Project Different

Annika Ha · Kapitel 26 von 29

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Project Different

Kapitel 26

 

[Ethan Bradley]

»Abschließend kann ich sagen, ja, wir haben hier keine klare Vorgehensweise aufgeführt. Aber geht es darum wirklich in diesem Fach? Wir wollten erreichen, dass weniger Menschen in Seattle verschwinden – und das haben wir. Zufall oder nicht, das kann sich jeder selber denken. Aber den wichtigsten Punkt haben wir auf jeden Fall erfüllt: Unsere Schulprojektgruppe ist quasi wie eine Familie geworden.

Klar, wir haben dafür keinerlei Beweise, aber die brauchen wir auch nicht. Im Leben geht es um mehr, als um Schulnoten. Wir haben bei diesem Projekt viel gelernt und ich kenne diese Leute inzwischen wahrscheinlich besser als einige aus meiner richtigen Familie. Und das mag etwas heißen«, sagte ich zum Abschluss unserer Präsentation.

»Danke an unseren letzten Vortrag. Schade, dass euch eine Schülerin abgesprungen ist, aber gegen einen Umzug kann man ja nichts machen«, sagte Mrs. Backer. Ihr Ton verriet nichts darüber wie sie unseren Vortrag fand. »Setzt euch bitte.«

Während ich zurück zu meinem Platz steuerte, raunte mir Avery ins Ohr: »Das muss mindestens eine Eins werden.« Ich starrte ihn entgeistert an. »Warum? Hast du die Ergebnisse deiner Nachprüfung etwa schon?« »Ne, aber ich brauche trotzdem eine Eins.«

Ich bezweifelte ehrlich gesagt, dass das eine Eins werden würde, auch wenn wir eine verdient hätten. Aber ich wollte Avery seine Hoffnung nicht kaputt machen und antwortete deshalb nichts weiter.

»Ich verteile jetzt die Aufwertungsbögen an jeweils ein Projektmitglied. Die anderen Teilnehmer müssen sich die Ergebnisse dann bei demjenigen abholen.« Bei unserer Gruppe erhielt Bella den Zettel, die ausdruckslos auf das Blatt starrte. Avery war der Erste, der zu ihr lief. »Und?«, fragte er aufgeregt. »Geht. Eigentlich habe ich Schlechteres erwartet«, antwortete Bella.

»Wie geht? Ich brauche kein geht. Ich brauche eine Eins.« »Zumindest hat sie uns die volle Punktzahl für Arbeitsklima gegeben. Aber natürlich haben wir bei unserem Projektthema keine Punkte erhalten. Mrs. Baker hat uns das nicht abgekauft, wie zu erwarten. Du musst dich wohl mit einer Vier zufrieden geben«, meinte Bella zu Avery, der daraufhin aufgebracht den Raum verließ.

Mrs. Backer rief ihm noch hinterher: »Hey, Avery! Wo willst du hin? Hiergeblieben!« Bella rollte die Augen. »Er hat doch nicht ernsthaft geglaubt, dass wir hier eine Eins bekommen würden, oder?« Ich wollte ihr antworten und Avery verteidigen, doch leider fiel mir auch nichts ein. Ich hätte ja auch nicht mit einer Eins gerechnet.

Plötzlich meldete sich Chloe von links hinter mir. »Soll ich mal nach ihm schauen? Ich glaube er ist aufgebracht, weil er momentan einige Probleme mit seinen Eltern hat.« Chloe wartete Mrs. Backers Antwort nicht mehr ab und folgte Avery in den Flur.

»Aber ich sollte doch Avery noch ausrichten, dass er sich im Sekretariat seine Noten abholen soll.« »Ich sag’s ihm«, sagte ich und folgte Avery und Chloe nach draußen.

Ich brauchte gar nicht weit zu gehen, um Avery zu finden. Er saß mit dem Rücken gegen die Wand gelehnt auf dem kalten Boden der Aula und unterhielt sich mit Chloe. Ich räusperte mich vorsichtig. »Es tut mir leid, aber Mrs. Backer möchte, dass du dir im Sekretariat deine Noten abholst.«

»Das hat mir gerade noch gefehlt. Englisch und Mathe kann ich noch schlechter«, sagte er, erhob sich aber trotzdem vom Fußboden.

»Vielleicht sind die Ergebnisse ja ganz okay«, versuchte Chloe zu sagen, doch Avery unterbrach sie: »Wie oft muss ich es noch sagen? Okay, reicht nicht. Ich schaffe es nie Mathe und Englisch nie im Leben über 3,0 und die benötige ich um zu bestehen, weil ich in den Nebenfächern schon so viele Fünfen habe. Ich habe Fünfen in Fächern, die ich eigentlich besser als Mathe und Englisch kann.«

Er wollte sich gerade schon auf den Weg machen, da drehte er sich noch mal um und überlegte: »Ethan, kannst du wohl mitkommen?« Ich zögerte. Eigentlich war der Unterricht bei Mrs. Backer noch nicht beendet. Doch Chloe meinte: »Ist schon gut. Ich werde Mrs. Backer sagen, was los ist.« »Danke«, flüsterte Avery und mir wurde klar, dass er wirklich nicht alleine gehen wollte. Nicht nur, weil er jemanden zum Quasseln wollte.

Als Mr. Johnson im Sekretariat stand, schluckte Avery schon überdeutlich. Normalerweise waren Lehrer bei einer einfachen Notenvergabe nicht mehr anwesend. Ob er ihm mitteilen wollte, dass er die Klasse wiederholen musste?

Gerade weil Mr. Johnson darauf bestand, dass ich vor der Tür warten sollte. Der Arme! Ich wusste was Mr. Johnson von Avery hielt. Er hasste ihn dafür, dass er Mathe hasste. Und jetzt müsste er alleine mit ihm in einen Raum sein.

Und wie lange! Ich hatte zwar nicht auf die Uhr geschaut, aber es kam mir so vor, als würde ich eine gute halbe Stunde auf Avery warten. Was musste er ihm alles noch mitteilen? Eine halbe Stunde lang? Andererseits – ich wusste nur zu gut, dass Mr. Johnson eine richtige Labertasche war.

Endlich öffnete sich die Tür und Avery hielt mir das Blatt mit den Ergebnissen entgegen, die ich jedoch noch nicht erkennen konnte, da die Schrift zu klein war. Aber ich brauchte es auch nicht zu lesen, Avery teilte mir das Ergebnis sofort mit: »Ich habe bestanden, Ethan! Ich kann’s gar nicht fassen. Eine Drei in Englisch, die von Mr. Jenkins abgesegnet wurde, aber nur, weil man in Englisch eigentlich nicht schummeln kann. Von einer Fünf auf eine Drei… das ist immerhin ein Notensprung von zwei.«

»Wow, und da du diese komplexe Matheaufgabe anscheinend auch lösen konntest, war Mathe wohl auch nicht so schlecht. Auch eine Drei?«, fragte ich ihn mit einem breiten Grinsen auf den Lippen. »Nein, eine Zwei, Ethan, eine Zwei! Und das in Mathe! Das hat Mr. Johnson natürlich auch gedacht, weshalb es auch so lange gedauert hatte. Für eine Nachprüfung war natürlich keine Zeit mehr, da dies schon die Nachprüfung war, aber er stellte mir trotzdem noch einige Fragen zur Kontrolle.«

»Cool, dann scheinen die Nachhilfestunden von Emily doch geholfen zu haben.« »Scheint so«, murmelte er und wir gingen zu den anderen in die Pause.