Briefe von Goethe an Lavater aus den Jahren 1774 bis 1783

Johann Wolfgang von Goethe · Kapitel 29 von 46

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Briefe von Goethe an Lavater aus den Jahren 1774 bis 1783

Kapitel 26

 

Weimar den 8. August 1780.

 

Die Kiste ist wirklich angekommen, und ich finde den Riß sehr schön und gut.

Er ist just nicht wohlfeil, aber der Preis ist so ungeheuer nicht, wie du ihn

machst. Deswegen wirst du künftig hin so gut sein und immer gleich schreiben,

was eine Sache kostet, damit man nicht inzwischen denke es gelte Haut und

Haar. Nun aber bitte ich dich, denn es fehlt noch die Hauptsache, der Proceß wie

es gemacht wird, wie viel Zeit man braucht, wie viel Leute dabey angestellt sind

u. s. w.

Mit grosem Verlangen sehe ich dem Waserischen Ende entgegen, nimm dich

zusammen so bald möglich, und schick mirs.

Unter den neuen Kupfern die du geschickt hast waren vier bis fünf Albrecht

Dürers die du noch nicht besasest, und einige bessere Abdrücke, ich hab sie

schon eingeordnet, und du erhältst sie nächstens. Der Holzschnitte sind noch zu

wenig. Unterdeß habe ich auch von Martin Schön und Luckas von Leiden sehr

gute Sachen die dein gehören, diese sollen nach und nach auch zierlich

zusammengebracht werden, und folgen.

Ferner schicke ich dir mit der fahrenden Post das Manuskript das der alte

Bodmer verlangt hat; der Herzog hat sich dafür bey dem Herzog von Gotha

verbürgt, und es kommt ihm hauptsächlich darauf an daß du eine Sicherheit zu

erhalten suchst, das Buch wenn der Alte stirbt ohne Umstände aus dem

Nachlasse heraus nehmen zu können. Ueberleg es, und händige es ihm nicht

anders als gegen einen Schein aus.

Knebeln ist es im Ursern Thale ganz wohl geworden, ich glaube er blieb drey

Tage drinn.

Mit dem zweyten Portrait des Herzogs ist es wieder ein Unglück; man

verkauft doch sonst die grosen Herrn in den schändlichsten Karikaturen. Das

Unglück bey diesem ist aber, daß es mit Geist in eine ganz fremdes Wesen

übergetragen ist. Die ganze Welt wünscht nichts mehr als ein Bild vom Herrn,

und wenn ich diese iemand anbiete, so ist als wenn sie Brod verlangten, und ich

gäb Ihnen einen Stein.

Schreibe mir was vom Befinden deiner Frau. Adieu Lieber!

G.