Project Different

Annika Ha · Kapitel 5 von 29

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Project Different

Kapitel 5

[Ethan Bradley]

Die Schulpause zog sich in die Länge, denn ich hatte momentan wichtigere Gedanken als Schule – zum Beispiel die Welt zu retten. Zum Glück waren bald Ferien, die Zeit, wo wir hauptsächlich an unserem Projekt arbeiten mussten. Dann würden wir auch der Erde Lebewohl sagen und zum Planeten Denatri fliegen. »Was Emily wohl machen würde, wenn ich ihr Geheimnis herumerzählen würde?«, dachte Avery laut. Ich boxte ihn in die Seite. »Hör auf. Das darfst du nicht.« »Das weiß ich doch. Aber sie glaubt, dass sie der Boss wäre, nur weil sie besondere Kräfte hat. Vielleicht würde ihr eine kleine Erpressung mal gut tun.«

Normalerweise wiedersprach ich Avery nur selten, doch hierbei musste ich es einfach. »Sie hat zwei andere Menschen in ihrem Kopf, Avery. Sie wird nie allein sein in ihrem Leben und keine Privatsphäre haben. Du solltest etwas mehr Mitleid haben.«

Darauf erwiderte er nichts und kaute nur weiter an seinem Brötchen herum. Inzwischen kannte ich ihn gut genug, um zu wissen, dass das bedeutete, dass er seinen Fehler einsah. Klar, Avery hatte einen Haufen Freunde. Aber ich hatte das Gefühl, dass ihn Niemand so gut wie ich kannte. Ich musste zugeben, dass ich anfangs nur mit ihm befreundet sein wollte, um beliebter zu werden. Aber später wurde mir klar, dass er nur selbstbezogen wirkte, um den Druck stand zu halten.

Sein Vater ist ein echter Tyrann, der Avery zum Basketballchampion machen will, damit er ein Stipendium bekommt. Er weiß nur zu gut, dass Avery mit schulischen Leistungen weniger glänzt, deshalb soll er das durch den Basketball wieder gerade biegen. Ich vermutete, dass er seinem Vater immer noch nicht erzählt hatte, dass er das Training hinschmeißen würde.

Im Raketenstore kauften normalerweise nur erwachsene Wissenschaftler oder ähnliche Leute ein. Deshalb wurden Emily und ich dort ganz schön groß angeguckt, weil wir dort einkauften. Aber das war ja nicht illegal. Nur das Fahren der Rakete wäre illegal, aber das musste das ja nicht zwangsläufig bedeuten.

»Wie sind sie eigentlich so?«, wollte ich von Emily wissen, doch diese hatte keine Ahnung was ich meinte. »Ashley und Addison – in deinem Kopf.« Emily musste lachen. »Wow, du bist offiziell der erste, der mich das fragt. Sie sind echt nett, aber auch ziemlich verschieden.«

Verlegen starrte ich nach unten, doch Emily hatte das wohl anders gemeint als ich vermutete. »Das ist doch gut, dass du mich das fragst. Du erkundigst dich nach dem Empfinden anderer. Es ist nur so witzig, weil ich das von dir nicht erwartet hätte. Avery und du wirkt nun mal nach außen ziemlich selbstbezogen.« Eine kurze Pause entstand, bevor sie weiter sprach. »Warum versucht du denn krampfhaft so wie Avery zu sein? Nur um beliebter zu werden? Beliebt sein wird doch überbewertet. Ich finde man sollte lieber unbeliebt sein, dafür aber zu sich selbst stehen.«

»Du kennst mich nicht gut genug, um zu urteilen wie ich wirklich bin«, fuhr ich sie an. »Stimmt. Ich weiß nicht, wie du bist. Aber eins konnte ich in dieser kurzen Zeit merken: Du bist ganz sicher nicht der zweite Avery«, stellte Emily klar.

»Mag sein, aber er ist trotzdem mein bester Freund. Hast du es schon mal so gesehen, dass du vielleicht gar nicht besser bist als er? Du beurteilst die Leute danach, wie sie nach außen wirken. Nehmen wir doch mal Bella als Beispiel. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ihr früher überhaupt nicht miteinander gesprochen habt. Bestimmt erst als du ihr Tattoo auf der Schulter bemerkt hast. Da dachtest du: Oh, vielleicht ist das Mädchen ja doch interessanter als ich dachte. Wäret ihr befreundet, wenn dieses Tattoo da nicht wäre?«

Jetzt schien Emily wütend zu werden. »Natürlich wären wir das. Ich habe vorher bloß nicht mit ihr geredet, weil ich sie nicht kannte. Irgendwann hätten wir sicherlich miteinander ein Gespräch aufgebaut und ich hätte auch ohne das Tattoo bemerkt, dass sie eine wunderbare Person ist. Mit dir und Avery habe ich, anders als bei Bella damals, aber schon geredet. Und durch dieses Gespräch habe ich schon einiges über euch erfahren. Außerdem solltest du nicht vergessen, dass ich Gedanken lesen kann.« »Aber du liest unsere Gedanken nicht rund um die Uhr. Man muss länger zusammen sein, um eine Person richtig kennenzulernen«, behauptete ich. »Das habe ich ja auch nicht bezweifelt. Deshalb verbringen ja heute auch wir beide Zeit zusammen und nicht Avery und du. Und durch diese Zeit konnte ich auch feststellen, dass du anders bist, als du dich nach außen zeigst. Was ist also dein Problem? Ich bin eigentlich genau das Gegenteil von dem, was du mir vorgeworfen hast.«

Und das war der Moment, wo mir klar wurde, dass ich es einfach auf sich beruhen lassen sollte. Deshalb ging ich auch nicht weiter auf dieses Thema ein und sagte stattdessen: »Lass uns bezahlen.«

Anfangen zu bauen, taten wir in einem verlassen Wald ganz in der Nähe von Emilys Zuhause. Es würde zwar noch eine ganze Weile dauern, bis man eine Rakete erkennen konnte, aber wir wollten auf Nummer sicher gehen.

Schon bald kam Tyler mit seiner Kamera dazu. Mich wunderte es, dass er uns durch die Linse überhaupt erkennen konnte, da ihm seine braunen Haare ständig im Gesicht hingen. Ob er sich den Haarschnitt beim Frisör nicht leisten konnte oder fand er es einfach besser, wenn man seine Augen nicht erkennen konnte?

Tyler beteiligte sich meistens nur in ein Gespräch, wenn es auch wirklich um das Projekt ging. Mit Smalltalk konnte er anscheinend nicht viel anfangen. Vielleicht war das auch gar nicht so schlecht, denn dank Tyler kamen wir richtig voran, da er, so wie es aussah, eine Arbeiterbiene zu sein schien. Er legte nur selten Pausen ein.

Als der Tag sich dem Ende neigte, konnte unsere Gruppe dann schließlich mit Stolz sagen, dass sie an diesem Tag wirklich etwas geschafft haben. Avery und Chloe waren auch schneller als ich erwartet hatte, jedoch sicherlich nicht so schnell wie wir. Janes und Isabellas Einkauf war auch erledigt. Sie hatten echt viel besorgt und mussten sicherlich mehr als einmal los, da sie das alles niemals alles auf einmal transportiert bekommen hätten.

Wenn die restlichen Tage bis zu den Ferien genauso ablaufen würden, könnten wir sicherlich schon gleich zu Beginn der Ferien ins Weltall fliegen.