Briefe von Goethe an Lavater aus den Jahren 1774 bis 1783

Johann Wolfgang von Goethe · Kapitel 14 von 46

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Briefe von Goethe an Lavater aus den Jahren 1774 bis 1783

Kapitel 11

 

Da hast du von dem herrlichen Lindau einige Blätter. Zimmerm. schreibt mir

er sey todt, ich glaube kein Wort davon. Deine Phis. geht immer richtig durch

meine Hände, ich kann nichts dafür thun als hie und da ausstreichen. Bey

Raphael hab ich einen grosen Schnitt gemacht und mir selbst von einem Tag

zum andern versprochen den Riß wieder auszufüllen, es ging aber nicht.

Ich lebe ganz glücklich in anhaltendem Reiben und Treiben des Lebens, und

bin stiller in mir, als ie, schreibe niemanden, höre von niemanden, mich kümmert

außer meinem Kreis nun gar nichts.

Kaufm. ist wieder da, ich hab ihn nur einen Blick gesehn, er sitzt bey Lyndern

auf dem Gute.

Linnaeus Petern erwart ich mit dem Frühjahr, ich will sehn obs glückt was ich

mit ihm vorhabe. Herder ist wohl und vergnügt.

Leb wohl, grüs dein Weibele, Buben und Kaysern.

 

W. d. 19. Febr. 77.

 

G.

 

Nachts in meinem Garten, in einem warmen Stübgen, da mir draußen über

Schnee und hellen Mondenschein, Waldhörner übers Thal herüber blasen.