Briefe von Goethe an Lavater aus den Jahren 1774 bis 1783

Johann Wolfgang von Goethe · Kapitel 34 von 46

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Briefe von Goethe an Lavater aus den Jahren 1774 bis 1783

Kapitel 31

 

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Du hast deinen Husten wieder? wie gehts —

Ich bin auch zeither kranck, meist ohne es zu sagen, daß niemand frage, und

der Credit aufrecht bleibe. Ich halt es offt mit den Zähnen wenn die Hände

versagen. Sonst geht alles recht gut, die Herzoginn giebt uns Hoffnung zu einem

Prinzen, der Herzog wächst schnell, und ist sich sehr treu.

Ich lade fast zu viel auf mich, und wieder kan ich nicht anders. Staatssachen

sollte der Mensch der drein versezt ist sich ganz wiedmen, und ich möchte doch

so viel anders auch nicht fallen lassen.

 

Den 19. Febr.

 

Soweit war ich als dein Brief kam. Du hast den C. gesehen laß mir doch durch

Bäben wenigstens etwas ausführliches sagen, es ist dächt ich der Mühe werth.

Die lezten Tage der vorigen Woche habe ich im Dienste der Eitelkeit

zugebracht. Man übertäubt mit Maskeraden und glänzenden Erfindungen offt

eigne und fremde Noth. Ich tracktire diese Sachen als Künstler und so gehts

noch. Reime, bey dieser Gelegenheit gemacht, schickt dir vielleicht Kayser. Wie

du die Feste der Gottseligkeit ausschmückst, so schmück ich die Aufzüge der

Thorheit.

Kayser läßt sich gut an, ich hoffe sein Leben hier soll ihn geschmeidiger

machen. Er hat Gelegenheit in seiner Kunst manches zu sehen und zu hören.

Uebrigens wollte Gott daß wir nicht so weit auseinander wären! Adieu lieber

Bruder antworte mir bald. Grüse Frau und Kinder und Pfenningern. Bäben

schreib und schick ich nächstens, sie soll mir meine Sachen wieder schicken, es

sind die einzigen Abschriften.

 

G.