Briefe von Goethe an Lavater aus den Jahren 1774 bis 1783

Johann Wolfgang von Goethe · Kapitel 43 von 46

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Briefe von Goethe an Lavater aus den Jahren 1774 bis 1783

Kapitel 40

 

Lieber Bruder. Knebel liebt dich so zärtlich als man kan, und nimmt weit

nähern Antheil an den zartgesponnenen Saiten deines Wesens als mir selbst, bey

meiner rohern Natur nicht gegeben ist. Er hat mir zuerst nach seiner Rückkunft

mit sehr treffender Wahrheit verschiedene Dinge an dir, mit denen ich nicht recht

stimmen kan, so schön zurecht gelegt, daß ich seit der Zeit inniger mit dir bin als

iemals — und seine theilnehmende Seele hat mir zu Beobachtung vieler

Schattirungen in dir geholfen; der ich mir selbst überlassen gewisse

Strahlenbrechungen zu starck und andere zuwenig sehe.

Wenn dir recht ist was ich dir hier sende, so fahr ich fort; ich muß meinen Ton

halten, unsre beyde zu vermischen geht nicht, aber so nach einander mags seine

Würkung thun. Gott erhalte dich.

Ich bin dein immer bewegter, im höchsten und niedrigsten, in Weisheit und

Thorheit umgetriebener

 

den 23. Aug. 82.

 

G.