hörte sie auf mich. »Du konntest nie so etwas wie Freundschaft empfinden. Du bist ein Roboter… du bist ja nicht mal menschlich!«

Jane schien ernsthaft enttäuscht, doch ich wusste es natürlich besser. Zu diesen Emotionen wurde Jane nur programmiert. »Aber Emily! Du unterschätzt die Fähigkeiten der Vodmus. Sie bauen Roboter, die so echt sind, dass sie wahrhaft fühlen können.«

Diese Worte ließen nicht nur Emily, sondern auch mich inne halten. Emily versuchte verzweifelt die Worte »Aber du bist nicht mal menschlich« zu wiederholen. Aber damit konnte sie natürlich nicht wirklich bei Jane kontern. »Ach, und das von der Person, die ebenfalls alles andere als normal ist. Du bist auch nicht wie die anderen Menschen, Em.« Oh nein, jetzt kam sie auch noch mit diesem Spitznamen an. Den Spitznamen, den sie quasi erfunden hatte. Hätte ich doch jetzt nur die Kontrolle über diesen Körper.

Hoffnungsvoll versuchte ich Emily vom Gegenteil zu überzeugen. Emily, Jane hatte Recht. Sie kann uns besiegen. Aber nicht körperlich. Sie redet dir Worte zu, die dich vom Kämpfen abhalten. Das ist nicht die Jane, die du jahrelang kanntest. Die Vodmus haben eine neue Jane erschaffen und sie mit den Erinnerungen der alten Jane programmiert.

»Ich glaube dir nicht«, entfuhr es Emily glücklicherweise, während sie mit ihrem Fuß gegen Jane tritt. »Du willst es also auf die unschöne Weise. Bitte, aber ich wette, du wirst es später bereuen. Denn Em – ich verrate dir eins – du kannst mich nicht besiegen. Du hattest Recht. Ich gebe es zu, ich bin nicht menschlich. Aber trotz deinen supertollen Fähigkeiten bist du es. Und deshalb, nur aus diesem Grund, kann ich dich besiegen.«

Emily lachte. »So ein Quatsch. Das Menschliche in mir macht mich stärker, nicht schwächer.« Sie setzte erneut zum Schlag an. Als Jane auf die Knie ging lächelte sie. »Von wegen, die Vodmus haben dich stärker gemacht. Du bist immer noch so schwach wie in der Rakete.«

»Ja, du hast Recht. Ich habe mich nicht verändert. Aber du hast es, nicht wahr?«, fragte sie. Was meinte sie damit? In wie weit haben wir uns verändert?

»Deshalb meinte ich eben auch, dass ihr menschlich seid. Vorher wart ihr das nämlich nicht und auch jetzt seid ihr kein Stückchen anders als ich.« Sie machte eine kurze Pause. »Na los. Tötet mich. Ihr seid dazu in der Lage, weil ihr nicht menschlich seid. Genauso wie ihr in der Lage wart, den gesamten Planeten der Vodmus in die Luft zu sprängen. Ob ihr es zugeben wollt oder nicht, mit diesen Fähigkeiten seid ihr kalt und herzlos – eben unmenschlich, genau wie ich, das muss ich zugeben.«

Auch wenn ich nichts von Jane hielt, hatte sie Recht. Wir sind nicht besser als die Vodmus oder als Jane. Wir würden Jane töten, wir haben sogar einen ganzen Planeten ausgelöscht. Mir wurde plötzlich klar, dass ich so nicht kämpfen wollte, denn das bin ich einfach nicht. Ich bin kein Monster, ich bin ein Mensch. Und wenn ich schon kämpfen wollte, sollte ich das auch als einer tun.

Eigentlich hatte ich gar nicht vorgehabt Emilys Körper zu verlassen, doch mein Unterbewusstsein konnte nicht anders. Da konnten auch Addisons warnende Worte Das ist eine Falle nichts mehr dagegen ausrichten. Ich verließ Emilys Körper für einen kleinen Augenblick. Ich konnte gar nicht mehr richtig schalten, denn schon überrollte mich Dunkelheit. Aber wenigstens fühlte ich mich frei.