Briefe von Goethe an Lavater aus den Jahren 1774 bis 1783

Johann Wolfgang von Goethe · Kapitel 42 von 46

PDF-Seiten

Briefe von Goethe an Lavater aus den Jahren 1774 bis 1783

Kapitel 39

 

Der Fürst Dessau, der uns heute sehr angenehm überraschte, hat sich wie ich

hoffte sehr gut mit dir gefunden, ich gönne dir, daß du diesen merkwürdigen

Sterblichen auch hast kennen lernen. Da die Nachricht kam du seyst in Frankfurt

sagte die Herzoginn er kommt gewiß, der H. er wird wohl kommen, und ich

sagte ich glaub es nicht. Leider war meine Divination die richtigste. Schön, sehr

schön wäre es gewesen. Nun es konnte wohl nicht seyn.

Du verwendest und verthust manchen Augenblick, gönne mir auch über

Menschen und Sachen, die du auf dieser Reise gesehen hast, ein Wort, ich

verdiens und brauch es. Ich muß wieder eine Anmuthung von dir haben wie mir

der Fürst heute gegeben hat.

Da ich zwar kein Widerkrist, kein Unkrist, aber doch ein dezidirter Nichtkrist

bin, so haben mir dein Pilatus und so weiter widrige Eindrücke gemacht, weil du

dich gar zu ungebärdig gegen den alten Gott und seine Kinder stellst. Deinen

Pilatus habe ich sogar zu parodiren angefangen, ich habe dich aber zu lieb um

mich länger als eine Stunde damit amüsiren zu können.

Darum laß mich deine Menschenstimme hören, damit wir von der Seite

verbunden bleiben, da es von der andern nicht geht.

Von mir hab ich nichts zu sagen als daß ich mich meinem Beruf aufopfere,

indem ich nichts suche, als wenn es das Ziel meiner Begriffe wäre.

Damit du einen Faden habest, so bitt ich dich um Worte über

Prinz Ferdinand.

Erbprinz von Hanau.

Marckgraf v. Baden.

Marckgräfinn.

Edelsheim.

Fürst v. Dessau vor allen.

Seinen Sohn.

Waltersee.

Pfeffel.

Lersé.

Caliostro.

Brankoni.

Bode.

Frau von Diede.

Etwa iemand neues &c.

Treibe Tischbein daß er mir balde näher antwortet. Der Herzog von Gotha ist

ungeduldig zu wissen wie und wann er nach Italien gehn will.

Segne ihn noch recht ein auf Treue und Wahrheit, Reinheit und Reinlichkeit.

Ich möchte gerne das Portrait das er von dir gemacht hat, behalten.

Lebe wohl und gedenke meiner in Liebe.

 

W. d. 29. Jul. 82

 

G.