Briefe von Goethe an Lavater aus den Jahren 1774 bis 1783
Kapitel 9
Deinen Abraham erwart ich freundlich. Weiß zwar kein Wort wie ich ihn hätte
dramatisiren dörfen, doch will ich deiner Poesey gern förderlich und dienstlich
seyn.
Ueber die Platten hab ich nur so was hingeworfen, damit der Band fertig
werde. Wenn du mich nur anbläsest, denn ich sage dir, was du von mir
begehrest, dazu sieh bald.
Gestern tief in dem Getreibe der Meßgeleits-Zeremonien, fiel mir Ariostens
Wort vom Pöbel ein: Werth des Todes vor der Geburt.
Hättest du mir Neuton geschickt — der wäre gesät und geerndtet worden. Du
mußt mich kennen lernen wenn du mich brauchen willst, du bist zwar dadrinnen
sonst ein feiner Schelm, aber ich will dichs noch weiter lehren.
Pestaluz hat mir seine Ankunft melden lassen.
Deinen Abraham hab ich nun. Deinet will ihn drucken, und ich will thun dran
wie mirs um’s Herz ist, bin ich doch nicht weder in Abrahams Fall noch Isaacks
— das Stück wird gute weite Wirkung thun. Will auch einen Würzruch drein
dämpfen hier und da meines Fäßleins, denk ich.
Pestaluz war sehr gut. Ich sagt ihm gleich ich wünschte du kenntest deine
Landsleute besser und sie dich besser — — Er redete ganz für dich — ohne
aber. Gott geb aus einem feinen Herzen.
1776.
G.